Gemeinsinn: ja, vorzeitiger Wahlkampf: nein Weniger "Unvermeidliche", mehr normale Bürger
Ein Bürgerfest und eine Woche der Nachbarschaft hat OB Klaus Jensen für den Sommer angekündigt. Diese Aktionen sollen das bürgerschaftliche Engagement und das Miteinander der Trierer weiter fördern, sagte das Stadtoberhaupt beim Neujahrsempfang am Sonntag im großen Rathaussaal. Viele sonst "Unvermeidliche" nicht da, stattdessen jede Menge weithin unbekannter Gesichter. OB Jensen war bei der Einladung zum Neujahrsempfang vom bisherigen Prozedere abgewichen.
Trier. Das Bürgerfest soll allen Vereinen und Initiativen die Möglichkeit geben, sich und ihre Arbeit vorzustellen. Er wolle mit dieser Veranstaltung "dir Vielfalt und die Möglichkeiten bürgerschaftlichen Engagements noch stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken", betonte Jensen, der zugleich eine "Woche der Nachbarschaft" anregte. Die Idee: Nachbarn laden sich gegenseitig ein, Hausgemeinschaften treffen sich, Straßen- und Stadtteilfeste werden organisiert - und das, "damit der erste Schritt leichter fällt", zeitgleich in der ganzen Stadt.Die Ausführungen zu Gemeinsinn nahmen, einschließlich des Dankes für vielfältiges ehrenamtliches Engagement, breiten Raum ein in Jensens Rede. Weiteres Schwerpunkt-Thema: Wirtschaftsförderung und -politik. Wirtschaft stünde für ihn an oberster Stelle, versicherte der Partei-unabhängige Rathaus-Chef - sicher auch eine Raktion auf CDU-Kritik, er tue zu wenig auf diesem Gebiet. Jensens Tätigkeitsnachweis fiel stattlich aus und zeigte auch auf, wie es mit zwei seiner Leib- und Magen-Themen weitergeht: Zu Gesundsheitswirtschaft und Logistik werde es im Februar und März große Konferenzen geben, um die Umsetzungs-Phase einzuleiten.Schulen: Ressourcen konzentrieren
Noch nicht klar ist hingegen, wie es mit der Schullandschaft weitergeht. Angesichts sinkender Schülerzahlen und vieler nicht ausgelasteter (Grund- und Haupt-) Schulen "werden sicherlich unbequeme Diskussionen zu führen und Entscheidungen zu treffen sein, die für eine nachhaltige Entwicklung des Schulstandortes Trier aber unbedingt getroffen werden müssen". Das Wort "Schulschließung" fiel nicht, gleichwohl ließ Jensen zwischen den Zeilen erkennen, dass die Konzentration von Ressourcen die Qualität steigern könne. Die kommunalpoitischen Herausforderungen für 2008 sollten "gemeinsam gestemmt werden - in sachlicher Auseinandersetzung und am Gemeinwohl orientiert". An die zahlreich vertretenen Politiker richtete Jensen mit Blick auf die Kommunalwahl 2009 den Appell, auf einen vorzeitigen Wahlkampf zu verzichten. Ein solcher vertrage sich nicht mit der "Notwendigkeit, für Trier gute Entscheidungen zu treffen". Trier. (rm.) Allen wohl und niemandem wehe - das geht beim OB-Neujahrsempfang nicht. Ein solches Ansinnen scheitert schon an der begrenzten Kapazität des Rathaussaales. Dort lauschten gestern dicht gedrängt gut 250 Gäste der Ansprache des Stadtoberhaupts. Doch das Großaufgebot von Rathaus-Vertretern, das sonst bei diesem Anlass stets anzutreffen war, fehlte diesmal. Die Verwaltungs-Vertreter unterhalb der Dezernenten-Ebene ließen sich an den Fingern einer Hand abzählen und waren, abgesehen von Stadtmuseums-Chefin Elisabeth Dühr (wie Vertreter von Landes- und Bischöflichem Museum und Ausstellungs-GmbH "wegen Konstantin" eingeladen) ohnehin dienstlich zugegen.Wieso? "Eine Platzfrage", erklärte OB Jensen im TV-Gespräch. Nutznießer waren die Bürgerinitiativen etwa zum Flächennutzungsplan, gegen Kohlekraftwerk oder gegen Schwerlastverkehr in Trier-West/Pallien. Jensen: "Die gehören auch zu Trier und repräsentieren ein unverzichtbares Stück Demokratie". Dass der Saal voller als bei vielen früheren Empfängen war, lag wohl auch am Neuigkeits-Effekt. Jensen ist erst neun Monate im Amt - das zieht. 380 Einladungen hatte das Protokollamt verschickt, 50 davon an per Zufallsprinzip ausgewählte "Normalbürger".380 Einladungen und mehr als 50 Prozent Zusagen
Zurück kamen mehr als 50 Prozent "Zusagen"; ein Teil der Eingeladenen erschien mit Begleitung.Außer Jensens Rede stand Kultur auf dem Programm. Stadttheater-Schauspieler Michael Ophelders rezitierte Neujahrsgedanken berühmter Persönlichkeiten von Goethe bis Heinz Erhardt, und die Jazz-Combo des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums (Leitung: Bernhard Nink) gab dem Empfang einen "beswingten" Rahmen.Der Neujahrsempfang 2009 wird nicht zwangsläufig im Rathaussal stattfinden. "Ich glaube, wir müssen uns etwas anderes überlegen", sinnierte Jensen gestern. Ein möglicher Ausweich-Ort könnten die Thermen am Viehmarkt sein.