"Für Senioren ist die Uni ein Paradies"

"Für Senioren ist die Uni ein Paradies"

Senioren im Hörsaal: früher ein seltenes Bild - heute ganz normal. Rund 450 Seniorenstudenten besuchen inzwischen regelmäßig Vorlesungen, Seminare und Vortragsreihen an der Universität Trier. Die Hochschule bietet ihnen ein umfangreiches Bildungsprogramm. Das lockt nicht nur Akademiker in den Hörsaal.

Trier. "Für Senioren ist die Universität ein Paradies", sagt Michael Hewera vom Servicebüro Seniorenstudium der Universität Trier. Wo sonst habe man die Möglichkeit, aus rund 1800 Bildungsveranstaltungen zu wählen. Immer mehr Senioren suchen an der Universität eine geistige Herausforderung.

"Wir haben früh auf die neue Nachfrage reagiert", erklärt Hewera. Bereits seit Mitte der 80er Jahre bietet die Hochschule ein Programm für Senioren an. Das Angebot ist vielseitig: Als Gasthörer können ältere Menschen Vorlesungen und Seminare besuchen. Dabei müssen sie sich einschreiben und bei den Veranstaltungen anmelden. Dies übernehmen Michael Hewera und seine Kollegen im Servicebüro.

Ein Abitur braucht man für die Zulassung nicht. Einzige Bedingung: "Maximal vier Veranstaltungen dürfen pro Semester belegt werden." Zusätzlich zahlen Gasthörer zwischen 120 und 200 Euro Semesterbeitrag. Besonders beliebt unter den Rentnern sind die Fächer Politik, Romanistik und Geschichte. Daneben gibt es das Studienbegleitseminar. "Das ist eine offene Vortragsreihe", sagt Hewera, "Wissenschaftler der Universität stellen dort jeden Montag ihre Forschung vor." Dieses Angebot sei kostenfrei und für jedermann zugänglich.

Ebenfalls gefragt sind die Sonderveranstaltungen: Neben Computer- und Sprachkursen stehen hier Museumsbesuche und Exkursionen auf dem Programm. Schwerpunktthema in diesem Semester ist die Nachhaltigkeit: "Wir besuchen ein Ökoweingut und machen eine Energietour durch Trier", berichtet Hewera.

Einige der Aktionen werden von der Seniorengruppe "Life-Time-Drei" organisiert. Eines ihrer Mitglieder ist Christel Scherer: "Wir wollen in der Gruppe mitgestalten und den Austausch untereinander fördern." Scherer hat vor zehn Jahren mit dem Seniorenstudium begonnen. Früher arbeitete sie als Direktionsassistentin. Als sie in Rente ging, hatte sie plötzlich keine Aufgaben mehr: "Ich wollte nicht geistig einrosten und suchte die intellektuelle Herausforderung."

Auch Bert Hofmann kehrte zurück an die Universität. Der ehemalige Professor sucht im Seniorenstudium nach Antworten: "Ich hatte schon immer Fragen, auf die ich keine zufriedenstellende Antwort wusste." So beschäftigte ihn, warum genau der Zweite Weltkrieg ausgebrochen ist. Als Gasthörer in Vorlesungen könne er hinter die Dinge schauen, sagt der 68-Jährige und fügt schmunzelnd hinzu: "Dort finde ich dann meine Antworten."

Für Michael Hewera ist das Seniorenstudium ein Erfolg - auch, weil es nicht nur Akademiker in die Hörsäle zieht: "Erstaunlicherweise wächst die Zahl von Gasthörern, die noch nie eine Universität besucht haben." Menschen, die früher nicht studieren konnten oder wollten, stehe nun die Tür der Universität offen.

Weitere Informationen rund um das Seniorenstudium an der Universität Trier sind erhältlich im Internet unter www.seniorenstudium.uni-trier.de

Achtung: Die Bewerbungsfrist für Gasthörer endet am Freitag, 1. Oktober.

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