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Ganz schön dreist: Geländer wieder weg

Ganz schön dreist: Geländer wieder weg

Zum zweiten Mal in anderthalb Jahren ist das handgeschmiedete Eisengeländer am "Gruthenhäuschen" in den Igeler Weinbergen gestohlen worden. Für Hinweise auf die Täter hat die Gemeinde Igel eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt.

Igel. Das Gruthenhäuschen, exponiert in den Igeler Weinbergen gelegen, ist mit seinen hellen Säulen eine markante Erscheinung. Der römische Tempel, der auf einer Urnengrabkammer aus dem dritten oder vierten Jahrhundert errichtet wurde, wird gerne und oft für Hochzeiten genutzt. Im vergangenen Sommer fand dort die 200. Trauung statt. Damit ist es vorerst vorbei - aus Sicherheitsgründen. Denn Diebe haben das schmiedeeiserne Schutzgeländer zwischen den Säulen gestohlen. Dahinter ist ein etwa drei Meter hoher Abgrund.

Es ist bereits der zweite Diebstahl dieser Art. Auch im September 2009 hatten Unbekannte das Geländer entwendet, vermutlich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. So könnte es auch jetzt wieder gewesen sein. "Die Diebe haben vermutlich nachts das Geländer mit einer Flex oder einer Metallsäge abgeschnitten", sagt Paul Schonarth von der Polizei Trier. Vieles spricht dafür, dass die Tat in der Nacht zum vergangenen Samstag verübt worden ist. Am Freitag sei das Geländer noch von einem Spaziergänger am Gruthenhäuschen gesehen worden, teilt Igels Ortsbürgermeister Franz-Josef Scharfbillig mit.

Die Polizei sucht Zeugen. Wer verdächtige Beobachtungen gemacht hat, soll sich bei der Wache in Trier, Telefon 0651/9779-3200, melden. Die fünf gestohlenen Geländer-Teile sind etwa einen Meter hoch und 1,20 Meter breit; sie haben senkrecht verlaufende Zwischenstäbe.

Die Gemeinde Igel hat für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter oder zum Auffinden des Diebesguts führen, eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt. Ortsbürgermeister Scharfbillig schätzt den Schaden auf 3000 Euro. Nach dem ersten Diebstahl im Herbst 2009, als das Geländer aus der Bodenverankerung herausgeschraubt wurde, habe man auf eine besonders sichere Befestigung geachtet. Scharfbillig: "Die Schlosserei hat die Pfähle danach in den Beton gesetzt. Wir dachten, die holt keiner mehr raus." Jetzt wolle man im Gemeinderat überlegen, ob es noch Sinn mache, in ein neues, handgeschmiedetes Geländer zu investieren.

Wer die Örtlichkeit kennt, weiß, dass die Täter, nur um in den Besitz von einigen Kilo Eisen zu gelangen, ein sehr hohes Risiko eingehen, erwischt zu werden. Das Gruthenhäuschen liegt gut einsehbar am Hang, ist nur über einen schmalen Wirtschaftsweg erreichbar. Fahrzeugscheinwerfer oder Funken einer Flex wären nachts kilometerweit zu sehen, auch Lärm würde weit ins Tal ausstrahlen. In Igel flachst man schon, dass jemand, der durch sein Ja-Wort im Gruthenhäuschen ins eheliche Unglück gestürzt worden sei, durch die Taten anderen dieses Schicksal ersparen wolle. Denn ohne Geländer gibt es ja keine Trauungen …