1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Gemeinsam leben, selbst bestimmen

Gemeinsam leben, selbst bestimmen

Die erste betreute Wohngemeinschaft für ältere pflegebedürftige und an Demenz erkrankte Menschen im Landkreis ist in Greimerath eingerichtet worden. Betreiber und Kreis unterzeichneten jetzt eine Leistungs- und Vergütungsvereinbarung.

Trier/Greimerath. Derzeit leben zehn Senioren in Greimerath (Hochwald) in einer kreisweit einmaligen Wohngemeinschaft (WG). Die Bewohner sind alle über 80 Jahre alt und mehr oder weniger pflegebedürftig. Anders als in einem Heim wollen und sollen sie aber noch ihre Fähigkeiten einbringen; das Wohnen in dem ehemaligen Hotel ist geprägt durch den Grundsatz der Selbstbestimmung und der Selbstverantwortlichkeit.

So steht es auch in der Vereinbarung, die Alexa Stiebeler als Vertreterin der Betreiberfamilie und Landrat Günther Schartz im Kreishaus unterzeichnet haben. "Unser Ziel ist es, die älteren Menschen in ihrem sozialen Umfeld und ihrer gewohnten Umgebung zu belassen", sagt der Landrat. Die "Normalität des Alltags" solle möglichst lange gewährleistet bleiben.

Durch die landesweit erste Leistungs- und Vergütungsvereinbarung dieser Art haben erstmals auch Sozialhilfe-Empfänger die Chance auf einen solchen Wohnplatz. Bisher hatten sich das nur Selbstzahler leisten können, nicht aber Bewerber mit einer kleinen Rente. Die anfallenden Kosten setzen sich aus der Miete (für ein eigenes Zimmer), Haushaltskosten (Gemeinschaftskasse), einer Betreuungs-Pauschale und den Kosten für die Pflege zusammen. Ein besonderer Service ist eine Nachtbereitschaft von 20 bis 7 Uhr.

Die Einrichtung in Greimerath wird von Alexa Stiebeler, ihrem Mann Jörg und ihrem Schwager Harald betrieben. Sie teilen sich die Betreuung, das Kochen und das Kaufmännische. Am Anfang sei die Belegung nur zögerlich erfolgt, und auch die Greimerather seien gegenüber einer so neuen und ungewöhnlichen Einrichtung wie einer Senioren-WG distanziert gewesen, bemerkt die Betreiberin. Das habe sich schlagartig geändert, als die erste Dame aus dem Ort eingezogen sei. Alexa Stiebeler: "Jetzt gibt es jeden Tag regen Besuch, und die Greimerather haben uns akzeptiert." Die Bewohner aus Eifel, Mosel und Hunsrück fühlten sich wohl und würden mittlerweile sogar von den Dorfvereinen eingeladen. Man sei bestrebt, die Wünsche der gemischten Gruppe zu erfüllen, seien es Spaziergänge, Einkäufe oder gemeinsame Ausflüge.