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Gastronomie : Trier-Zurlauben: Geschäfte gehen weiter, der Streit auch

Zwei prominente Trierer haben 2013 Bayern-Flair an die Zurlaubener Moselpromenade gebracht. Mit der Eintracht ist es nun vorbei. Der eine ist pleite, der andere will ihn loswerden.

Die Szene erweckte den Eindruck einer zünftigen Männerfreundschaft. Einträchtig posierten sie mit Bierkrügen für die TV-Kamera: Theo Thonet, der das ehemalige Nobelrestaurant Pfeffermühle aufwendig restauriert und in ein bayerisches Flair verströmendes Paulaner Wirtshaus verwandelt hatte, und sein Pächter Karl Schmelzer.

Das war im Oktober 2013, kurz nach Eröffnung der neuen Großgaststätte an der Zurlaubener Moselpromenade. Heute kommunizieren die beiden Herren nur noch über ihre Rechtsanwälte miteinander.

„Das war keine Männerfreundschaft. Das war eine Zweckgemeinschaft“, sagt Theo Thonet (65), der deutschlandweit Frisörsalons betreibt. „Ich wollte bayerische Lebensart und Gastlichkeit importieren und suchte jemanden, der sich in Zurlauben auskennt.“ Das tut Karl Schmelzer (69) zweifellos. Seit 1990 ist er Inhaber des Restaurants Bagatelle gleich neben dem Paulaner, in einem Haus, das ebenfalls Thonet gehört.

Schmelzer als Leiter zweier unterschiedlicher Gasthäuser – nach außen hin funktionierte das. Bis vor wenigen Tagen bekannt wurde: Er ist pleite, das Finanzamt hat ein Insolvenzverfahren beantragt.

Wie es dazu kommen konnte, darüber gibt es unterschiedliche Versionen. Karl Schmelzer bezeichnet die Dauerbaustelle am und auf dem Zurlaubener Damm als Ursache. Er habe in diesem Jahr in beiden Läden rund 20 Prozent weniger Umsatz verbucht als 2016: „Das war natürlich nicht mehr tragbar. Deshalb konnte ich einiges nicht mehr finanziell bedienen.“ Zum Beispiel die Miete, die er, wie er einräumt, seit zehn Monaten nicht mehr gezahlt hat.

Deshalb hat Thonet („Ich sehe das anders. Der Paulaner hatte dieses Jahr keinen Mangel an Zuspruch und auch kein Umsatzproblem“) Schmelzer zum 31. Dezember 2017 für beide Gaststätten gekündigt.

Dass der immer noch da ist und auch an Silvester und Neujahr keine Reservierung platzen lassen musste, liegt daran, dass er gegen den Rauswurf klagt: „Das verschafft mir Zeit.“ Zeit, die er nach Ansicht des vorläufigen Insolvenzverwalters Bernhard C. Seibel (56) nutzen kann: „Ich habe begründete Hoffnung, dass Herr Schmelzer es schaffen kann, aus der Schieflage herauszukommen. Die Lieferanten bleiben bei der Stange, und die Löhne fürs Personal werden übers Arbeitsamt vorfinanziert. Ich denke, bis Frühjahr wird der Geschäftsbetrieb sich normalisieren.“

Die Planungen von Schmelzer, der sich „als Motor“ der achtköpfigen Wirtegemeinschaft auf der Zurlaubener Gastromeile sieht, reichen noch viel weiter. Zur offiziellen Eröffnung der rundum und ansehnlich auf Vordermann gebrachten Moselpromenade  will er eine Sektgala organisieren. Weitere Veranstaltungen wie das Weinfrühlingsfest und den Adventslichter-Weihnachtsmarkt, die unter seiner Federführung aus der Taufe gehoben und etabliert wurden, werde es „selbstverständlich weiterhin geben“. Eine „kleine Lösung“ wie etwa eine Beschränkung auf die Bagatelle sei für ihn keine Lösung: „Ich will weiterhin beide Gasthäuser betreiben – oder keines.  Ich glaube, ich bin ein guter Wirt, auch für das Paulaner.“

Theo Thonets Planungen sehen indes komplett anders aus. Er bezeichnet die „Ära Schmelzer“ in seinen Häusern für beendet: „Ich werde nicht mit ihm weitermachen.“ Auch eine erneute Doppellösung strebe er nicht an. Für das Wirtshaus suche er einen „gestandenen, professionellen Gastgeber, der bayerische Gastronomie beherrscht“; die Bagatelle solle unter anderer Regie weiterhin im Feinschmecker-Genre betrieben werden.

Gibt es bereits Interessenten? „Oh ja, jede Menge und nicht nur aus Trier. Aber ich will noch keine Namen nennen“, sagt Thonet, der seinem Faible fürs Bajuvarische auch vor Ort frönt: Der gebürtige Ehranger hat seinen Zweitwohnsitz in München.

Am 19. Februar sehen sich beide Parteien vor Gericht wieder. Dann ist der nächste Termin in Sachen Kündigung und Gegenklage.

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