Für jedes Opfer einen Nagel

TRIER. Während der Projekttage im vergangenen Jahr haben sich Schüler des HindenburgGymnasiums mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigt. Als künstlerische Form der Erinnerung an die Opfer des Holocausts gestalteten sie eine Gedenkstele, die nun offiziell der Schule übergeben wurde.

Zwei Meter hoch ragt ein hell lackierter Holzbalken in einem Glasbehälter empor. In Augenhöhe ist ein Bereich in dunklerer Farbe hervorgehoben, den rote Linien in unregelmäßiger Form durchziehen. Ringsum sind in diesem Feld insgesamt 500 Nägel eingeschlagen. Als Topografie des Terrors könnte man dies lesen. Denn die roten Adern stellen stilisiert das Geflecht der Trierer Straßenzüge innerhalb des Alleenrings dar. Jeder Nagel soll symbolisch für eines der 500 jüdischen Opfer stehen, die in der Stadt lebten und deportiert wurden. "Erinnerungsarbeit ist nicht nur Aufgabe der jüdischen Gemeinde. Hier sind alle gefragt", sagte Benz Botmann, Vorsitzender der jüdischen Kultusgemeinde Trier. Die Schüler Marina Weitzel, Holger Jacobs, Sarah Koch, Hannah Meier sowie Daniel Meyer und Martin Mayer, die unter Anleitung der Künstlerin Bianca Hering an der künstlerischen Gestaltung gearbeitet haben, haben sich "für das Nicht-Vergessen stark gemacht", so Botmann. Mit der Verwirklichung des Projektes und der Aufstellung der Gedenkstele an exponierter Stelle im Verwaltungstrakt des Gymnasiums haben Schüler, Lehrer und Schulleitung die Verantwortung dafür übernommen, dass sich auch die nachfolgenden Generationen der kritischen Auseinandersetzung mit dem dunklen Kapitel deutscher Geschichte stellen. Zur Aufarbeitung des Themas "Nationalsozialismus und Holocaust" gehörte für die Schüler auch, dass "wir ein Hörspiel gehört haben. Die detaillierten Beschreibungen, die Schreie und Dialoge haben die Brutalität veranschaulicht und das Thema für uns zu einem intensiven Erlebnis gemacht. Wir waren alle sehr geschockt", sagte Holger Jacobs. Ebenso hatten die Schüler Gelegenheit, Vorträge von Zeitzeugen zu hören und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. "Von ihnen haben wir Murmeln geschenkt bekommen, die wir immer bei uns tragen sollen. Sie sollen uns daran erinnern, etwas zu tun, wenn wir Zeugen von Gewalt werden", sagte Marina Weitzel. Musikalisch begleiteten Schüler unter Leitung von Norbert Jakobs die Übergabe des Kunstwerks mit zwei Klezmer-Stücken, die in der Tradition des osteuropäischen Judentums stehen. Die "Stele als Stein des Anstoßes", so Schuldirektor Bernhard Bremm, sei ein wichtiges Zeichen für Vergangenheitsbewältigung, auch für Achtsamkeit auf mögliche Entwicklungen. Neben der Schulleitung, Lehrern, Schüler- und Elternvertretern hatten auch Gäste aus Politik und Wirtschaft an der Veranstaltung teilgenommen.

Mehr von Volksfreund