Gefahrenmeldung kommt direkt aufs Handy

Trier · Auf Antrag der Grünen befasst sich der Kreisausschuss am heutigen Montag mit dem Frühwarnsystem Katwarn. Diese Technik ermöglicht es, Bürger per SMS oder E-Mail vor Gefahren wie Hochwasser, Orkanen oder Chemieunfällen zu warnen. Landkreise in der Region und die Stadt Trier prüfen derzeit, ob sie bei Katwarn einsteigen.

Trier. Auf einem Bahngleis bei Konz hat ein Gabelstapler einen Tankwagen gerammt. Ätzende Flüssigkeit läuft aus, es bilden sich giftige Dämpfe. So lautete vor zwei Jahren das Ausgangsszenario für eine Großübung von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Bahn. Angenommen, so ein schlimmer Unfall würde tatsächlich einmal passieren - sagen wir in einem Jahr - dann könnte bereits das Katastrophenwarnsystem "Katwarn" greifen. Alle Bürger, die sich mit der Konzer Postleitzahl bei Katwarn angemeldet haben, würden dann eine SMS auf ihr Handy bekommen, die folgenden Wortlaut haben könnte: "Unfall mit Giftwolke - Warnung für Postleitzahlgebiet 54329 - öffentliche Plätze verlassen, Fenster schließen, Klima- und Lüftungsanlagen abschalten." Ist die Luft wieder rein, gibt es Entwarnung.
Katwarn ist ein vom Fraunhofer Institut Fokus (Berlin) im Auftrag der öffentlichen Versicherer - im Raum Trier ist das die Provinzial-Versicherung - entwickeltes Frühwarnsystem. Es ist seit 2009 in einigen Städten und Kreisen in Deutschland im Einsatz, darunter in Hamburg, Berlin und im Kreis Aurich. Katwarn-Warnungen werden derzeit als SMS- und E-Mail-Nachrichten an Personen ver sendet, die sich unter Angabe ihrer Postleitzahl und gegebenenfalls der Mailadresse bei einer Mobilfunknummer angemeldet haben, die vorher bekanntgemacht wird.
Im Ernstfall werden die Warnungen über die Rettungsleitstellen ausgegeben. Für die Stadt Trier und die Kreise Trier-Saarburg, Bitburg-Prüm, Bernkastel-Wittlich und Vulkaneifelkreis befindet sich die Leitstelle bei der Berufsfeuerwehr Trier. Nutzer eines iPhones können sich kostenlos eine App für zwei Postleitzahlengebiete herunterladen.
Dass sich der Kreisausschuss am Montag (ab 18 Uhr, Kreishaus) mit Katwarn befasst, liegt an einem Antrag der Grünen. Es sei äußerst beunruhigend, dass es im Kreisgebiet immer noch keine zentrale Alarmierungseinrichtung für die Bevölkerung gebe, schreibt Grünen-Fraktionschefin Heide von Schütz in ihrer Antragsbegründung.
Die Bedrohung durch die Atomkraftwerke Cattenom (Frankreich) und Tihange (Belgien) sowie andere atomare Einrichtungen wie das geplante Endlager Bure in Lothringen nimmt nach Ansicht der Grünen ständig zu. Deshalb solle Katwarn bis Juni 2013 flächendeckend im Kreis installiert werden.
Präsentation vor Lokalpolitikern



In der Region Trier wird schon länger über die Einführung diskutiert. Die Landräte der vier Kreise und Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen haben sich das System vorführen lassen. Landrat Gregor Eibes (Bernkastel-Wittlich) soll Gespräche mit dem Forschungsinstitut führen.
Eibes\' Verhandlungspartner bei Fraunhofer ist im Raum Trier kein Unbekannter: Ortwin Neuschwander aus Gutweiler. Der 62-Jährige war 25 Jahre lang ehrenamtlicher Kreisfeuerwehrinspekteur des Kreises Trier-Saarburg.
Der Nutzungsvertrag mit Fraunhofer sieht für eine Integrierte Leitstelle einmalige Einführungskosten von 15 000 Euro und jährliche Unterhaltungskosten von 3000 Euro vor, wobei zwei Jahre erlassen werden, falls der Beitritt bis Juli 2013 erfolgt. Eine verschickte SMS kostet sechs Cent.
Stephan Schmitz-Wenzel, Geschäftsbereichsleiter Bauen und Umwelt bei der Kreisverwaltung Trier-Saarburg, sieht große Chancen, dass Katwarn noch im Jahr 2013 eingeführt wird. Richtig Sinn mache das System allerdings nur, wenn die Technik so weit fortschreite, dass automatisch jeder Betroffene informiert werde. Schmitz-Wenzel: "Wenn ein Campingplatz an der Mosel von Hochwasser bedroht ist, dann sollten das ja nicht nur die Einheimischen erfahren, sondern auch die Urlauber."
Ein interessanter Ansatz, meint Kreisfeuerwehrinspekteur Stefan Sihr (Riol) zu Katwarn, aber er rät, mit der Einführung zu warten, bis die Technik mehr Menschen erreicht. Denn solange die Leute sich noch selbst aktiv registrieren müssten, könne man keinen hohen Abdeckungsgrad erzielen.Meinung

Besser als nichts
Bei den guten alten Sirenen wusste die Bevölkerung wenigstens gleich, dass etwas passiert sein musste. Freilich konnte nicht jeder die verschiedenen Heultöne dem Schadensereignis zuordnen, aber die Sinne waren geweckt. Heute werden die Feuerwehren "stumm" informiert, die funkgesteuerten Sirenen haben weitgehend ausgedient. Und um die Bürger vor Gefahren zu warnen, setzen Polizei und Feuerwehr Lautsprecherwagen ein. Das ist nicht mehr zeitgemäß und dauert viel zu lange. Im Katastrophenfall gibt es in der Region kein wirksames, zentrales Warnsystem für die Bürger. Dieses Defizit muss möglichst schnell behoben werden. Deshalb sollten die politisch Verantwortlichen bei Katwarn zugreifen und die Leitstelle damit ausstatten. Das System ist (noch) nicht perfekt, aber allemal besser als nichts. a.follmann@volksfreund.de

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