Fußgänger müssen flüchten

Seit Mitte Oktober ist die L 149 zwischen Mertesdorf und Trier-Ruwer voll gesperrt. Obwohl eine ausgeschilderte Umleitung über die B 52 ("Hermeskeiler") besteht, nutzen viele ortskundige Autofahrer den Schleichweg über Eitelsbach. Während dort eine Ampel den Verkehr sicher durch den Engpass leitet, spielen sich in Ruwer Horrorszenarien ab.

Trier-Ruwer. Frühmorgens in Ruwer: Die Linie 30 ist auf dem Weg nach Waldrach. Im unteren, engen Abschnitt der Straße "Im Paulinsgarten" kommen ihr ein Dutzend PKW aus Eitelsbach entgegen. Langsam tasten sich die Fahrzeuge aneinander vorbei. Wenn jetzt ein Fußgänger käme, ginge nichts mehr. Denn zwischen Borngasse und der Einmündung in die Marienholzstraße fehlt beidseitig der Gehweg. Die Passanten müssen auf der Straße laufen. Dann jedoch ist kein Begegnungsverkehr möglich. Eine gefährliche Situation, die sich durch das erhöhte Fahrzeugaufkommen seit der Sperrung des Fischwegs verschärft hat. "Vorher waren es etwa ein Drittel weniger Autos", vermutet Sofia Jacoby, die an der Engstelle wohnt.Kommen Busse hinzu, wird es noch gefährlicher

"Fußgänger müssen aufpassen, sonst werden sie überfahren", sagt Erika Dopke, die regelmäßig diesen Weg in den Ortskern nutzt. Diese Erfahrung hat auch Mechtild Krause gemacht: "Einmal konnte ich mich gerade noch von der Straße retten und habe mich aus Angst an den Bauzaun des einsturzgefährdeten Hauses geklammert." Denn viele Autofahrer würden rücksichtslos schnell und zu dicht an den Fußgängern vorbei fahren. Auch sei die Ausweichbucht trotz absolutem Halteverbot häufig zugeparkt, so dass die Fahrzeuge kaum aneinander vorbeikommen.Wenn dann noch die Busse hinzukommen, werde es noch gefährlicher. Wegen der Sperrung befahren zusätzlich zu den Bussen der Linie 30 die Linien 200 und 202 der Rhein-Mosel-Verkehrsgesellschaft (RMV) in und aus Richtung Hermeskeil die enge Trasse. "Uns sind keine besonderen Vorkommnisse bekannt", sagt Ernst Nürnberg von der Stadtwerke-Verkehrs-GmbH.Anlieger wie Passanten hoffen auf ein baldiges Ende dieser gefährlichen Situation. Doch eine Aufhebung der Vollsperrung des Fischweges ist zur Zeit nicht in Sicht. Wegen ungünstiger Bodenverhältnisse und schlechter Witterung stocken die Bauarbeiten (der TV berichtete). Wann weiter gearbeitet werden kann, darüber kann Ortsvorsteherin Monika Thenot (CDU) keine Aussagen machen. Der Landesbetrieb "Mobilität" (LBM) habe einstweilen die verkehrsbeschränkende Anordnung bis 15. April verlängert. Es gebe für Ruwer keine befriedigende Lösung. Deshalb appelliert sie an die Autofahrer, möglichst die ausgeschilderte Umleitung zu nutzen, rücksichtsvoll zu fahren und nicht verkehrswidrig zu parken.Nicht nur die Verkehrssituation stört die Anlieger. Auch der Verkehrslärm in der schmalen Straße habe zugenommen. Sofia Jacoby greift zur Selbsthilfe: "Wenn ich meine Ruhe haben will, lasse ich die Rollläden runter." Auf der anderen Seite von Ruwer freuen sich die Anwohner im Fischweg über die Ruhe. "So leise wie jetzt hatten wir es hier noch nie", sagt Margarethe Jacoby.