Geglückte Kombination

TRIER-SAARBURG. (jbo) Die Naturschönheiten von Wasserliesch bildeten den anregenden Rahmen für die Sitzung des Umweltausschusses bei der Kreisverwaltung Trier-Saarburg. Landrat Günther Schartz (CDU) lud zur Ortsbesichtigung mit anschließender Diskussion über die Arbeit der Naturschutzbeauftragten ein.

Zusätzlich zu den Erfahrungsberichten der ehrenamtlichen Naturschützer im Kreis beschäftigte sich die Runde mit dem "Gewässerentwicklungsplan Leuk". Verursacht durch den meist idyllischen Bach Leuk leiden Saarburg, Trassem und Kollesleuken immer wieder unter Hochwasser, verbunden mit ernsten Schäden an Gebäuden und öffentlichen Einrichtungen wie etwa dem Schwimmbad in Saarburg. Die Kreisverwaltung hatte deshalb ein Gutachten in Auftrag gegeben, das Maßnahmen zur Renaturierung des launischen Gewässers beschreibt. Das Gutachten der Firma Hydrotec aus Aachen zeigt, dass die Versiegelung und Begradigungen in den Orten eine wesentliche Ursache für starke Hochwasser sind. Die beiden höchsten Pegelstände trafen 1995 und 2001 die Anliegergemeinden der Leuk. Es ist absehbar, dass ohne Gegensteuern die Hochwassergefährdung eher zu- als abnimmt. Die Kreisverwaltung entschloss sich daher, an der Leuk Überschwemmungsgebiete zu schaffen. Das gelingt am ehesten durch die Beseitigung von nicht erforderlichen Uferbefestigungen und die Verbreiterung des Flussbetts. Die Entsiegelung von Flächen, die Verlängerung des Flusslaufes und - wo erforderlich - neue Rückhaltebecken würden das Projekt abrunden. Nachdem sich die Mitglieder des Ausschusses über die Maßnahmen einig waren, stand die Frage der Finanzierung an. Nur mit Zuschüssen aus Mainz sei der "Entwicklungsplan Leuk" umzusetzen, stellte Schartz fest. Problematisch sei bei der Beantragung von Fördermitteln oft, dass nur eine "Erstmaßnahme" gefördert werde, die Folgekosten aber an Kreis oder Gemeinde "hängen bleiben". "Flickenteppiche" unvermeidbar

Ein Termin zum Start der Renaturierung der Leuk ist daher noch nicht in Sicht. Die Erfahrungsberichte der ehrenamtlichen Naturschutzbeauftragten im Kreis zeigten dann, dass illegal abgeladener Müll und zu knappe Finanzmittel für die Pflege die Hauptprobleme bilden. Die Aufgabe, der Bevölkerung als Ansprechpartner zu dienen, könne gut erfüllt werden. Schartz zeigte sich mit der Arbeit der Beauftragten für den Naturschutz zufrieden. Er würde die knappen Mittel gern für Kernbereiche einsetzen. Ausschussmitglied Heide von Schütz (Bündnis 90/Die Grünen) aus Langsur entgegnete, dass dies sicherlich zu einer effektiveren Mittelverwendung führen könnte, allerdings richte sich die Natur in der Regel nicht danach. Die schutzwürdigen Bereiche ließen sich eben nicht verlagern oder zusammenführen - die Existenz von "Flickenteppichen" sei praktisch unvermeidbar. Am Beispiel des Naturschutzgebiets "Perfeist" bei Wasserliesch stellte Rudolf Schmidt, der Naturschutzbeauftragte der VG Konz, dar, dass Naturschutz nicht nur positive Auswirkungen auf Flora und Fauna habe. Auch die wirtschaftliche Entwicklung könne dadurch gefördert werden. Das Gelände oberhalb von Wasserliesch locke heutzutage Orchideenliebhaber aus allen Teilen Deutschlands an, da der Artenreichtum einzigartig sei. Ohne das Engagement und den Idealismus der Naturschutzbeauftragten würden jedoch solche Kleinode leider wieder verschwinden. Dass Naturschutz nicht bedeutet, die Natur sich selbst zu überlassen, davon konnten sich die Auschussmitglieder überzeugen. Ihre übereinstimmende Beurteilung: die Wasserliescher Kombination von Natur und Kultur sei überaus gelungen.

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