Fürs Leben lernen im Kiosk

Dienstags, donnerstags und freitags gibt es im Rathaus Brötchen zum kleinen Preis. Schüler der Porta-Nigra-Schule und der Kurfürst-Balduin-Hauptschule betreuen an diesen Tagen den Snick-Kiosk im Foyer. Seit einer Woche gibt es dort auch fair gehandelten Kaffee aus dem Eine-Welt-Laden.

Trier. Im Eingangsbereich des Rathauses in Trier weht zurzeit ein kühler Wind, wenn sich eine der Türen öffnet. Dennis (17), Michael (14) und Ragib (16) macht das nichts aus. Die drei sind Schüler der Porta-Nigra-Förderschule und betreuen im Rathausfoyer zusammen mit der pädagogischen Fachkraft Christina Wagner den Snick-Kiosk. Sie verkaufen verschiedene Kaffee- und Teesorten für einen Euro, belegte Brötchen (80 Cent) und Würstchen mit Brötchen (1,50 Euro).

Seit einer Woche sitzt auch der Eine-Welt-Laden aus der Pfützenstraße 1 mit im Boot. Die Schüler vertreiben jetzt im Rahmen des "Weltbürger werden in Trier"-Projektes der Lokalen Agenda fair gehandelte Schoko-Riegel für 80 Cent das Stück. Der Snick-Kiosk sei ihnen sofort in den Sinn gekommen, sagt Sabine Mock, die Projekt-Koordinatorin. 250 Gramm fair gehandelter Kaffee kosten 3,70 Euro."Die Schüler sollen die Möglichkeit haben, außerhalb der Lebenshilfe-Werkstatt ein Praktikum zu machen", sagt Wagner. Doris Ramspeck ist bei der Lebenshilfe zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit und denkt, dass die Kinder hier vor allem lernen, mit Menschen umzugehen: "Sie können hier soziale Kompetenzen erlernen und ihre Selbstständigkeit trainieren." Zudem erwerben die Schüler laut Ramspeck Wissen für den beruflichen Alltag. Dazu gehören zum Beispiel die Abrechnung und der Umgang mit Geld.

Das praktische Lernen ist nicht nur wichtig, sondern macht den Schülern auch Spaß. Michael: "Mir gefällt es, mit Geld zu rechnen und an der Kasse zu arbeiten." Von Anfang Januar bis zu den Osterferien, die am 1. April beginnen, ist er zusammen mit Dennis und Ragib zweimal pro Woche im Snick-Kiosk. Und die Kunden sind begeistert von dem Projekt. Einer der Stammkunden ist Dieter Bethge, der in der Nachbarschaft des Rathauses wohnt. "Ich komme immer vorbei, wenn der Kiosk offen ist", sagt er. Manche Rathaus-Mitarbeiter bringen laut Ramspeck keine Brötchen mehr mit zur Arbeit wegen des Kiosks. Sogar Oberbürgermeister Klaus Jensen sagt, dass er sich bei den Kindern manchmal ein Brötchen kauft.

Das Kiosk-Projekt hat 2003 die Kurfürst-Balduin-Hauptschule initiiert. Ein Jahr, nachdem die Lehrerinnen Regina Nagel und Theresia Görgen das Projekt mit ihren Schülern gestartet hatten, ist die Porta-Nigra-Schule mit eingestiegen. Seitdem ist der Kiosk regelmäßig geöffnet. Die Hauptschüler betreuen den Laden dienstagvormittags, die Förderschüler der Porta-Nigra-Schule jeden Donnerstag und Freitag. Und das tun die Schüler erfolgreich - sie schreiben mit dem Kiosk schwarze Zahlen. "Die Einnahmen nutzen wir für Anschaffungen, oder wir machen Ausflüge - gestern haben wir mit 16 Schülern das Theaterstück ‚Der Zauberer von Oz' gesehen", erzählt Wagner. EXTRA Preisgekrönte Schule: 2008 hat die Porta-Nigra-Schule unter anderem für das Kiosk-Projekt den "Fit for Job"-Preis der Wirtschaftsjunioren Deutschland in der Kategorie Förderschulen gewonnen. Der Verband zeichnet damit besonderes Engagement von Schulen aus, die ihre Schüler mit Praxis-Projekten fit für eine Ausbildung machen und so eine Integration ins Arbeitsleben vorantreiben. (cmk)

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