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Gegen Vorurteile: Jagd-Aktion des Trierer Forstamts

Gegen Vorurteile: Jagd-Aktion des Trierer Forstamts

Das Bild vom mürrischen Jäger mit Dackel hält sich hartnäckig. Eine Aktion des Forstamts Trier möchte nun Vorurteilen wie diesem begegnen.

Eigentlich waren es eine Fuchsfamilie und ein Veranstaltungshinweis, die Reimer und Ricarda Blank an diesem warmen Sommerabend auf den geteerten Vorplatz am Forstamt Trier am Rand des Meulenwaldes gelockt haben. "In den letzten Wochen konnten wir von unserem Haus aus eine Fuchsmutter und ihre Jungen beobachten. Wunderbar!", schwärmt das naturbegeisterte Ehepaar aus Wittlich. Die Ankündigung der Veranstaltung "Gemeinsam Jagd erleben" kam da gerade recht.
Schon zum dritten Mal bietet in diesem Jahr das Forstamt Trier die Aktion gemeinsam mit dem Landesjagdverband an. Einen Abend lang dürfen Gäste mit einem erfahrenen Jäger "ansitzen"; das heißt von einem Hochsitz aus Wild beobachten und gegebenenfalls dabei zusehen, wie ein Tier erlegt wird.

"Der Kern ist, Jagd zu transportieren und klarzumachen, dass wir keine grimmigen, alten Lodenmantelträger sind", erklärt die rheinland-pfälzische Jagdkönigin Sarah I. das Anliegen des Abends bei der gemeinsamen Einstimmung. Tatsächlich scheint die 29-jährige Trierer Doktorandin der Biogeographie einen neuen Typus innerhalb der Jägerschaft zu verkörpern.

"Die Jagd wird jünger und weiblicher. In Rheinland-Pfalz sind aktuell zehn Prozent der Jäger Frauen." Nicht nur der Frauenanteil steigt, sondern seit einigen Jahren kann der Deutsche Jagdverband, dem 2016 fast 250 000 Waidmänner und -frauen angehörten, generelle Zuwächse bei seinen Mitgliedern verzeichnen. "Jagen ist in", fasst Forstamtsleiter Gundolf Bartmann zusammen. Das hängt laut Bartmann zum einen mit der Aufwertung des Kochens und einem erstarkten Wunsch der Verbraucher nach qualitätvollen, regionalen und tiergerecht hergestellten Fleischprodukten zusammen. "All diese Anforderungen erfüllt Wildbret." Zum anderen spiele das vielzitierte Phänomen der Sehnsucht nach "Entschleunigung" häufig eine Rolle, wenn insbesondere Städter Interesse an der Jagd hätten. "Ein authentisches, fast meditatives Naturerlebnis in der Ruhe des Waldes suchen viele. Genau das wollen wir auch den Gästen von ,Jagd gemeinsam erleben' vermitteln'"

Doch bevor es wirklich für die acht Jagd-Laien und ihre Begleiter in den Wald geht, ergreift Thomas Grünhäuser - Mitarbeiter des Forstamtes und spezialisiert auf Umweltbildung - das Wort.

Mit Hilfe einer Vielzahl präparierter Tiere und Schautafeln bringt er den Besuchern "die Naschkatze Reh" und die "Dachs-und-Fuchs-WG" nahe. Aber auch ernstere Themen und mögliche Vorbehalte der Nicht-Jäger werden angesprochen: "Jäger und Förster besetzen eine Nische in der Räuber-Beute-Beziehung, weil viele im Wald heimische Tiere keine natürlichen Feinde mehr haben." Doch die Aufgabe des Försters bestehe sowieso aus vielmehr als dem bloßen Töten von Wild. Gerade bedrohte Arten seien auf vom Menschen geschaffene, geschützte Lebensräume angewiesen.

Auch wenn es zum unverzichtbaren Schuss kommt, möchte Jagdkönigin Sarah Wirtz nicht, dass von Jagdsport gesprochen wird. "Jagen ist ein Handwerk und eine Lebenseinstellung. Wir schießen sehr überlegt, nachdem wir genau bestimmt haben, welches Tier vor uns steht, und natürlich nur zu gesetzlich erlaubten Zeiten. Auf keinen Fall wollen wir den Zyklus der Natur stören." Auch Bartmann betont, dass tierschutzgerecht und fair mit dem Wild umgegangen wird. "Nachtsichtgeräte sind verboten, weil wir den Tieren eine Chance geben möchten." Diese Haltung verlangt dem Jäger viel Geduld ab: "Meistens kommt auf zehn Ansitze ein Schuss."

So ist es auch an diesem Abend ungewiss, ob die Besucher tatsächlich ein Reh oder ein Wildschwein zu Gesicht bekommen werden. "Aber das ist auch ganz egal", beruhigt Bartmann die Besucher. "Der Weg ist faszinierend, nicht das Ergebnis. Uns begeistert die Schönheit der Natur in all ihren Facetten: Sonnenaufgänge, Vogelgesang, Pflanzen und Tiere. Wenn sie Hornissen oder eine Fledermaus beobachten können, lernen Sie diese als eklig verschrienen Tiere ganz neu kennen." Und Thomas Grünhäuser ergänzt: "Auch wenn sich vielleicht kein Wild zeigt, beim Jagen gibt es eine Gewissheit: Etwas passiert immer."