Gefährliche Begegnungen

TRIER-SÜD. Holpriges Pflaster, schwierige Überquerung und Verwirrung. Das sind drei Kennzeichen des Leoplatzes. Er ist in der Südstadt vor dem Bahnhaltepunkt gelegen und wird täglich von Hunderten Auto- und Radfahrern sowie Fußgängern passiert. Auch Versorgungsfahrzeuge der ART poltern tagein, tagaus über den Platz.

Eine alte Dame geht vorsichtig mit ihren Einkaufstaschen über die Pflastersteine. Autos rasen an ihr vorbei. Schulkinder laufen zur Seite oder quer über den Platz. Eine junge Mutter rettet sich mit ihrem Nachwuchs auf die mittlere Insel mit der großen Laterne, um vor der zweiten Weghälfte auszuruhen und eine sichere Route über den Platz zu suchen. Das ist Alltag auf dem Leoplatz, dem Ort, wo sich Hopfengarten, Adelheidstraße und Leostraße vor der Bahnunterführung kreuzen. Der Leoplatz zeugt von jahrhundertealter Pflasterertechnik, angesichts des grauen, asphaltierten Straßen-Dschungels der Stadt. Könnte man denken, wenn man als Besucher nach Trier-Süd kommt. Doch nichts am Leoplatz erinnert an ein beschauliches Idyll, an dem man gerne verweilt. Auch nicht der Blick auf das Anfang des 20. Jahrhunderts gebaute, attraktive Bahnhofsgebäude. Im Zuge der Verlängerung der Hohenzollernstraße in östlicher Richtung von der Saarstraße wurde damals der Bahnhaltepunkt in Trier-Süd neu eingerichtet. Der Leoplatz ist für Fußgänger ein ungewollter Hindernis-Parcours, während Autofahrer die richtige Fahrtrichtung suchen. Nur der Altbach bahnt sich nicht mehr überirdisch seinen Weg über den Leoplatz, sondern verläuft im Rohrsystem bis zum Flussufer in Richtung Mosel. Bald sollen sich die gegenwärtigen Zustände ändern - zumindest provisorisch. Die SPD-Gruppe Trier-Süd will sich für dieses Ziel stark machen und das Thema Leoplatz auf die Tagesordnung einer der nächsten Ortsbeiratssitzungen bringen. "Es ist ein sehr großer Platz mit langen Wegen von einer zur anderen Seite. Ein Kreisel wäre sicherer für die Verkehrsleitung, für Schüler, Fahrgäste der Bahn und alle anderen Fußgänger", sagt Sven Teuber, Vorsitzender der SPD Trier-Süd. Durch einen Kreisverkehr würde sich die oft hohe Geschwindigkeit der Fahrzeuge automatisch reduzieren, die Verkehrslage sich verbessern und die Gefahr wäre verringert, meint Teuber. Natürlich müsse man sich auch an den Vorschlägen, die das Bürgergutachten macht, orientieren. Darin wird gewünscht, dass die Straßen, die auf den Platz münden, schmaler werden. Grünflächen sollen platzgestaltend angelegt werden, Wasser soll aus dem Altbach-Kanal heraufgepumpt oder ein Teil des Bachlaufs freigelegt werden. Damit soll der Leo-Platz für die Bürger erlebbar werden. "Ich bin immer aufgeschlossen für Grünflächen, aber man muss auch die Investitions- und Folgekosten sehen", erklärt Sven Teuber. Die Kostenfrage wird auch entscheidend sein, ob die Umgestaltung so über die Bühne gehen kann. "Bereits seit 1997 ruht das Vorhaben", teilt Baudezernent Peter Dietze mit. Bereits damals gab es einen Gestaltungsplan der Verwaltung, der nicht ausgeführt wurde. "Angesichts der Haushaltssituation ist wohl auch eine Realisierung eines solchen Projektes mittelfristig nicht möglich", sagt Dezernent Dietze. 1997 wurden umgerechnet etwa 300 000 Euro für die Tiefbaukosten bei einem Komplett-Umbau geschätzt. Eine Probelösung, wie sie im luxemburgischen Grevenmacher realisiert wurde, könnte im Laufe der Zeit auf ihre Funktionsweise getestet und je nach Bedarf bis zum Optimum verändert werden. Sie wurde aber wegen des hohen, vermutlich auch doppelten Kostenaufwandes nicht weiter verfolgt. Bis die Aufnahme des Leoplatzes in die Stadtteilrahmenplanung oder die Bemühungen der Stadtteil-Politiker Früchte im Sinne der Bürger tragen wird, wird wohl noch viel Altbachwasser durch den Kanal in die Mosel fließen.