Füße heben beim Gehen

Der Artikel soll zur Diskussion anregen, tut er auch. Zuerst fällt auf, dass die Bildunterschrift fehlerhaft ist, denn die Fugen der Pflaster in der Innenstadt sind keineswegs ausgewaschen, sondern "ausgesaugt", was eigentlich das Dilemma schon aufzeigt.

Wir haben eine Zeit erreicht, wo das Anspruchsverhalten weiter Bevölkerungsteile die Möglichkeiten der Erfüllung der Ansprüche durch die Allgemeinheit und die Verwaltung überholt hat. Denken wir gut vier Jahrzehnte zurück, wo der Pfennigabsatz Mode war - wie sahen da die Beläge aus? Es hat niemanden gestört. Oder denken wir an Orte, die im 15./16. Jahrhundert eine Blüte erlebten und ihr Stadtbild in die heutige Zeit hinüberretten konnten - auch da finden sich oftmals "Katzenköpfe" von Hauswand zu Hauswand und keinen stört es wirklich. Wohlgemerkt: Ich möchte hier nicht die berechtigten Wünsche der Älteren oder anderweitig Bewegungseingeschränkten aus der Welt reden, aber immer und überall die totale Ebenflächigkeit sichergestellt haben zu wollen ist ein Un-Ziel. Vielmehr werden die oftmals kleinen Unebenheiten erst dadurch auffällig, weil der moderne Homo sapiens erectus dank vielfach perfekter Wegeoberflächen seine Füße nicht mehr zu heben gewohnt ist und ihm die Ausnahmen - die vor nicht allzu langer Zeit noch die Regel darstellten - deshalb zur Falle werden. Horst Blaschke Trier