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Gemischte Gefühle vor Beginn der Ausstellung "Untergang des Römischen Reiches"

Trier : Dem „Untergang“ eine Chance!

„Kein Hype zu spüren“: Manche Hoteliers und Geschäftsleute trauen vor Ausstellungsbeginn dem Braten nicht. Touristiker hingegen sind unbesorgt.

So ändern sich die Zeiten. Als 2016 die bislang letzte große Römer-Ausstellung in Trier über die Bühne ging, bot der Historische Keller des Karstadt-Warenhauses einen „Nero-Teller“ an – Schweinesteak mit Bratkartoffeln für 7,50 Euro. „Echt ein Renner – eine super Idee von unserem Restaurantleiter Murat Cira“, jubelte Karstadt-Geschäftsführer Knut Werle damals.

Inzwischen gibt es nicht nur Karstadt samt gastronomisch genutztem Gewölbekeller nicht mehr – es findet sich auch auf den Speisekarten von Triers Gaststätten und Restaurants keinerlei Hinweis auf die nächste Historienschau. Klar, eine „Untergangs-Schlachtplatte“ oder einen „Barbaren-Braten“ hätte niemand wirklich erwartet, aber ein gewisses Fremdeln von Händlern und Gastronomen mit der Landesausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“ (ab Samstag im Landesmuseum, Stadtmuseum und Museum am Dom zu besichtigen) ist schon augenfällig.

Einzig das Modehaus Marx direkt gegenüber der Konstantin-Basilika hat ein Schaufenster dem „Untergang“ gewidmet. „Es ist für uns Ehrensache, dass wir als Trierer Unternehmen für dieses Trierer Großereignis werben“, erklärt Geschäftsführerin Karin Kaltenkirchen (52).

Mit dieser Einstellung steht sie derzeit ziemlich alleine auf weiter Flur. Wo 2007 (Konstantin-Ausstellung) oder 2016 (Nero) noch viele Geschäfte Plakate aushängten oder mit Flyern warben, ist aktuell eher Zurückhaltung angesagt. Dabei sind die Erwartungen groß. Der „Untergang“ werde „noch mehr Leben in die Altstadt bringen und sich sehr positiv für Handel und Gastronomie auswirken“, glaubt Patrick Sterzenbach (53), der Vorsitzende der City-Initiative Trier (CIT). Besonders positiv aus seiner Sicht: Diesmal wurde die fünfmonatige Ausstellungszeit um einen Monat nach hinten verschoben. Sie endet am 27. November, wenn der Weihnachtsmarkt als finale Attraktion auf dem lokalen Veranstaltungskalender bereits läuft. „Das ist ein wahrer Lichtblick in einem sonst dunklen Monat.“ Gleichwohl sei werbetechnisch „noch Luft nach oben“, findet der CIT-Chef. „Vielleicht lassen sich in den kommenden Wochen Schaufenster von leer stehenden Geschäften als Werbefläche nutzen.“ Leerstände, die hat Trier in der Tat derzeit im Überfluss.

Auf mehr überregionale Werbung hofft derweil die Hotellerie. Denn außerhalb des Trierer Raums sei die an sich frohe Botschaft vom „Untergang“ ,im selbst ernannten „Rom des Nordens“ noch nicht so recht angekommen, glaubt Elisabeth Schug (52), die Direktorin des Park-Plaza-Hotels am Nikolaus-Koch-Platz. Dementsprechend mau sei daher noch die Resonanz von Gästen, die gezielt zur Landesausstellung in Deutschlands älteste Stadt kommen. „Bei Konstantin und Nero und auch 2018 bei der Karl-Marx-Ausstellung brummte es schon Wochen vorher.“ Aktuell aber, so die Leiterin des größten Nobelhotels in Trier (150 Zimmer, vier Sterne superior), „spüren wir von Hype wenig bis nichts“.

Das könnte an einem veränderten Reiseverhalten liegen, schätzt Christiane Heinen (57) von der Mosellandtouristik GmbH Bernkastel-Kues, dem offiziellen Reiseportal der Destination Mosel. Nach nunmehr fast zweieinhalb Jahren Corona gebe es einen auffallenden Trend hin zu sehr kurzfristigen Buchungen. Gleichwohl sei die Tourismussaison im Moselland „super angelaufen. Das stimmt uns sehr optimistisch für den weiteren Jahresverlauf“.

Dass zu wenig geworben werde, sieht Christiane Heinen nicht: „Wir haben die Landesausstellung zum Anlass für eine großangelegte Imagekampagne genutzt, die modernen Lifestyle, Exklusivität, Luxus und Entschleunigung in den Fokus stellt und mit antiken Kulturschätzen kombiniert.“ Damit wolle man vor allem eine genussbewusste Klientel ansprechen, die Wert auf Lifestyle und Exklusivität legt und das Besondere sucht:

Außerdem habe die Mosellandtouristik Tourentipps zusammengestellt, die Kultur mit besonderen kulinarischen Genüssen verbinden.

Auch die Verantwortlichen der Trier Tourismus und Marketing GmbH hegen keinerlei Befürchtungen, dass der „Untergang“ floppen könnte. „Im Gegenteil: Das ist ein optimal zu Trier passendes Mega-Ereignis, und wir haben uns lange und gezielt darauf vorbereitet, dass die Gäste es sinnvoll erleben können“, betont TTM-Abteilungsleiterin Patricia Ellendt-Scheer (50). Die Anfrage nach Führungen durch die Ausstellung und die Stadt steige seit zwei Monaten erheblich an: „Und in unserem 150-köpfigen Gästebegleiter-Team herrscht eine riesige Vorfreude auf einen großartigen ,Untergang‘. Wir sind von ihm überzeugt und sicher, dass er ein Renner wird und Trier davon profitieren wird.“