Nach Verkauf der Warenhaus-Kette Ungewissheit für Galeria-Beschäftigte beenden – das fordert Verdi Saar-Trier von Neu-Eigentümern

Exklusiv · Kurz nach Bekanntgabe des Galeria-Verkaufs durch den Insolvenzverwalter verlangt Verdi in Saarbrücken und Trier, die Beschäftigten in die weiteren Pläne vor Ort einzubeziehen. Und das ist längst noch nicht alles. Doch was kommt dazu vom Betriebsrat an der Saar?

Karstadt in Saarbrücken: mitten in der Innenstadt. Verdi stellt Forderungen an die neuen Chefs des Galeria-Konzerns, zu dem das Warenhaus in der saarländischen Landeshauptstadt gehört.

Karstadt in Saarbrücken: mitten in der Innenstadt. Verdi stellt Forderungen an die neuen Chefs des Galeria-Konzerns, zu dem das Warenhaus in der saarländischen Landeshauptstadt gehört.

Foto: Christiane Wolff

Mindestens 70 Filialen der angeschlagenen Warenhauskette Galeria sollen deutschlandweit erhalten bleiben. Das ist der Konsens nach Bekanntgabe des geplanten Verkaufs an die beiden neuen Investoren. Doch weiterhin müssen die Beschäftigten in Trier und Saarbrücken wie andernorts um ihren Job fürchten. Darum tritt jetzt die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) für die Region Trier-Saar auf den Plan.

Verdi Trier-Saar stellt konkrete Forderungen an neue Galeria-Eigner

Wie es in einer Mitteilung an die Saarbrücker Zeitung heißt, benötigten die Kaufhäuser an Saar und Mosel „endlich eine verlässliche Unterstützung“. Deshalb fordere die Gewerkschaft „umfassende Maßnahmen, um die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen und die Zukunft der Standorte zu sichern“. So soll es „eine kontinuierliche Kommunikation und einen konstruktiven Dialog zwischen den neuen Eigentümern von Galeria und den Beschäftigten“ geben.

Zwar hatte das Management am Stammsitz in Essen sowie Insolvenzverwalter Stefan Denhaus in einem Brief an die Mitarbeiter im Vorfeld der Vertragsunterzeichnung mit den neuen Eignern Stellenabbau und Filialschließungen angekündigt. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen fordert Verdi nun aber, „dass keine weiteren Arbeitsplätze abgebaut und faire Arbeitsbedingungen gewährleistet werden“. Das gaben Arbeitnehmervertreter am Wochenende bekannt.

Gewerkschafter erwarten auch Engagement der Politiker in Trier

Für einen Käuferanreiz bedarf es einer Attraktivität der Häuser. Dafür soll ein „vielfältiges Sortiment“ sorgen. Dies müsse erhalten bleiben. Nur dann sei es den Angestellten vergönnt, ihr Können als kompetente Verkäufer unter Beweis zu stellen. Verdi spricht in diesem Zusammenhang bei Trier und Saarbrücken von zwei Europa-Standorten. Es werde erwartet, dass die neuen Eigentümer für Galeria hier ihr Engagement unter Beweis stellen. Gleichzeitig gehe Verdi von einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit aus, um „mit den Beschäftigten die richtigen Konzepte für die besondere Standortlage zu entwickeln“.

Unabhängig von der Zukunft der Galeria-Warenhäuser setze Verdi auf weitere Konzepte. Dafür müssten Vertreter aus Politik einbezogen werden. Städte und Geschäftspartner sollten Verantwortung zeigen. Dabei gehe es um die Erreichbarkeit ebenso wie um „gute, sichere und bezahlbare Parkmöglichkeiten“ und attraktive Bus- und Bahnverbindungen.

Erste Schritte an der Mosel, noch Erwartungshaltung an der Saar

Dabei verweisen die regionalen Verdi-Vertreter in ihrer Stellungnahme auf Erfahrungen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Betriebsräten, Politikern und der Öffentlichkeit könne sich positiv auswirken. Als Beispiel nennen die Gewerkschafter den gemeinsamen Auftritt von Betriebsrätern und SPD-Kommunalpolitikern. In Saarbrücken müsse Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) nun das Thema aufgreifen und das Land mobilisieren, um unterstützt zu werden. „Nur durch gemeinsame Anstrengungen können Galeria und seine Beschäftigten auch noch in zehn Jahren das Herz der Innenstadt sein.“

Am Mittwoch, 10. April, hatte Galeria-Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus die beiden Investoren offiziell bekannt gegeben, die den Warenhauskonzern übernehmen wollen. Dabei handelt es sich um den US-amerikanischen Geschäftsmann Richard Baker und Bernd Beetz aus Deutschland. Baker hatte bereits vier Jahre die damals noch selbstständige Kaufhof-Unternehmen besessen. Unter der Führung des Österreichers René Benko verschmolz sie 2019 mit Karstadt zu Galeria. Beetz war ebenfalls schon in der Chefetage der Gesellschaft tätig. Heute ist er als Präsident des Drittliga-Fußball-Clubs SV Waldhof Mannheim bekannt.

Was mit Galeria Karstadt Kaufhof bislang geplant ist

Wenn die Gläubiger am 28. Mai dem Sanierungsplan für Galeria zustimmen und den Verkauf an Baker und Beetz absegnen, soll der Konzern als Ganzes erhalten bleiben. Allerdings mit weniger Filialen als bislang. Noch gibt es 92 Galeria-Warenhäuser mit 12 800 Mitarbeitern. Die neuen Eigner in spe wollen mehr als 70 erhalten. Die genaue Zahl dürfte auch am Ergebnis der Verhandlungen mit den Vermietern hängen, ob Nachlässe erzielt werden. Konkrete Standorte wurden bisher nicht genannt, die schließen müssen oder eine Zukunft haben. Das soll sich Ende April entscheiden.

Galeria Karstadt Kaufhof hatte am 9. Januar die dritte Insolvenz seit 2020 beantragt. Ostermontag, 2. April eröffneten Richter am Amtsgericht in Essen das Verfahren. Auslöser für die abermalige Schieflage war der stückweise Zusammenbruch ab Herbst bei Signa. Unter dem Dach dieses vor allem in der Immobilienbranche tätigen Firmengeflechts vereinte Signa-Gründer Benko die beiden Warenhaus-Ketten. Benko ist als Geschäftsmann mittlerweile selbst pleite.

Betriebsrat bei Karstadt in Saarbrücken schweigt bislang

Die Redaktion fragte mehrfach beim Karstadt-Betriebsrat in Saarbrücken nach einer Stellungnahme. Bislang gab es von dort aber lediglich die Pressemitteilung des Galeria-Managements zum Verkaufsergebnis. Eine Einschätzung der aktuellen Lage vor Ort gab es seitens der Arbeitnehmervertretung in der saarländischen Landeshauptstadt nicht.

(hgn)
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