Gegen die Einsamkeit

TRIER. Der TV -Artikel "Wenn Senioren zu Freiwild werden" (27. August) hat viele Reaktionen provoziert. Viele suchen nach Wegen, die Betroffenen zu entlasten und zu unterstützen. Eine Möglichkeit ist der ehrenamtliche Besuchsdienst der Trierer Sozialstationen, der älteren Menschen Wege aus der Isolation zeigen soll, in die sie durch die Angst vor gewalttätigen Nachbarn geraten sind.

Ein 93-Jähriger aus Trier-Süd wird in seiner Straße beschimpft und angegriffen, eine 83-Jährige aus Trier-West muss ständig Attacken einer Jugendbande erdulden. Beide Senioren alarmieren die Polizei - ihre Peiniger reagieren, indem sie alles leugnen und die allein lebenden alten Menschen bedrohen. Beide haben große Angst und verlassen nur noch selten ihre Wohnungen (der TV berichtete). "Ich hätte niemals geglaubt, dass es solche Situationen mitten in Trier gibt", sagt Günther Jung, Lehrer im Ruhestand. "Es kann doch nicht sein, dass Menschen, die einen friedlichen Lebensabend verdient haben, auf diese Weise in die Isolation getrieben werden." Ein erster Schritt aus dieser Isolation heraus ist ein befreiendes Gespräch mit jemandem, der zuhört. Die Beratungs- und Koordinierungsstellen (Bekos) der Caritas-Sozialstationen haben den Senioren-Besuchsdienst geschaffen. "Wir können im ehrenamtlichen Rahmen keine Rechtsberatung oder juristischen Beistand anbieten", erläutert Klaus Duplang von der Caritas-Sozialstation am Dom. "Die Mitarbeiter des Besuchsdienstes gehen gegen Einsamkeit an." Sollte der Besuchte eine Beratung über rechtliche Ansprüche wünschen, werden die Bekos ihm diese in einem zweiten Schritt gezielt vermitteln. Dieses Angebot wurde initiiert von den vier Beratungs- und Koordinationsstellen in Trier. Diese sind angegliedert an die vier Sozialstationen, die in der Trägerschaft der Caritas, der Diakonie, des Roten Kreuzes und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes stehen. Die Rechtsanwältin Charlotte Wortmann gehört zu den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Besuchsdienstes, die ihre "Zielperson" einmal pro Woche aufsuchen. "Es ist mir ein Anliegen, auf diese Weise zu helfen", sagt sie im Gespräch mit dem TV . "Wenn der Lebenspartner gestorben ist, die Kinder weit weg wohnen und eine Krankheit die Aktivitäten einschränkt, sind wir oft die einzigen Ansprechpartner." Ansprechpartner für den Seniorenbesuchsdienst sind folgende Beratungs- und Koordinierungsstellen: Caritas-Sozialstation am Dom (0651/9941015), Sozialstation des DRK (0651/9709316), Ökumenische Sozialstation (0651/9910490), Paritätische Sozialstation (0651/97859237).

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