Gefahr erkannt, aber noch nicht gebannt

Gefahr erkannt, aber noch nicht gebannt

Marode Bausubstanz, akuter Platzmangel, teilweise große Distanz zu Einsatzorten: Die bekannte Problemlage der Hauptwache am Barbara-Ufer lässt die Berufsfeuerwehr Trier nach neuen Standorten suchen. Die finanziellen Folgen wären allerdings massiv.

Trier. "Alarm aus der Wache" und "Lebensretter in der Klemme": Die Berufsfeuerwehr Trier macht seit Monaten Schlagzeilen in eigener Sache. Im Gespräch mit dem TV skizzieren die Verantwortlichen die Lage.

Vorgeschichte: Nach öffentlicher Vorstellung der Gefahrenanalyse gab es Kritik an der Stadtverwaltung, die strukturellen Probleme im Brand- und Katastrophenschutz hätten früher und offensiver angegangen werden müssen. "Die Debatte ist keineswegs neu", hält Bürgermeister Georg Bernarding dagegen. Seit 2002 sei das Thema fortlaufend im Dezernatsausschuss behandelt worden.

Ausgaben: "In den vergangenen zehn Jahren haben wir mehr als zehn Millionen Euro in die Feuerwehr Trier investiert", stellt Bernarding fest. Priorität habe gleichwohl die Stärkung der Freiwilligen Wehren gehabt. Nahezu alle Löschzüge bekamen neue oder renovierte Gerätehäuser. Dazu wurden Fahrzeugpark und Ausstattung laufend erneuert. Der Löwenanteil der Ausgaben an der Hauptwache floss 2000 in den Neubau der Integrierten Leitstelle (2,8 Millionen Euro, gefördert vom Land).

Bedarf: 25 zusätzliche Planstellen



Standort Barbara-Ufer: Die Gebäude der Hauptwache stammen überwiegend aus dem Jahr 1954. Der Boden der Fahrzeughalle trägt nicht mehr. Das Hauptgebäude wurde 1974 in Billig-Bauweise aufgestockt. "Das entspricht einfach nicht mehr den heutigen Anforderungen", sagt Herbert Albers-Hain, Leiter der Berufsfeuerwehr. Für 23 von 45 Fahrzeugen fehlen Einstellplätze. Die Sanitäter sind behelfsweise in Containern untergebracht. Eine Sanierung müsste bei laufendem Betrieb geschehen. Eine Erweiterung wäre auch wegen der geplanten Entwicklung des benachbarten Schul-Standorts (Pestalozzi) kaum möglich.

Hilfsfrist: Um die gesetzliche Vorgabe zu erfüllen, müsste die Feuerwehr bei Alarmierung nach acht Minuten Hilfe vor Ort leisten können. Die Einteilung des Stadtgebiets in Ausrückebereiche und Risikoklassen führt unter anderem zur Erkenntnis, dass 25 000 Menschen - ein Viertel aller Bürger - nicht innerhalb dieser Frist erreicht werden können (besonders in den Höhenstadtteilen und den Stadträndern).

Neue Standorte: Ideal, aber utopisch sind drei Standorte. Bei künftig zwei Standorten könnte je einer in der Innenstadt und im Trierer Hafen (jeweils wegen besonderer Gefahrensituation) liegen. Neben Investitionen für Gebäude und Fahrzeuge müssten für eine Nebenwache mindestens 25 zusätzliche Planstellen bei der Berufsfeuerwehr geschaffen werden. "Sechs Leute pro Schicht sind die kleinstmögliche Besetzung", erklärt Olaf Backes, Leiter des Brandschutzamts in der Stadtverwaltung.

Beschlussvorlage wird ausgearbeitet



Gremien: Bürgermeister Bernarding will das Thema nächste Woche beschlussreif im Stadtvorstand besprechen. Nach Beratung im Dezernatsausschuss könnte der Rat die Verwaltung konkret beauftragen, einen Nebenstandort zu finden. Die zweite Grundsatzentscheidung könnte lauten: Sanierung am Barbara-Ufer oder Verlegung der Hauptwache.

Meinung

Brandherd Feuerwehr

Neu ist der politische Brandherd Berufsfeuerwehr den städtischen Gremien nicht. Bei dem unbequemen Thema lassen sich eben nicht schnell Erfolge herbeizaubern. Eher verbrennt man sich daran die Finger. Die Gefahrenanalyse spricht eine deutliche Sprache. Demnach dürfte das Ergebnis nur lauten: Bau einer Hauptwache an neuem Standort und zusätzlich einer Nebenwache. Bedarf ermittelt, Bedarf gedeckt? Doch wie viele Millionen das alles kosten würde, und wo das Geld herkommen soll, daran will wahrscheinlich kein Ratsmitglied denken. Selbst wenn es bei dem einen alten Standort Barbara-Ufer bliebe, müsste auch dort kräftig investiert werden. Die erste Schätzung wurde schon auf stramme acht Millionen Euro verdoppelt. Der wahre Wert der Feuerwehr mit integriertem Rettungsdienst zeigt sich nur im Ernstfall, der dann jedoch schnell ausufern kann. Die Freiwilligen Wehren leisten unschätzbare Hilfe. Tagsüber während der Arbeitszeit, wenn die meisten Einsätze anfallen, steht leider nur ein Bruchteil der Ehrenamtlichen in Alarmbereitschaft. Nach Südbad, Moselstadion und Schulen rollt auf die Stadt Trier ein weiterer Mega-Sanierungsfall zu - ausweichen kaum möglich. Darüber muss sich inzwischen jeder im Klaren sein. m.hormes@volksfreund.deEXTRA Neue Nebenwache: Im Trierer Hafen (Ehrang) gibt es mehrere Optionen für ein Grundstück. Auf dem Gelände einer alten Pumpstation des Wasserwerks könnte ein Gebäude entstehen, das Feuerwehr, Malteser Hilfsdienst und Technisches Hilfswerk gemeinsam nutzen. Neue Hauptwache: Das städtische Gelände an der Löwenbrückener Straße in Trier-Süd gilt als geeignet. Für dortige Flächen läuft allerdings ein städtebaulicher Gestaltungswettbewerb mit dem Hauptziel Wohnen. Außerdem im Gespräch: das bisherige Polizeipräsidium (bis der "Würfel" abgerissen wird, kann es noch dauern) und der Tempelbezirk/Parkplatz Spitzmühle (dort würden lange Ausgrabungen drohen). (cus)