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Gaumenkitzel und Ohrenschmaus

Gaumenkitzel und Ohrenschmaus

OLEWIG. Auf geschichtsträchtigem Boden feierten am Wochenende einige hundert Menschen im Weingut Deutschherrenhof mit der Familie Oberbillig. Denn die Geschichte des Olewiger Familienclans lässt sich bis Anfang des 18. Jahrhunderts zurück verfolgen. Stets war sie eng mit Wein verbunden.

Familie Oberbillig war auf Trab. Schon einige Tage zuvor waren die mehr als 200 Plätze in Hof und Garten reserviert. Denn den besonderen Anlass - das 100-jährige Bestehen des Gutshauses - wollte die Familie nicht allein, sondern mit Gästen und Freunden bei einem gemütlichen Hoffest feiern. Und gemütlich war's auch für die Gäste, die nach Olewig gekommen waren. Die ehemalige Gebietsweinkönigin Anne kümmerte sich um die Organisation und gemeinsam mit Bruder Sebastian und Tante Anja um die Gäste, die Eltern Marianne und Albert sowie Onkel Christoph sorgten für das leibliche Wohl. Auch Oma Maria stand in der Küche, denn das wollte sie sich nicht nehmen lassen. Bis vor zwei Jahren sei die 86-Jährige sogar noch mit in den Weinberg gegangen, verrät Enkelin Anne. "Die Familie hält eben zusammen, die Arbeit geht Hand in Hand." Klar, dass da auch Marias Schwester Irmgard mit ihren 81 Jahren im Betrieb noch "voll im Einsatz" ist. Auf die Zeitreise in die eigene Familiengeschichte hat sich Anne in den vergangenen Monaten begeben, hat Kirchenbücher gewälzt, Fotos restaurieren lassen, ihre Wurzeln bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgt und einen Stammbaum angelegt. Im Winter will sie sich weiter mit Ahnenforschung beschäftigen, vor allem den Zweig der Schieben-Familie und die vielen Seitenlinien dokumentieren. Das Weingut, wie es heute besteht, haben Nikolaus Schieben und seine Frau Margaretha 1905 aufgebaut und wird heute von Albert und Marianne in der vierten Generation geführt. 1995 haben sie das alte Gutshaus komplett renoviert, Stuckdecken freigelegt und das 100 Jahre alte Gebäude zum Teil in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. "Es war immer ein Haus, das für alle offen war, wie auch heute noch", sagt Anne. Mit ihrem Bruder Sebastian, der bereits im Betrieb mitarbeitet, steht schon die nächste Generation in den Startlöchern, die Familientradition und Gut weiterführen will. Cuvée im Champagner-Stil zur Begrüßung

Dass er den richtigen Weg findet, zeigt sich an den Weinen, die der Betrieb produziert. Beim Hoffest schenkte der Junior zur Begrüßung einen besonderen Tropfen aus. Einen Sekt, den er während seines Studiums in Geisenheim als Cuvée aus drei Weinen vom Deutschherrenhof im Champagner-Stil hergestellt hat. "Es gibt bei Veranstaltungen nichts wichtigeres als einen guten Sekt", sagt Sebastian und spendierte rund 50 Flaschen der mehr als gelungenen Spezialabfüllung von nur 150 Flaschen. "Sebastian macht das ganz toll, genauso wie die Eltern. Wir sind stolz, so einen Betrieb im Ort zu haben", sagt Paul Haag (62), Nachbar des Weinguts. "Die Oberbilligs sind richtige Olewiger, wenn man einen von denen braucht, sind sie da." Das Hoffest und die hauseigenen Erzeugnisse genoss er deshalb in vollen Zügen mit seiner Familie und seinen Freunden. Neben dem Wein ließ auch das Musik-Programm, das Anne organisiert hatte, die Herzen höher schlagen. Soul-Röhre und Ex-Black Cats Sänger Bill Marsh brachte die Augen vieler Black-Cats-Freunde zum Glänzen. Mit der Band Pants Divine, die auch Julia Steffen (Stimme der Region 2004) begleitete, sang er sich mit seinen unvergessenen Hits in die Herzen seiner Fans. Der Sonntag stand mit der französischen Sängerin Florence Absolu im Zeichen des Jazz.