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Gemeinden und Kreis scheuen Kosten für Wegeunterhaltung - Notfalls entscheidet Landesbetrieb über Abstufung

Gemeinden und Kreis scheuen Kosten für Wegeunterhaltung - Notfalls entscheidet Landesbetrieb über Abstufung

Das Kreisgebiet ist durch die Aufnahme Trittenheims zwar größer geworden. Die Länge der Kreisstraßen nimmt hingegen ab. Das hat nichts mit irgendwelchen Schrumpfungsprozessen zu tun. Sondern eher damit, dass einige Straßen nicht die Bedeutung haben, die sie als Kreisstraßen haben müssten. Wie beispielsweise die Ortsdurchfahrten Kenn und Kasel.

Newel/Kasel/Longuich. Dem Rad- oder Autofahrer ist es herzlich gleichgültig, wer für den Unterhalt der Straßen zuständig ist. Hauptsache, die Straße ist in Ordnung. Doch so einfach ist die Sache nicht. Denn der Besitzer der Straße - er wird auch Baulastträger genannt - muss für Unterhalt und Sanierung des Verkehrswegs zahlen.
Rund 459 Kilometer Straße gehören dem Landkreis Trier-Saarburg. Er besitzt damit eines der längsten Straßennetze im Land. Spitzenreiter ist der Eifelkreis Bitburg-Prüm mit insgesamt 760 Kilometern Kreisstraße.Gemeinden müssen zahlen


Die Trier-Saarburger sind seit einigen Jahren dabei, ihren Titel als Kreis mit vielen Kreisstraßen loszuwerden. Denn immer mehr Kreisstraßen werden zu Gemeindestraßen abgestuft. Sie bleiben somit weiter befahrbar. Doch es ist Aufgabe der jeweiligen Ortsgemeinde, die Strecke in Schuss zu halten.
Thomas Müller, Pressesprecher der Kreisverwaltung Trier-Saarburg sagt: "Gegen den Willen der Gemeinden gibt es in Trier-Saarburg keine Abstufung." Deshalb wird das Gespräch gesucht, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Hilfreich für solche Gespräche ist es, dass der Landkreis entweder die Straßen saniert und dann an die Gemeinde übergibt. Oder der Kreis an die Gemeinde als Abstandszahlung Geld überweist.
Diese auch in anderen Kreisen gängige Praxis funktioniert nicht immer. Das zeigt der aktuelle Fall der Kreisstraße 55 nach Lampaden-Geisemerich. Diese bindet den Ortsteil an das Straßennetz an. Für knapp 140 000 Euro wird die Strecke derzeit ausgebaut. Doch es gibt Ärger. Denn Ortsbürgermeister Martin Marx vertritt die Auffassung, dass der Kreistag 2013 den Beschluss zur Abstufung der Straße ohne Rücksprache mit der Ortsgemeinde getroffen habe.
Wie dieser konkrete Fall ausgeht, ist offen. Möglicherweise muss der Landesbetrieb Mobilität am Ende klären und entscheiden, ob die Kreisstraße zu Recht eine Kreisstraße ist. Nach Auffassung des Kreises spricht dagegen, dass die K 55 eine Sackgasse sei und keine überörtliche Bedeutung habe. Geplant war, die Verbindung zum neuen Jahr abzustufen.
Geräuschloser als in Lampaden liefen hingegen einige andere Abstufungen ab.
Die knapp 500 Meter lange Ortsdurchfahrt Longuich (K 81) ist seit 1. Januar 2013 eine Gemeindestraße, die K 29 von Kordel zur Hochmark seit 1. Januar 2015. Die knapp zwei Kilometer lange Strecke zwischen Schöndorf und Lonzenburg (K 62, K 63) ist teilweise bereits seit Januar 2014 abgestuft. Der Rest soll 2018 folgen.
2018 sollen gleich drei Straßen in den Besitz der jeweiligen Ortsgemeinden übergehen. Und zwar die Ortsdurchfahrten Osburg (K 67, rund 810 Meter lang), Kenn (K 79, rund 1120 Meter lang) und Kasel (K 140, rund einen Kilometer lang). Möglicherweise ebenfalls in den Besitz der Gemeinde Newel soll die rund einen Kilometer lange K 27, die in den Ortsteil Lorich führt, übergehen. Die Straße wird zuvor ausgebaut.
Bei der K 44 von Hentern zum Bahnhof Zerf wird derzeit geprüft, ob die 1,26 Kilometer lange Strecke über ein Flurbereinigungsverfahren saniert werden kann. Die Verbindung zwischen
Pluwiger Hammer und Pluwig-Geizenburg (K 53) bleibt vorerst Kreisstraße. Denn es stehen laut Kreisverwaltung auf der 1,1 Kilometer langen Strecke noch Arbeiten der zuständigen Verbandsgemeindewerke an.
Die 355 Meter lange K 148 von der L 137 nach Konz-Hamm soll ebenfalls Gemeindestraße werden. Derzeit wird überlegt, ob die Strecke ausgebaut werden soll oder ob der Kreis eine Abstandssumme an die Stadt Konz zahlen soll.Meinung

Einfach dichtmachen
Von den zahlreichen Kreisstraßen gibt es sicher viel mehr als nur die aktuellen Abstufungskandidaten, die den Titel eigentlich nicht verdienen. Es ist jedoch für den Kreis ein schwieriges Geschäft, die Straßen an Gemeinden loszuwerden. Die wollen die jedoch oft nicht haben, weil die Instandhaltung Geld kostet. Und so bleibt es bei einem zu großen Netz, für dessen Unterhaltung zu wenig Geld da ist. Nun könnte man mit den Achseln zucken und alles so lassen, wie es ist. Doch das wäre der falsche Weg. Es wäre sinnvoller, die ein oder andere Straße einfach dichtzumachen. Es wäre den Versuch wert zu beobachten, ob ein Dutzend Kreisstraßen weniger nach kurzer Zeit noch jemandem auffallen würde. h.jansen@volksfreund.deExtra

Foto: (ClickMe)

Abstufungskandidaten: Wer wissen möchte, ob die Kreisstraße im eigenen Ort ein Kandidat für die Abstufung zur Gemeindestraße ist, der kann sich an folgenden Anhaltspunkten orientieren: Nach den gesetzlichen Bestimmungen hat nicht jeder Ortsteil einer Gemeinde Anspruch darauf, an eine klassifizierte Straße angebunden zu sein. Besonders dann, wenn die Kreisstraße eine Stichstraße ist, wird eine Abstufung wahrscheinlicher. Es stellt sich zudem die Frage, wie viel Umweg einem Verkehrsteilnehmer zugemutet werden kann, sofern parallel zur Kreisstraße eine andere Landes- oder Kreisstraße verläuft. Vor dem Aus können auch Streckenabschnitte stehen, die aufgrund der Frequenz nicht mehr den Anforderungen an eine Kreisstraße genügen. har