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Fundstücke aus dem Papierbildarchiv: Mutti Krause ist unvergessen

Fundstücke aus dem Papierbildarchiv: Mutti Krause ist unvergessen

Vor einer Woche haben wir den TV-Lesern ein Bild aus dem Papierbildarchiv gezeigt und sie gebeten, mit uns zu räteln. Was zeigt das Bild? Und aus welchem Jahr stammt es? Die Resonanz auf den Aufruf war enorm.

Immer wieder Mutti Krause. Dabei war nach der wohl legendären Wirtin aus Trier im Artikel zum Fundbild aus dem TV (Ausgabe vom 29. September) gar nicht gefragt worden. "Da auf dem Trummergrundstück in der Mitte des Bildes hat die Frittenbude von Leni Krause gestanden." So oder so ähnlich haben gleich mehrere TV-Leser berichtet, die sich per Telefon, per E-Mail oder im sozialen Netzwerk Facebook gemeldet haben. Zur Allerheiligenmesse 1958 gab es erstmals Kartoffelstäbchen auf der Straße zu kaufen - natürlich handgemacht von Leni Krause.
1983 nach dem Tod ihres Mannes übernahm Krause eine Gaststätte in der Hosenstraße. 1995 zog sie sich vom Tresen zurück. Sie starb 1999 im Alter von 77 Jahren. Die Leiendecker Bloas hat ihr mit dem Titel Mutti Krause ein musikalisches Denkmal gesetzt.
Offensichtlich sind sich viele Leser einig, dass Mutti Kruse Kultstatus genießt. So erinnert sich beispielsweise Walther Theis aus Morscheid: "Hier sah und aß ich meine erste Portion Pommes. Das Schälchen kostete damals 50 Pfennig, für zehn Pfennig mehr gab es dann die gute Schaschliksoße dazu, wenn sie auch manchmal etwas sehr verdünnt war. Ich war wie viele andere ein Lehrling vom Lande und kannte so etwas nicht."

Das Alter des Bildes: Bei der Frage nach dem Alter des vom TV gezeigten Bildes gingen die Meinungen auseinander. Die Auflösung: 1959 ist auf der Rückseite des Fotos aus dem Papierbildarchiv notiert worden. Nah dran an der Jahreszahl liegt beispielsweise Leser Matthias Röcke, der aus Sinzig schreibt: "Aufgrund der abgebildeten Fahrzeuge datiere ich das Bild auf 1957/58. Im Vordergrund ist ein VW-Käfer zu sehen mit großer Heckscheibe, wie sie 1957 eingeführt wurde."Reinhold Detemple aus Hermeskeil schätzt das Entstehungsjahr des Bildes auf 1962 bis 1964. Etwas zu früh hat Helga Ernst das Bild eingeordnet, auf 1950 bis 1953. Zusammen mit ihren Freundinnen Ingrid und Gudrun Horst sei sie Anfang der 50er-Jahre über den Kornmarkt über das bucklige Trümmerfeld, die heutige Konstantinstraße, immer wieder zum Palastgarten gegangen. Dort seien die Puppen gefüttert und gewickelt worden, erinnert sich die heute in Lorscheid lebende Leserin. Regelrecht detektivischen Eifer legt Heribert Hanck aus Trier bei der Suche nach der Jahreszahl an den Tag: "Da das C&A Kaufhaus noch nicht steht, das in 1969 eröffnet wurde, muss es also wesentlich früher sein. Rechnet man malfür Tiefgarage und Kaufhaus drei Jahre Bauzeit so wären wir in 1966. (…) Man könnte vermuten, dass die Aufnahme während der Aufbau-, beziehungsweise Dacharbeiten an der Basilika entstanden ist. Da sie 1956 eingeweiht wurde, wäre dies ein möglicher Termin, auch die zu sehenden Fahrzeugmodelle auf den Straßen würden etwa dazu passen. Nur, es sind mindestens zwei VW Käfer zu sehen, die bereits eine rechteckige (statt Bretzel oder Ei) Heckscheibe haben. Diese wurde aber erst 1957 erstmals eingeführt. Also doch etwas später? Einigen wir uns, und das ist jetzt von mir geschätzt, auf 1958!" Fast richtig.
Das Rätselbild hat junge wie ältere Menschen zum mitraten motiviert - denen wir natürlich alle herzlich für die schönen Einsendungen danken. Unter den Mails ist beispielsweise eine von Thomas Weinberger, Jahrgang 1987, aber auch eine Mail aus der Tagespflege Regenbogen des Hochwald-Altenzentrums St. Klara in Hermeskeil. Die Gäste der Tagespflege hätten "mit großer Freude" gemeinsam gerätselt, viele Erinnerungen ausgetauscht und sich dann auf das Jahr 1959 als Entstehungsjahr des Bildes geeinigt, schreibt Wendelin Biwer aus dem Altenzentrum - womit die Senioren richtig lagen.

Die Örtlichkeit: Alle E-Mail- oder Briefschreiber sowie Anrufer haben die Örtlichkeit des Suchbilds richtig erkannt. Allenfalls das Modehaus Marx wurde hin und wieder falsch verortet. Es stand zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht. Beispielhaft ist die Zuschrift von Paul Ansorge, der nach eigener Auskunft noch "arg jung" war, als das Bild entstand. Er beschreibt unter anderem die markanten Punkte wie Hauptpost, Blaue Hand, Hettlage, C.&.A sowie das Quelle-Haus. Das tut auch Wilhelm Queckbörner. Er verweist zudem auf ein wichtiges Ereignis, das bis heute prägend für diesen Teil der Altstadt ist. Die sogenannte Brandgasse. Diese war 1943 zwischen Basilika und Brotgasse angelegt worden, die nach Auskunft von Adolf Neyses "nach möglichen schweren Zerstörungen durch Bomben der Bevölkerung den Weg zum Palastplatz und -garten frei halten sollte."

Die Anekdoten: Gästeführer Ewald Thömmes erinnert sich an eine Szene aus dieser Zeit: "Ich bin mit circa acht Jahren zum ersten Mal mit meinem Vater nach Trier gefahren. Das war für mich als Junge, der in Freudenburg geboren ist, ein Erlebnis. Wir sind mit dem Zug nach Trier zum Viehmarkt und hatten Ferkel in Käfigen dabei. Vater hat diese auf dem Viehmarkt zum Verkauf angeboten. Daran kann ich mich sehr gut erinnern. Vor allem, dass Vater nach einem Handschlag einem wildfremden Menschen die Ferkel übergab."
Ein Leser berichtet am Telefon davon, wo die Kartoffeln bei Mutti Krause herkamen: aus dem Gefängnis in der Windstraße. Diesen seien von Freiwilligen mit einem Handwagen dort abgeholt worden. "Zur Belohnung gab es dann eine Portion Fritten."

Das nächste Rätselbild: Gibt es am Donnerstagabend auf unserer Facebookseite unter
facebook.com/volksfreundtrier Auch dazu freuen wir uns wieder über viele Rückmeldungen.