Gefährlicher Graben mitten im Wohngebiet

Gefährlicher Graben mitten im Wohngebiet

Ein tiefer Graben erstreckt sich direkt vor einem leerstehenden Haus in der Kronprinzenstraße in Trier-Ost. Mehrere Wochen lang sicherte eine Warnleuchte die Grube ab - dann war der verwahrloste Vorgarten plötzlich wieder frei zugänglich. Offenbar auf Nachfrage des TV ist gestern Bewegung in die Sache gekommen.

Trier. Etwa eineinhalb Meter tief ist der Graben direkt vor der Fassade des Hauses Nummer 15a in der Kronprinzenstraße in Trier-Ost. Der kleine Steinweg zwischen Straße und Haustür endet direkt über der Grube. Wollte zum Beispiel ein Austräger von Werbepost, der sich in der Ecke nicht auskennt, in den dunklen Morgenstunden unbedacht seine Fracht in den Briefkasten in der Haustür werfen, würde er wohl unweigerlich in das Loch plumpsen.
Verwilderter Vorgarten


Schon seit Mitte der 1990er Jahre steht das verklinkerte Haus leer. Vor mehr als zehn Jahren hatte der Besitzer, ein Geschäftsmann aus Konz, das Erdreich rund 1,5 Meter tief ausgehoben, um die Kellerwand abstützen zu können. Offene Rohre ragen aus der Hauswand und aus dem Boden. Aus dem Dachrand sprießt ein kleiner Baum.
Im Sommer konnte man Tauben beobachten, die durch einen kleinen Durchschlupf Zutritt ins Dachgeschoss fanden. Die Nachbarn ärgern sich seit Jahren über den verwilderten Vorgarten und das mehr und mehr verfallende Gebäude, das jahrelang in einer Art Dornröschenschlaf versunken war. Vor mehreren Wochen versperrte dann plötzlich eine Warnleuchte von der Straße aus den Zugang in den Vorgarten. Der TV hörte bei der Stadtverwaltung nach, was da los ist. Doch das weiß man im Rathaus offenbar auch nicht: Erst verkündet das städtische Presseamt kurz und bündig, dass die Warnleuchte vom Hauseigentümer aufgestellt worden sei. Zum Warum gibt\'s keine Auskunft. Auf nochmalige Nachfrage des TV heißt es dann, dass die Warnleuchte "in den nächsten Tagen wieder entfernt" werde. Das passiert auch. Zum Warum gibt\'s allerdings immer noch keine Informationen.
Korrektur bei Nachfrage drei


Bei der dritten Nachfrage ändert sich dann plötzlich die gesamte Sachlage: Nicht der Eigentümer, sondern das städtische Tiefbauamt habe die Warnleuchte im Herbst aufgestellt, korrigiert sich das Presseamt selbst. Und zwar aufgrund eines Beschwerdeanrufs aus der Nachbarschaft. Offenbar hielt das Tiefbauamt die Sache für dringend: Mitten in der Nacht ist die Rufbereitschaft des Straßendienstes ausgerückt. Das Aufstellen der Warnleuchte sei eine "Sofortmaßnahme" gewesen, um auf den schlechten Zustand des Grundstücks aufmerksam zu machen, erklärt die Stadtverwaltung plötzlich.
Womit zwar geklärt ist, warum die Warnleuchte aufgestellt wurde. Diesmal bleibt das Rathaus allerdings die Antwort auf die viel wichtigere Frage schuldig: Nämlich, warum die offenbar so dringend nötige Warnbake wieder entfernt wurde?
Auch die Einschätzung der Sicherheitslage hat sich bei der Stadtverwaltung offenbar innerhalb weniger Tage geändert: Anfangs verkündete das Presseamt noch, dass von dem Grundstück "keine Gefährdung für Personen ausgehe" und daher auch keine "gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen, die ein Eingreifen der unteren Bauaufsichtsbehörde rechtfertigen".
Am Mittwoch erklärte Rathauspressesprecher Ralf Frühauf dann, dass nun doch der Eigentümer des Grundstücks angeschrieben und auf die Verkehrssicherungspflicht hingewiesen werden soll. "In diesem Zusammenhang werden wir ihn auch auffordern, sich selbst um eine entsprechende Absperrung zu kümmern."
Nur einen Tag später, am gestrigen Donnerstag, haben Arbeiter die Bäume im Vorgarten des verfallenden Hauses gefällt.
Der TV hat auch beim Besitzer des Hauses nachgefragt. Der will sich zu den Vorgängen allerdings offenbar nicht äußern - der für gestern versprochene Rückruf ist jedenfalls ausgeblieben.Extra

Regelmäßig gibt es Nachfragen bei der Stadtverwaltung und der Nachbarschaft der Kronprinzenstraße, ob das seit rund 15 Jahren leerstehende Haus 15a zum Verkauf steht. Schließlich handelt es sich um eine der besten Wohnlagen Triers. Auf TV-Nachfrage hat der Besitzer keine Auskunft dazu gegeben, was mit der Immobilie geplant ist. Das Haus mit der aufwendigen Türeinfassung und den Jugendstilelementen steht unter Denkmalschutz, es ist Teil der Denkmalzone, zu der die Häuser Nummer 6 bis 10 und 15a bis 23 sowie das Haus in der Helenenstraße 7 gehören. Die Kronprinzenstraße wurde im Jahr 1900 angelegt. Ihre gekurvte Führung markiert die Abkehr von der Stadtplanung mit geraden Straßenverläufen und die Hinwendung zu den Idealen des malerischen Städtebaus (Quelle: Denkmaltopografie der Stadt Trier). woc

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