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Gastbeitrag zur Rettung einer Entenfamilie in Trier

Tiere : Die Geschichte hinter dem Entenmarsch in Trier-Nord

Eine Entenfamilie muss Ende April von der Straße gerettet werden. Telse Radeloff-von Drathen arbeitet in der Nähe im Mutterhaus. In ihrem Gastbeitrag erzählt sie jetzt, warum sie die Entenfamilie schon seit vielen Jahren kennt und wie die Küken aufwachsen.

Seit über zwölf Jahren erscheint im Februar/März ein Stockenten-Paar im Bereich unseres Löschteiches, um sich hier sein Revier für die Brut zu sichern. Diesmal ließ sich die Entenmutter in ihrem selbst gebauten Nest im Schilf direkt am Wasser zum Brüten von nacheinander gelegten zwölf Eiern nieder. Vorsichtshalber habe ich eine Absperrung gemacht, damit Patienten und Besucher respektvoll auf Abstand bleiben.

Es gab keinerlei Störungen für die werdende Mutter; nur ganz gelegentlich kamen ein paar neugierige Krähen (Feinde!) in die Nähe des Nestes, richteten jedoch keinen Schaden an.

Außerdem bewachte der Erpel das Revier. Wenn sich die Entenmutter zwischenzeitlich mal zum Fressen entfernen musste, bespritzte sie ihre Eier mit übel riechendem Kot und deckte das Nest mit Daunen zu.

Nach etwa 28 Tagen war es endlich so weit: Bei strahlendem Sonnenschein schlüpfen frühmorgens am  23. April zwölf gesunde, muntere Entenküken aus ihrem Ei und eilen, begleitet von ihrer Mutter, ins Wasser. Ja, sie können direkt nach ihrer Geburt schwimmen. Ja, sie fressen direkt danach am Uferrand mit großem Hunger Samen und schnappen erfolgreich nach kleinen Insekten. Herrlich anzusehen, wie die Küken bereits nach zehn Stunden ihres jungen Lebens übers Wasser jagen und währenddessen sogar noch nach Insekten schnappen können. Die Mutter gibt ihnen nun mehr und mehr Freiheit und Selbstständigkeit, bewacht sie jedoch aus angemessenem Abstand.

Am nächsten Morgen: Größere Ausflüge im geschützten Gartengelände, durch die vielen Blumenbeete, unter den Sträuchern hindurch. Obwohl sie sich ziemlich ungestört fühlen können, geschehen alle Bewegungen in unglaublich hoher Geschwindigkeit. Sie müssen sich schließlich fit machen für die große, unvermeidliche (!) und lange Reise zur Mosel. So ein Löschteich ist vermutlich einfach zu eng für so viele Enten.

Sehr bemerkenswert bei der ganzen Geschichte: Viele Patienten, Mitarbeiter unseres Hauses, Kinder, Besucher und eine Klasse der Porta-Nigra-Schule (Engelstraße) verharren mit Freude, staunend und völlig geräuschlos im Garten, so dass die Entenküken ungestört ihre ersten Lebenstage bei uns verbringen konnten. Die bereits erwähnten Krähen werden meist von aufmerksamen, verantwortungsvollen Patienten verscheucht.

Von dem zwölften Entenküken wird übrigens nicht mehr berichtet. Wo mag es wohl sein?

Unsere Entenmutter (Enten können bis zu 20 Jahre alt werden ) wird mit großer Wahrscheinlichkeit im nächsten Frühling wieder bei uns brüten wollen. Wir wären dankbar, wenn ihnen dann der Stress durch den Trierer Verkehr erspart bliebe.

Ich nahm zeitig Kontakt auf mit der Feuerwehr und bat um das Einfangen der Küken hier im geschützten Raum (wie bereits vor zwei Jahren erfolgreich geschehen).

In früheren Jahren war es für die Familie noch relativ einfach, an die Mosel zu gelangen: Entenmarsch durch unsere Eingangshalle, dann über den hinteren Bereich des Brüderkrankenhauses, Remigiusstraße. Entweder kurzer Feuerwehreinsatz, um die Zurmaiener Straße zu überqueren, oder auch – kaum zu glauben, aber von einem unserer Mitarbeiter vor drei oder vier Jahren miterlebt – „vorschriftsmäßig“ den Zebrastreifen im Bereich Georg-Schmitt-Platz zu nehmen.

Durch Baumaßnahmen im Bereich Brüderkrankenhaus schien es dann aber bei der Ente zur Verwirrung gekommen sein; der gewohnte Weg war nicht mehr zu finden.

Die Autorin Telse Radeloff-von Drathen ist Patientenfürsprecherin und seit elf Jahren verantwortliche Gärtnerin im Klinikum Mutterhaus Nord in Trier (ehemaliges Elisabethkrankenhaus).