Gegen die Bahnhofs-Tristesse

Der Schweicher Stadtrat hat in seiner Sitzung am Donnerstag die Neu- und Umgestaltung des Bahnhofs auf den Weg gebracht. Das beauftragte Büro Dr. Manns + Conrad aus Wirges im Westerwald kann nun einen ersten Abschnitt des Projekts bis zur Baureife planen.

Wird nicht Teil der Planung: Die Stadt darf das alte Bahnhofsgebäude nicht erwerben, sondern nur dessen Umfeld. Der Fußweg zur Bushaltestelle (der gelbe Kreis markiert seinen Anfang) kann nicht verbreitert werden. TV-Foto: Archiv/Friedhelm Knopp

Schweich. Die einstimmige Entscheidung bei vier Stimmenthaltungen der FWG-Fraktion stellt einen weiteren entscheidenden Schritt im bisherigen Verlauf des Projektes dar. In der Sitzung erläuterten Andreas Schulrath und Ursula Sturm vom Büro Manns ihren Planentwurf. Dieser basiert auf einer bereits 2007 vom Planungsbüro Schuh erstellten Machbarkeitsstudie (der TV berichtete).

Projekt ist bis zu 85 Prozent förderfähig



Die Studie geht von einer geschätzten Investitionssumme von rund 500 000 Euro aus. Die Verbandsgemeinde (VG) Schweich wird auf Beschluss ihres Rates die Ausbaukosten - sofern sie nicht vom Land gefördert werden - zu zwei Dritteln tragen. Ein Drittel geht zu Lasten der Stadt Schweich. Der Landeszuschuss für die förderfähigen Kosten, zu denen nicht die Planungskosten zählen, liegt bei rund 85 Prozent.

In der Investitionssumme enthalten sind der Kauf von Bahngrundstücken (nicht des Bahnhofsgebäudes), der Ausbau dieses Areals mit Zufahrt, Wendeplatte, Bepflanzung und Fahrradboxen, der Bau von Park+Ride-Plätzen und einigen sogenannten Kiss+Ride-Plätzen für Kurzstopps. Hinzu kommen eine Busbucht mit Unterstelldach an der Entlastungsstraße und der Ausbau des bestehenden Fußwegs von dort zum Bahnhof.

Die beiden Vertreter des Westerwälder Ingenieurbüros präsentierten dem Rat ihren Planungsentwurf für den ersten Ausbauabschnitt auf den derzeit zur Verfügung stehenden Flächen, deren Kernstück die Straße "Am Bahnhof" bildet. Die Planer schlagen ihren Ausbau mit rund 50 Parkflächen und Wendekreis vor. Eine direkte Buszufahrt zum Bahnhof sei jedoch wegen der beengten Verhältnisse nicht möglich, erklärte Architektin Sturm. Als Alternative bleibe eine Haltestelle an der Entlastungsstraße, wo ein Grundstückseigentümer Entgegenkommen gezeigt hat.

Allerdings sei diese Lösung wegen des engen und nicht ausbaufähigen Fußwegs zum Bahnhof problematisch - dies gelte besonders für den Schülerverkehr.

Nach kurzer Aussprache stimmte der Rat bei Enthaltung der FWG-Fraktion dem Planungsentwurf zu. Die FWG hatte zuvor beantragt, die Entscheidung zu vertagen. Zunächst sollten die zwölf Grundstücksanlieger, die mit Ausbaubeiträgen zu rechnen hätten, informiert werden, erklärte Ernst Heider von der FWG.

Der Antrag wurde von CDU und SPD abgelehnt mit der Begründung, dass man zunächst nur über einen Planentwurf ohne Kostenkalkulation abstimme. Auch würden die Anliegerbeiträge in diesem Fall auf dem niedrigsten Satz liegen.

Zudem beauftragte der Rat die Verwaltung, auf der Basis des Entwurfs einen entsprechenden Förderantrag zu stellen.

Meinung

Umbauen allein reicht nicht

Der jahrelange Dornröschenschlaf des verödeten Schweicher Bahnhofsgeländes geht offenbar dem Ende entgegen. Der Stadtrat hat die Weichen in Richtung einer Neu- und Umgestaltung gestellt. Sicher wird noch viel Wasser die Mosel und den Föhrenbach hinunterfließen, bis der Abschluss des Projekts gefeiert werden kann. Doch im Anschluss daran darf es dann nicht "erledigt und vergessen" heißen. Damit wäre der erneute Verfall des weit außerhalb liegenden Areals programmiert. Es fehlt dort einfach die soziale Kontrolle. Alle Beteiligten sollten sich deshalb schon heute Gedanken über ein nachaltiges Kontroll-Konzept machen. f.knopp@volksfreund.de