Gemeinden gehen mit ihren Freibädern baden

Trier · Die Freibäder im Landkreis Trier-Saarburg haben ihre Pforten geschlossen und ziehen eine katastrophale Bilanz. Der miese Sommer 2011 hat überall für erhebliche Rückgänge von Besucherzahlen und Einnahmen gesorgt, so auch in Mertesdorf, Kordel und Schweich.

Mertesdorf/Kordel/Schweich/Trier. In der Sonne liegen, ein Eis essen und als Abkühlung ein Sprung ins kühle Nass - das sind eigentlich die Beschäftigungen, die für den Sommer typisch sind. 2011 sehnten sich die meisten Menschen zwischen Mai und September allerdings eher nach einem Kamin und einer Kuscheldecke. Die häufigen Regenschauer und die kühlen Temperaturen sind auch an den Freibädern im Landkreis Trier-Saarburg nicht spurlos vorbeigegangen: Rekordtiefs bei den Besucherzahlen und deutlich geringere Einnahmen als in den Vorjahren sind die Folgen.

VG Schweich
Das Panoramabad "Römische Weinstraße" in Leiwen haben 24 299 Badegäste in der Zeit vom 7. Mai bis 10. September besucht. Das schlechte Wetter und die Besucherkasse haben nur zu rund 41 300 Euro Einnahmen geführt - rund 25 700 Euro weniger als 2010. Im Erlebnisbad Schweich haben 43 833 Badegäste bis zum 10. September ihre Bahnen gezogen. Damit nutzten 17 111 Schwimmer weniger die Einrichtung. Das wirkt sich auch finanziell aus. Rund 60 400 Euro spülten die Badegäste in die Kassen - rund 33 200 Euro weniger als im Vorjahr.

VG Ruwer
Insgesamt rund 40 000 Besucher haben im Sommer 2011 zwischen Mai und September das Freibad Ruwertal in Mertesdorf besucht. "Damit wurde eines der schlechtesten Ergebnisse in der Geschichte erzielt", sagt Kim Dudek von der Verbandsgemeinde Ruwer. Wegen der schlechten Wetterprognosen hat das Freibad am 11. September geschlossen. "Gegenüber den geplanten Einahmen wurde die Saison mit einem Minus von zirka 30 000 Euro beendet", berichtet Dudek.

VG Trier-Land
15 000 Gäste haben in dieser Saison das Kylltalbad in Kordel besucht. Damit sind die Besucherzahlen um 3000 Gäste im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Das wirkt sich auch auf die Einnahmen aus: Statt der erwarteten 55 000 Euro, kamen nur 27 000 Euro in die Kasse der Verbandsgemeinde. In der Saison 2011 hatte das Kylltalbad zum ersten Mal wochentags eine volle und am Wochenende eine halbe Stunde länger geöffnet, um sich stärker auf Abendschwimmer auszurichten. Die Mitarbeiter haben in der Testphase die Besucherzahlen protokolliert. Über 15 Prozent der Besucher kamen nach 17 Uhr. "Man sieht deutlich, dass abends wesentlich mehr Leute das Freibad besuchen als morgens", sagt Wolfgang Reiland, Bürgermeister der VG Trier-Land. Es sei aber noch zu früh, um daraus Schlüsse für die Saison 2012 zu ziehen. Die Bilanzen würden nun ausgewertet, und die zuständigen Gremien über Konsequenzen nachdenken.

VG Hermeskeil
In Hermeskeil wurden 23 390 Besucher gezählt. Gegenüber 2010 ist das ein Rückgang von 13 600 Besuchern. Vom Rekordwert im Jahrhundertsommer 2003 (63 500 Besucher) ist das Ergebnis sogar meilenweit entfernt. Wie hoch der finanzielle Verlust ist, kann Michael Hülpes, Bürgermeister der VG Hermeskeil, noch nicht sagen: "Das haben wir noch nicht ermittelt."

VG Kell am See
"Wie hoch der finanzielle Verlust ist, können wir noch nicht sagen, denn der Jahresabschluss steht ja noch aus", sagt der Leiter der VG-Werke Kell am See, Jörg Jost. Das Keller Schwimmbad - wegen Renovierungsarbeiten ohnehin nicht vollständig nutzbar - hat bereits seit 31. August geschlossen. Im Freibad Kell halbierte sich im Vergleich zum Vorjahr die Besucherzahl von 10 000 auf 5000.

VG Konz
Die Konzer mussten im Jahr 2011 auf die benachbarten Schwimmbäder ausweichen. Anders als ursprünglich geplant bleibt das Bad voraussichtlich bis zum Winter 2013 zu - ein halbes Jahr länger als vorgesehen. Das liegt daran, dass sich die Verbandsgemeinde von dem Architekturbüro getrennt hat, für dessen Pläne sich der Schwimmbadausschuss im Frühjahr entschieden hatte (der TV berichtete). Nach einer erneuten Ausschreibung hat der VG-Rat im nichtöffentlichen Teil der jüngsten Sitzung auch ein neues Büro ausgewählt. Allerdings wartet die Verwaltung noch eine Ende Oktober auslaufende Widerspruchsfrist ab, bis sie den neuen Architekten und seine Pläne vorstellt.

VG Saarburg
"Wir haben die Saison bis zum 12. September verlängert, das hat uns aber auch nicht mehr gerettet", sagt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Saarburg, Leo Lauer. Rund 38 000 Gäste besuchten das Saarburger Freibad in diesem Jahr, 20 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Ein wenig gleiche sich der Verlust durchs Hallenbad aus. Dort bescherte der miese Sommer immerhin 5000 bis 6000 Euro mehr Einnahmen. Trotzdem schließt die Freibadsaison mit einem Einnahmenrückgang um etwa 20 000 Euro. Im Trierer Nordbad haben Schwimmer am 24. September zum letzten Mal ihre Bahnen gezogen. Trotz des unbeständigen Wetters wurden mit rund 52 500 etwa die Besucherzahlen des vergangenen Jahres erreicht. Dieses Ergebnis sei den mehr als 200 Stammkunden zu verdanken, schätzt das Sportamt. Sie besuchen das Nordbad wegen der konstanten Wassertemperatur von 24 Grad sowie der kurzen Wege zwischen Umkleidekabinen und Schwimmbecken unabhängig vom Wetter fast jeden Tag. Im Südbad wurde bereits am 16. September die Badesaison 2011 beendet. Mit rund 50 550 Schwimmern lagen die Besucherzahlen etwa 50 Prozent unter dem Wert von 2010. Hauptgrund war nach Einschätzung des Sportamts das schlechte Wetter. Allein im Juni und Juli wurden mit rund 24 000 Besuchern 61 000 weniger registriert als im Vorjahreszeitraum (85 000 Besucher). as/jka