Gemeinsam gesund — Ein Dorf sorgt vor

Gemeinsam gesund — Ein Dorf sorgt vor

Aach will das erste Gesundheitsdorf in der Region werden. Zunächst soll ein Gesundheitscafé als Treffpunkt eingerichtet werden. Weitere Bausteine sind eine Gemeindekrankenschwester und eine ambulant betreute Wohngruppe.

Aach. (alf) Ein Dorf übernimmt den Generationenvertrag - das hat der Gemeinderat Aach kürzlich beschlossen. Es ist eine Willenserklärung des Rates, der demografischen Entwicklung mit einer Reihe von präventiven Maßnahmen auf dem Gesundheitssektor zu begegnen. Mitmachen sollen dabei möglichst viele Bürger - junge und alte.

Das Netzwerk "Gesundes Aach" soll aus drei Bausteinen bestehen: einem Treffpunkt "Gesundheitscafé" in der alten Schule, das auch als Bürgerbüro fungieren kann und idealerweise mit einer Halbtagskraft als Kontaktperson besetzt ist. Eine Gemeindekrankenschwester, die als Bindeglied zwischen Hausarzt und Patienten zum Beispiel Blutentnahmen und Blutdruckkontrollen vornimmt und prüft, ob ein ärztlicher Hausbesuch erforderlich ist. Und schließlich eine ambulant betreute Wohngruppe als alternative Wohnform zur häuslichen oder vollstationären Pflege. Hilfsbedürftige Menschen sollen von einem Pflegedienst ihrer Wahl versorgt werden, aber als Mieter ihren Alltag noch weitgehend selbstständig organisieren können.

Landrat Günther Schartz unterstützt die Aacher Initiative als "Leuchtturmprojekt für die Region" und hat sie für einen Ideenwettbewerb des Landes eingereicht. Die Gemeinde Aach will sich darüber hinaus auch beim Kreis um Fördermittel bewerben. Dieser möchte fünf Gemeinden für beispielhafte Projekte zur Stärkung der Wohn- und Lebensqualität mit Geldern der Stiftung "Zukunft" unterstützen (der TV berichtete).

Ortsbürgermeister Ralf Kierspel will das Gesundheitsdorf notfalls auch ohne Zuschüsse aufbauen - unter anderem mit Beteiligung der Vereine, des Betreuungszentrums "Haus auf dem Wehrborn und der Caritas-Beratungsstelle Welschbillig.

Eine Steuerungsgruppe, der der Bürgermeister, Ratsmitglieder, Vertreter der örtlichen Vereine und engagierte Bürgerinnen und Bürger angehören, soll den Aufbau des Gesundheitsdorfes koordinieren. In Bürgerversammlungen sollen die Aacher über Ziele, Methoden und die Organisation des Vorhabens informiert werden.

Beim Stichwort engagierte Bürger erwähnt Kierspel spontan die "Frohe Runde Aach". Seit 13 Jahren bietet das Organisationsteam um Gerlinde Müller, Annemie Kasel, Karin Gierens und Eva Schanen Fahrten, Besichtigungen, Wanderungen und gesellige Treffen an. Diese erfreuen sich regen Zuspruchs im Dorf. Überwiegend sind es Frauen, die jeden zweiten und vierten Donnerstag die Angebote der Frohen Runde nutzen, aber auch 13 Männer gehören zum harten Kern.

"Es ist wichtig, dass die Leute rauskommen", sagt Eva Schanen. Sie ist davon überzeugt, dass ein Gesundheitscafé in Aach einschlagen wird - "wenn man die Leute anspricht, von alleine werden die wenigsten kommen".

Meinung

Lückenschluss im Gesundheitswesen

Das Dorfleben mag mancherorts tatsächlich noch so etwas wie eine heile Welt sein. Jeder kennt jeden, und man hilft sich gegenseitig, wenn es Probleme gibt. Doch auch auf dem Land bröckelt die Solidargemeinschaft: Die Jungen ziehen dorthin, wo sie Arbeit finden; die Alten bleiben. Und ihre Zahl nimmt stetig zu, weil die Lebenserwartung steigt und geburtenstarke Jahrgänge ins Seniorenalter aufrücken. Gleichzeitig droht die Lebensqualität abzunehmen, weil familiäre und nachbarschaftliche Hilfe verloren geht. Es gibt immer mehr einsame Menschen, oft Demenzkranke, die dringend auf fremde Hilfe angewiesen sind. Der jetzt schon spürbare Ärztemangel wird sich verschärfen, weil fast die Hälfte der niedergelassenen Ärzte über 55 sind. Praxen werden schließen, und der medizinische Nachwuchs zieht es vor, in die Städte zu gehen anstatt schlecht bezahlte Hausbesuche auf dem Land zu machen. Unter dieser Prämisse könnte das Gesundheitsdorf Aach in der Tat eine aufklaffende Lücke in der Grundversorgung schließen - und damit Vorbild für andere werden. Und das nicht nur auf dem Gesundheitssektor. Hoffentlich sind die Ergebnisse des Feldversuchs ermutigend. Entscheidend für den Erfolg wird sein, inwieweit sich die Bürger mit den Zielen identifizieren. a.follmann@volksfreund.de