Gemeindearbeiter oder Firmen? - Stadtrat Schweich diskutiert kontrovers über kommunales Gehölz

Schweich · Die Stadt Schweich beteiligt sich mit ihren 2000 Bäumen an einer Ausschreibung der Verbandsgemeinde Schweich. Pflege und Kontrolle der Bäume sollen Firmen übernehmen und nicht die Gemeindearbeiter. Dem Beschluss ging eine teils heftige Debatte und ein Machtwort von Stadtbürgermeister Otmar Rößler voraus.

Fachagrarwirt Martin Biehl untersucht mit einem Spezialgerät den Querschnitt einer Kastanie. TV-Foto: Archiv/Albert Follmann

Schweich. So genervt hat man Stadtbürgermeister Otmar Rößler noch selten im Stadtrat erlebt. Als sich die Diskussion, wie mit den 2000 kommunalen Schweicher Bäumen zu verfahren sei, die im Baumkataster erfasst wurden, wiederholt im Kreis drehte, riss ihm der Geduldsfaden: "So was können wir nicht selber machen, ich bin nicht bereit, diese Verantwortung zu tragen." Zuvor hatte der Stadtrat eine halbe Stunde darüber diskutiert, ob nicht aus Kostengründen ein Teil der erforderlichen Baumschneidearbeiten von den Gemeindearbeitern übernommen werden könnte. Laut Baumkataster sind 366 städtische Bäume nicht verkehrssicher, etwa 80 gelten als krank.Tödlicher Unfall in Trier


Rößler möchte, dass Pflege und regelmäßige Kontrolle der Bäume von Fachfirmen übernommen werden. Den Gemeindearbeitern sei das nicht zuzumuten, sie seien keine Spezialisten auf diesem Gebiet. Das Stadtoberhaupt regte an, dass sich die Stadt Schweich an einer bevorstehenden Ausschreibung der Verbandsgemeinde Schweich beteiligt. Diese wird voraussichtlich noch im laufenden Jahr Angebote von Firmen einholen, die die 6500 kommunalen Bäume in der VG betreuen wollen. Mit 14 Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen und drei Enthaltungen schloss sich der Rat mehrheitlich der Empfehlung des Stadtbürgermeisters an. Dieser nahm auch Bezug auf den tödlichen Unfall vor zwei Jahren in Trier, als eine 70-jährige Rentnerin von einer umfallenden Kastanie erschlagen worden war. Der Fall hatte in der ganzen Region die Debatte um die Aufstellung von Baumkatastern und die Verantwortlichkeit von Bürgermeistern und Räten im Schadensfall angeheizt.
Die Bäume in die Obhut privater Firmen zu übergeben, könne eine teure Angelegenheit werden, argumentierten die Bedenkenträger. Sie kamen zumeist aus den Reihen von SPD und FWG. "Wir geben Geld aus, ohne die Kosten zu kennen", warnte Johannes Lehnert (FWG). Achim Schmitt (SPD) sagte, ein Pauschalbeschluss sei wie eine "Gelddruckmaschine".
Christiane Horsch, Bürgermeisterin der VG Schweich, versuchte die Diskussion zu versachlichen. Es sei ja nicht so, dass jeder nicht verkehrssichere Baum bald umstürze. In manchen Fällen genüge es, einen toten Ast zu entfernen oder den Baum zurückzuschneiden. Besonders gefährdete Bäume würden sofort gefällt. Horsch warb für die Aufstellung einer Prioritätenliste. Willi Thul (FWG) schätzt, dass in Schweich rund 50 Bäume gefällt werden müssen. Für Hans-Georg Becker (CDU) hat das Baumkataster höchste Priorität: "Die Sicherheit von Menschen duldet keinen Aufschub."Meinung

Die Kommunen haben keine Wahl
Es gibt Themen im Rat, da wäre eine Diskussion um eine Kostenersparnis zielführender als beim Baumkataster. Natürlich kosten Baumpflege und -kontrolle viel Geld, aber da müssen nun mal Fachleute ran. Gemeindearbeitern fehlt die Ausbildung, auch haben sie nicht das geeignete Gerät, um in Bäume hineinzuschauen. Passiert etwas, sind sie die Dummen und/oder der Bürgermeister, möglicherweise auch die Räte, die das beschlossen haben. Das tödliche Baumunglück in Trier müsste Abschreckung genug sein. Den Kommunen bleibt beim Baumkataster keine andere Wahl, als in den sauren Apfel zu beißen. Geld sparen kann man nur über günstige Angebote, doch das wird schwierig. Die Firmen haben Arbeit ohne Ende. a.follmann@volksfreund.deExtra

Verbandsgemeinde Ruwer: Entgegen der ursprünglichen Absicht erstellt die VG doch ein Baumkataster. Kürzlich hat eine Firma aus Münchweiler den Auftrag erhalten, rund 2000 Bäume in der Verbandsgemeinde zu prüfen. Kosten: knapp 20 000 Euro. 18 von 20 Gemeinden beteiligen sich; in Farschweiler übernehmen die Gemeindearbeiter die Aufgaben, Sommerau hat keine kommunalen Bäume. Nach der Erfassung soll nach Auskunft von Bürgermeister Bernhard Busch jede Gemeinde selbst entscheiden, was mit den Bäumen passiert. Verbandsgemeinde Trier-Land: Rund 2000 Bäume in der Verbandsgemeinde Trier-Land sollen erfasst und gemäß den Baumkontrollrichtlinien kontrolliert werden. Die Submission des Auftrags fand Anfang September statt. alf/har