Gefahr lauert am alten Zebrastreifen

Gefahr lauert am alten Zebrastreifen

Bis Mitte des Jahres mussten Autofahrer am Zebrastreifen zwischen Georg-Schäffer-Straße und Stadtteilzentrum Neu-Heiligkreuz für Fußgänger anhalten. Aufgrund von veränderten Vorschriften ist dieser Überweg inzwischen nur noch eine Querung. Dort muss nicht angehalten werden.

Trier. Dieter Bollig kennt sich aus. Schließlich ist er seit vielen Jahren Fahrlehrer. Die Räume seiner Fahrschule befinden sich in Trier-Heiligkreuz im Gebäude-Ensemble zwischen Hans-Böckler-Allee und Tessenowstraße. Auch schon seit vielen Jahren. Das sind also gute Voraussetzungen, um die Gründe nachvollziehen zu können, warum die Stadt für rund eine Million Euro den Kreuzungsbereich Metzer-/Straßburger-/Hans-Böckler-Allee hat umbauen lassen. Doch einige Ergebnisse der Arbeiten sind für ihn trotzdem nicht nachvollziehbar. Die Ausgangslage: Im Stadtteilzentrum Neu-Heiligkreuz befinden sich neben einer Bankfiliale unter anderem eine Apotheke und Arztpraxen. Der Weg dorthin führt für Menschen aus dem Bereich rund um die Georg-Schäffer-Straße über die Straße unmittelbar vor Bolligs Fahrschule. Oberhalb und unterhalb dieses Übergangs befinden sich in der Nähe zwei Zebrastreifen (siehe Extra). Problem 1: "Meine Fahrschüler und ich erleben nahezu täglich, dass Autos durchfahren, obwohl da Fußgänger stehen." Zudem gibt es dort seit dem Kreuzungsausbau keine Zebrastreifen-Markierung mehr. Ansonsten hat dieser Überweg alles, was ein Überweg haben muss. Das Pflaster ist während der Bauarbeiten in diesem Jahr so angepasst worden, dass Fußgänger sich gut zurechtfinden, und die Mittelinsel in der Fahrbahn wurde verbreitert. "Ich habe bei den Arbeitern nachgefragt, wieso der Zebrastreifen nicht markiert wird", sagt Bollig. Die hätten das nicht gewusst. Eine Nachfrage per E-Mail bei der Stadtverwaltung sei ebenfalls unbeantwortet geblieben. Problem 2: Es sei zwar richtig, dass Autofahrer aus der Tesse-nowstraße bereits mehrfach beim Einbiegen in die Hans-Böckler-Allee die Mittelinsel überfahren hätten (der TV berichtete). "Am hohen Bordstein an der Mittelinsel am Fußgängerüberweg fährt fast jede Woche ein Autofahrer über die Mittelinsel", sagt Bollig. Unter anderem habe sich ein Rettungswagen dort die Reifen kaputtgefahren. Doch es sind auch normale PKW, die dort mit dem Bordstein kollidieren. Nach Auskunft der Polizei ist für den Übergang bisher nur ein Unfall aktenkundig geworden. Das sagt Dieter Bollig: Für den Fahrlehrer steht fest, dass durch die neu aufgebrachte erhöhte Markierung eines Radwegs in Richtung Mariahof Verkehrsteilnehmer verunsichert sind. "Die bemerken beim Überfahren der Linie, dass es ruckelt, und ziehen dann instinktiv nach links." Die Folge: die Fahrzeuge überfahren den erhöhten Bordstein und fliegen regelrecht über die Verkehrsinsel. Bollig fordert zur Erhöhung der Verkehrssicherheit auch, dass vor der Verkehrsinsel wieder eine Bake errichtet wird. "Die Bodenhülse ist noch vorhanden. Die Bake wurde aber abgebaut." Wenn sich nichts an der Situation ändere, "wird irgendwann ein Auto einen Fußgänger anfahren." Das sagt die Stadtverwaltung: Die Richtlinien für Fußgängerüberwege hätten sich geändert, sagt Verwaltungssprecher Dieter Jacobs. Deshalb sei an besagter Stelle kein Zebrastreifen mehr zulässig. Grund sei "zu geringes Fußgängeraufkommen und nicht ausreichende Entfernung zum nächsten Fußgängerüberweg." Gleichwohl darf der ehemalige Zebrastreifen genutzt werden, sagt Jacobs. "Das wird durch eine Querungshilfe deutlich, die den Fußgängern ein verkehrssicheres Überqueren der Fahrbahn ermöglicht." Auch zum Thema Warnbake äußert sich die Verwaltung. Nachdem die Markierung auf die Straße aufgebracht worden sei, erübrige sich diese. Deshalb sei sie entfernt worden, um die Sichtbeeinträchtigung durch das Schild zu beseitigen.Meinung

An der Wirklichkeit vorbeigepinseltFormal gesehen mag die Stadtverwaltung im Recht gewesen sein, als sie den Zebrastreifen in der Hans-Böckler-Allee aufgegeben hat. Doch richtig gemacht heißt nicht immer gut gemacht. Denn nur wenige Fußgänger werden aufgrund des fehlenden Zebrastreifens wissen, dass sie quasi über Nacht dort keine besonderen Rechte mehr gegenüber dem motorisierten Verkehr haben. Würde es sich bei dem Kreuzungsumbau am Knotenpunkt Metzer-/Straßburger Allee um ein durchdachtes Projekt handeln, hätte man das Umfeld des früheren Zebrastreifens so gestalten müssen, dass niemand mehr in Versuchung gerät, dort die Straße zu queren. Auch hätte man sich die Markierung eines arg schmalen Radwegs auf einer von hohem Bordstein begrenzten schmalen Fahrbahn sparen können. Auf der Strecke nach Mariahof wird so schnell gefahren, dass Radfahrer aus Sicherheitsgründen nahezu ausnahmslos die Route über die parallel verlaufende Tessenowstraße nutzen. Statt sich jedoch an der Realität zu orientieren, haben die Planer an der Wirklichkeit vorbeigepinselt. Und damit am früheren Zebrastreifen aus Sicht von Anwohnern eine Gefahrenstelle geschaffen. Es wäre gut, wenn aus dieser Einschätzung der Lage eine Lehre gezogen würde, ehe der erste Fußgänger angefahren wird. h.jansen@volksfreund.deExtra

Fußgänger und Autoverkehr: Zwar müssen natürlich auch Fußgänger immer den Verkehr im Blick haben. An Zebrastreifen müssen Autofahrer anhalten, wenn ein Fußgänger die Straße überqueren möchte. Anders sieht es an Querungshilfen aus. Dort können Auto- oder LKW-Fahrer anhalten, wenn ein Fußgänger die Straßenseite wechseln möchte. Sie müssen es jedoch nicht. Fußgängerüberwege dürfen nicht wahllos ausgewiesen werden. Unter anderem müssen genug Fußgänger da sein, die dort die Straße überqueren wollen. Reicht es nicht für einen Zebrastreifen, können Querungshilfen den Seitenwechsel erleichtern. Mittelinseln sollen dabei oft helfen, die Straße in zwei Abschnitten queren zu können. har

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