Gas-Alarm in Trier: Feuerwehr bringt elf Menschen in Sicherheit

Brandschutz : Update Gas-Alarm in Trier: Feuerwehr bringt elf Menschen in Sicherheit (Bilder/Video)

Drei Bewohner müssen am Donnerstagmorgen ins Krankenhaus. Denn in einem Mehrfamilienhaus in der Aachener Straße strömt giftiges Gas aus. Retterin ist auch eine Fünfjährige.

Ein Alarm bei der Berufsfeuerwehr lässt noch einige Fragen offen: Ein Hausbesitzer, der sich den Einsatz nicht erklären kann, ein Feuerwehreinsatzleiter, der über den Geruchssinn einer Fünfjährigen rätselt und die Frage, wie lange hier schon Gas-Gefahr bestand.

Trier, Donnerstag kurz vor 4 Uhr. Gemeldet ist Gasgeruch in einem Wohnhaus in der Aachener Straße in Trier-West. Rauch strömt aus einem Raum. Einige der 25 Feuerwehrmänner brechen die Tür auf. Eine Couch im Keller hatte augenscheinlich eine Zuluftöffnung verschlossen und die Rauchentwicklung der Heizungsanlage ausgelöst, erklärt Harry Feider, Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr.

Der Monoxid-Verdacht bestätigt sich. Die Einsatzkräfte messen erhöhte Konzentration von Kohlenmonoxid (CO). Ein Betreten des Kellerraums, in dem die Heizungsanlage steht, ist ohne Atemschutz nicht möglich: Der normale Messwert liegt in Wohnräumen bei fünf bis 15 Parts per Million, direkt neben der Heizungsanlage stellt die Feuerwehr einen Wert von 500 fest. Einige Meter weiter weg sinkt der Wert rapide. Der anwesende Einsatzleiter Klaus-Jörg Raskopp veranlasst dennoch umgehend die Evakuierung des anliegenden Wohngebäudes.

Ein Notarzt untersucht die Bewohner auf einem gegenüberliegenden Parkplatz. Bei dreien stellen die Mediziner eine zu hohe Konzentration von Kohlenmonoxid im Blut fest. Daraufhin bringt der Rettungsdienst sie zur weiteren Untersuchung in die Trierer Krankenhäuser.

Feuerwehreinsatz bei Gas-Alarm in Trier-West

So ging es weiter Der zuständige Schornsteinfeger prüft die Heizung und schaltet sie vorerst ab. Die Feuerwehr öffnet in allen Wohnungen und Räumen die Fenster und belüftet das gesamte Gebäude mit einem Überdrucklüfter. Die unverletzten Bewohner dürfen vorerst nicht ins Gebäude zurück.

Im weiteren Verlauf der Untersuchungen wird ein gravierender Defekt an der Heizungsanlage im Keller festgestellt. Unklar ist noch, wie lange die Anlage schon kaputt war und somit unbemerkt Kohlenmonoxid ausgeströmt ist.

Einige Stunden später Alfred Liewen steht am Donnerstagmittag im Hof  des Hauses in der Aachener Straße und zeigt auf den Schornstein. Sonst sei immer weißer Rauch da rausgekommen, diese Nacht dann dunkler, erklärt er. „Der Feuerwehr hat der Geruch nicht gefallen. Da haben sie einfach alles stillgelegt“, sagt Liewen, Eigentümer des Gebäudes. Allein in Trier-West besitze er noch über 180 weitere Wohnungen, gibt der 80-Jährige an. Die Heizungsanlage gebe es hier seit 15 Jahren, noch nie habe es einen Vorfall gegeben. „Da war nix“, sagt der Eigentümer von Allka Immobilien dann noch, und: „Die machen natürlich die Show.“ Er meint die Feuerwehr. Liewen argumentiert, da könne gar kein Gas ausgetreten sein, schließlich gehe es um eine Ölanlage mit Tank. Auch alle Durchlauferhitzer liefen mit Elektrizität.

Unten im Keller reinigt währenddessen Thomas Bidinger von der Firma Fischer den Ofen, der den Einsatz verursacht hat. Sein Messgerät zeigt, dass kein Kohlenmonoxid mehr in der Luft liegt.  Bidinger bestätigt auf Anfrage: „Ja, die Werte waren definitiv zu hoch.“ Liewen steht daneben, kann sich den Vorfall nicht erklären. Die Anlage werde jedes Jahr gewartet.

Techniker Bidinger mutmaßt, dass möglicherweise eine Düse kaputt gewesen sei. Durch die Verstopfung seien die Abgase nicht schnell genug abgezogen und das Kohlenmonoxid ausgetreten. Im Eingang zum Keller hängt ein Schild, auf dem steht, dass die Heizung kaputt ist. Was mit der Heizung los war und wie lange das Schild schon hängt, erklärt Liewen nicht genau. Für Einsatzleiter Feider ist die Möglichkeit durchaus wahrscheinlich, dass hier schon länger ein Defekt bestand.

Friedel Günther ist Hausmeister für die Wohnungen auf der Aachener Straße. Er fegt gerade im Hof. Von 4 Uhr bis etwa 6.30 Uhr nahm er während des Feuerwehreinsatzes die aus ihren Betten geklingelten Anwohner bei sich auf. Er erzählt, wie eine Bewohnerin in der Nacht von ihrer Tochter geweckt worden sei. Das fünfjährige Mädchen hatte auffälligen Geruch bemerkt. Daraufhin habe die Mutter sofort die Feuerwehr alarmiert. Wie das Mädchen das nicht riechende Monoxid wahrgenommen haben kann, kann sich sich Feider von der Berufsfeuerwehr nicht erklären.

„Klar waren alle aufgeregt“, sagt der weiter aufräumende Hausmeister. Nun ginge es aber allen gut. Die Bewohnerin und ihre Tochter sind an diesem Mittag nicht anwesend. Mahmoud Sawah (28), ein Flüchtling aus Syrien, lebt seit zwei Jahren im Erdgeschoss. In seinem kleinen Wohnzimmer fühlt er am Heizkörper: Gegen 13 Uhr geht diese noch nicht wieder, viel wichtiger seine Bestätigung: „Mir geht es gut“.

Wie es den drei Bewohnern geht, die erhöhte CO-Werte im Blut aufwiesen, ist bis Redaktionsschluss nicht bekannt.

CO-Vergiftungen führen alleine in Deutschland zu schätzungsweise 3000 Todesfällen jährlich. Im Oktober 2016 starb eine 32-Jährige aus dem Langsurer Ortsteil Metzdorf an einer solchen Vergiftung. Im Januar 2017 starben im bayerischen Arnstein sechs Jugendliche in einer Gartenlaube (der TV berichtete).

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