Gelebte Einheit

Frère Roger, Gründer von Taizé, habe ich nicht persönlich kennen gelernt. Auch habe ich keinen Gottesdienst dort besucht. Und trotzdem kommt dieses Örtchen in Burgund in meinem Leben vor. Es hat Bedeutung, weil die Lieder aus Taizé so selbstverständlich gesungen werden in evangelischen und katholischen Kirchen.

Es kommt vor, weil mir Menschen unterschiedlichen Alters von ihrem Aufenthalt in Taizé erzählen. "Wissen Sie", höre ich dann und schaue meist in begeisterte Au-gen, "da ist mehr an dem Ort. Da habe ich gelernt, wie man als katholische und evangelische Christen einfach zusammensein kann. Die Unterschiede im Glauben wurden dort nicht bis ins kleinste i-Tüpfelchen ausdiskutiert, sondern alle lebten zusammen. So müsste es doch im Alltag sein." Ja, so müsste es irgendwann sein. Frère Roger trat ein für ein Leben, in dem Gemeinschaft und menschliche Solidarität mehr galten als Konfessionen, auch wenn er die Unterschiede achtete. Gleich, ob er Juden im Krieg das Leben rettete oder sich später um deutsche Kriegsgefangene kümmerte. Für ihn galt versöhnte Verschiedenheit. Mit Katholiken baute er, der Evangelische, eine ökumenische Gemeinschaft auf. "So müsste es sein." Und ob-wohl ich Frère Roger nicht persönlich kannte, hat er mir etwas mitgegeben, nämlich die Vision eines friedlichen Miteinanders unter den Konfessionen. Und diese Vision soll gelebt werden - auch in kleinen Schritten außerhalb Taizés: da, wo wir zunächst einmal Unterschiede akzeptieren und die Akzeptanz leben: da, wo wir mit Freude voneinander lernen und uns gegenseitig bereichern. Da, wo christliche Ideale uns verbinden. Ja, so müsste es sein. Pfarrerin z.A. Vanessa Kluge kluge.ehrang@ekkt.de