Gefährliche Industriebrache
Mehr als bloß ein Schandfleck ist das Gelände der ehemaligen Plattenfabrik in der Wasserbilliger Straße in Trier-Zewen. Das Eingangstor steht mitunter offen und ist zeitweilig nicht gegen das Betreten von Neugierigen abgesichert. Bei dem brachliegenden Gelände handle es sich um eine "echte Gefahr" für spielende Kinder , sagen die Zewener hinter vorgehaltener Hand.
Trier-Zewen. Nur eines flüchtigen Blickes bedarf es um zu erkennen, dass der ehemalige Steingutbetrieb in der oberen Wasserbilliger Straße in Trier-Zewen schon einmal bessere Zeiten gesehen hat. Ein großes eingestürztes Dach fällt direkt ins Auge. Darunter marode Mauern und Wände. So gut wie kein Stein sitzt mehr auf dem anderen. Unmengen von Bauholz liegen überall.
Die Fenster sind eingeschlagen, gefährliche Glasreste stecken noch in den Rahmen. Zwei verdächtige Fässer stehen an der einen Gebäudeseite. Die ehemalige Toilette zerstört. Nur eine Rolle Klopapier und ein rosafarbenes Handtuch an der Wand haben die letzten Jahrzehnte überdauert. Zudem: Zerschlagene Eternitdachplatten wohin man nur schaut.
Doch dies alles ist nichts im Vergleich mit den 20 einen halben Quadratmeter großen Öffnungen im Boden, die ein paar Meter in die Tiefe gehen und die als Gefahrenstelle fast nicht auszumachen sind: Moos hat sich drum herum angesetzt und auch farblich fallen die Schächte zu der Bodenfläche nicht auf. Von einer Kennzeichnung oder gar Absicherung keine Spur.
Keine ausreichende Absicherung
Das Haupteingangstor stehe nicht ständig offen, aber in letzter Zeit immer öfter, sagt ein besorgter Vater: "Hoffentlich gehen keine Kinder hierhin spielen." Ein Ausflug könnte bei dem Gefährdungspotenzial verheerende Folgen haben. Gleichwohl habe vor etwa einem halben Jahr ein GPS-Gerät (Satelitennavigation) für Stunden auf dem Gelände gestanden.
Über die Eigentumsverhältnisse des Firmen-Überbleibsels gehen die Meinungen auseinander. In den vergangenen Jahren sei das Gelände zweimal wieder abgesperrt worden, immer zeitnah, wenn auf Missstände aufmerksam gemacht worden sei, sagt Ortsvorsteherin Maria-Elisabeth Grünhäuser.
Die Beobachtungen eines Vaters haben ergeben, dass das Eingangstor nunmehr längere Zeit nicht durch ein geeignetes Schloss gegen Betreten gesichert war. Es klafft in dem Tor ein großes Loch, hervorgerufen durch fehlende Gitterstäbe. Hindurchklettern eine Leichtigkeit.
Und auch schriftliche Hinweise wie "Betreten verboten" sucht man vergebens. In der Ortsbeiratssitzung vor der Sommerpause war das ehemalige Firmengelände, auf das in Zewen niemand stolz ist, Gegenstand eingehender Beratungen. Darauf hin hatte sich Ortsteilchefin Maria-Elisabeth Grünhäuser an die Stadtverwaltung gewandt.
Zwar habe sie eine Eingangsbestätigung ihres Schreibens bekommen, aber noch keine konkrete Mitteilung über vorgesehene Maßnahmen erhalten.
Gelände verfällt seit Mitte der 70er Jahre
Etwa seit Mitte der 70er Jahre ist der Betrieb geschlossen und das Firmengelände immer mehr dem Verfall preisgegeben. 30 bis 40 Leute haben einst hier gearbeitet, darunter viele aus dem Ort, weiß ein Zewener Zeitzeuge. Schon im Bürgergutachten war die Rede von der Industriebrache an der Zewener Ortsrandlage. "Saubere Fassaden und mit Blumen geschmückte Fenster und Vorgärten bewirken ein farbenfrohes Bild", heißt es zwar in der Zusammenfassung aus dem Jahr 2004 über das Ortsbild. Aber auch: "Die Industriebrache der ehemaligen Plattenfabrik in der oberen Wasserbilliger Straße stört den Gesamteindruck empfindlich und ist darüber hinaus aus Umweltschutzgründen in hohem Maße bedenklich. Astbestbelasteter Bauschutt ist nicht ungefährlich und sollte entsorgt werden." Mag sein, dass es die im Gelände frei zugänglichen Öffnungen im Boden damals noch nicht gab. Heute indes sind sie gefährliche Realität.