Gegen den Berg

FELL. Sport und Party: Alain Hinsen legte 448 Kilometer zurück, während im Festzelt am Sportplatz getanzt und gefeiert wurde. Der 20-Stunden-Radmarathon in Fell war für die Teilnehmer und Hunderte von Besuchern eine ganz besondere Veranstaltung.

"Ich kann nicht mehr sitzen, und mir ist leicht schwindlig", sagt Alain Hinzen nach der Siegerehrung im proppevollen Festzelt am Sportplatz in Fell. Er werde jetzt nach Hause fahren und vermutlich erst einmal zwanzig Stunden schlafen. Während des 20-Stunden-Radmarathons, den der Sportverein Fell gemeinsam mit dem RV Schwalbe auf die Beine stellte, hat Hinzen 448 Kilometer zurückgelegt. 28-mal ist er die anspruchsvolle Rundstrecke gefahren. "Der Trend geht hin zu extremen Veranstaltungen", sagt Rennleiter Günther Steffgen, Vorsitzender des RV Schwalbe. Jeder der Fahrer hat eigene Rezepte, um das angepeilte Ziel zu erreichen: Marcus Schneider vom Siegerteam RST Ochtendung setzte auf die Beinmassage seiner Frau Monika. Ideengeber und FBL-Teamfahrer Hermann Spanier schwört auf das Füllen des Kohlehydratspeichers mit Nudeln während den Ruhepausen und zwölf Liter Flüssigkeit seien ein Muss. Alain Hinzen isst Baguette während dem Fahren und macht nach vier Runden eine zehnminütige Pause. An Schlaf ist nicht zu denken, die Nacht gehört dem Sport. Um 21 Uhr waren die Einzelfahrer und Teams gestartet. Petrus spielte anfangs nicht mit. "Der Dauerregen ist kein Problem", sagt Fahrerin Katja Geib. Viel mehr gegen den eigenen Biorhythmus zu fahren, sei ungewohnt. Entlang der Strecke feiern Zuschauer Partys bis spät in die Nacht, im Festzelt bei einem bunten Rahmenprogramm mit viel Musik, vor der eigenen Haustür oder auf der Thommer Höhe. Immer wieder vertreibt kollektiver Jubel die Stille der Nacht und spornt die Fahrer an, weiterzumachen. Eine Strecke führt direkt durch das Festzelt. "Hier durchzufahren, gibt einen wahren Adrenalin-Kick", sagt Hermann Spanier. Das außergewöhnliche Ereignis raubt auch manchem Helfer den Schlaf: die Feuerwehren Thomm, Fell und Thörnich, das Deutsche Rote Kreuz sind im Einsatz. "Unfallfrei", melden sie am Ende. Was die Fahrer und Fahrerinnen während zwanzig Stunden leisten, davon können Thomms Ortsbürgermeister Otmar Brittner und Fells Ortsbürgermeister Helmut Schneiders ein Lied singen: Heimlich haben sie trainiert, haben mehrmals den teuflischen Fell-Thommer Berg bezwungen, dann aber eine Teilnahmeabsage einer eventuellen Blamage vorgezogen. Auch Verbandsgemeindebürgermeister Berthold Biwer ist Dauergast in Fell. "Eine tolle Veranstaltung, ich bin tief beeindruckt", sagt Biwer. Wetten, dass demnächst mit einem verstärkten Radfahraufkommen in Fell zu rechnen ist? "Ich glaube, ich steige auch wieder aufs Rad", war mehrmals zu hören. Fest steht: die Zuschauer und Teilnehmer wollen im nächsten Jahr wieder einen 20-Stunden-Radmarathon. Rennleiter Günther Steffgen und Günther Kronz, Vorsitzender des Sportvereins Fell, können sich eine Neuauflage vorstellen. Aber erst- einmal wird ausgeschlafen.