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Gen-Test überführt Eifeler Jahre später - 58-Jähriger gesteht Vergewaltigung aus dem Jahr 2007

Gen-Test überführt Eifeler Jahre später - 58-Jähriger gesteht Vergewaltigung aus dem Jahr 2007

Mit Hilfe moderner DNA-Analysemethoden konnte die Staatsanwaltschaft Trier einen mutmaßlichen Vergewaltiger überführen, nach dem seit 2007 intensiv gefahndet worden war – unter anderem mit dem größten Massengentest der Eifel und der Sendung Aktenzeichen XY...ungelöst.

"Sehen Sie das Urteil als Chance. Wenn Sie diese nicht nutzen, werden Sie Ihre Freiheit verlieren", hatte ein Bitburger Richter dem Mann im Mai 2015 noch gesagt, kurz nachdem er ihn wegen sexuellen Missbrauchs einer behinderten Frau zu zwei Jahren auf Bewährung und 2500 Euro Schmerzensgeld verurteilt hatte.

Inzwischen ist es unwahrscheinlich, dass der Eifeler so bald wieder auf freien Fuß kommt. Denn dank moderner Technik hat ihn die Vergangenheit eingeholt. Eine DNA-Probe, die er nach dem Prozess im Mai abgab, hat ihn überführt: Sie brachte den 58-Jährigen mit einem Verbrechen in Verbindung, das er am gestrigen Mittwoch gestand.
Am 11. Mai 2007 hatte der Mann in Seiwerath (Eifelkreis Bitburg-Prüm) mutmaßlich eine Autopanne vorgetäuscht, an einem Haus geklingelt - angeblich, um zu telefonieren - und die 42-jährige Frau, die ihm die Türe öffnete, zu Boden gedrückt und brutal vergewaltigt.

Das Phantombild, mit dem die Polizei jahrelang nach ihm fahndete, zeigt einen unauffälligen Mann zwischen 40 und 50, 1,80 Meter groß mit leichten Geheimratsecken und grau melierten Haaren. Doch weder die Info, dass er Eifeler Dialekt sprach noch dass er eine blaue Arbeitshose und ein kariertes Hemd trug, führte zu erfolgversprechenden Hinweisen aus der Bevölkerung. Dabei lebte der mutmaßliche Vergewaltiger nur wenige Dörfer weiter. Dies hatten die Ermittler damals schon vermutet, da er "persönliche Gegebenheiten" des Opfers kannte.

Was folgte, war der größte Massengentest der Eifel. Denn der Mann hatte am Tatort DNA zurückgelassen. Rund 620 Männer aus Seiwerath und nahen Eifelorten wie Hersdorf, Schönecken und Burbach gaben 2008 Speichelproben ab. Den Täter fand die Polizei so jedoch nicht. Auch die Ausstrahlung des Falls in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" 2011 brachte keinen Durchbruch. Nicht einmal der berühmte Kommissar Zufall half.
Nein, dass nun - achteinhalb Jahre nach der Tat - doch noch jemand verhaftet worden ist, geht auf das Konto kriminalistischer Routinearbeit.

Da nach der Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs zu fürchten war, dass der Eifler erneut ähnlich schlimme Taten begehen könnte, schrieb die Staatsanwaltschaft ihn an und fragte, ob er der Entnahme einer DNA-Probe zustimmt. Das tat er - wohl wissend, dass dies sonst per richterlichem Beschluss erwirkt würde. Routinemäßig wurde diese Probe laut Staatsanwaltschaft in die DNA-Analyse-Datei des Bundeskriminalamts (siehe Extra) eingespeist und mit anderen Proben abgeglichen. Volltreffer.

"Ein Ermittlungserfolg nach so langer Zeit ist ein Beleg dafür, dass diese Technik ein wichtiges kriminalistisches Instrument ist", sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen - das sei schon etwas Besonderes.
Der Eifeler hatte 2008 keine Speichelprobe abgegeben, da er in keinem der untersuchten Orte wohnte. Laut Fritzen lebte er allerdings auch nicht sehr weit von seinem Opfer entfernt.

Wie es den Opfern des Mannes geht, ist nicht bekannt. Im Mai 2015 hatte er mit den Worten "Ich möchte…" im Gerichtssaal zu einer Entschuldigung angehoben, den Satz jedoch unbeendet gelassen. Die Eltern der jungen Frau, an der er sich im Sommer 2014 verging, wollten eine solche Entschuldigung, wie sie wütend deutlich machten, ohnehin nicht hören.

Extra
Die DNA-Analyse ist eines der modernsten und erfolgreichsten Instrumente zur Aufklärung von Verbrechen. Bei Massentests wird einer großen Zahl von Menschen mit einem Wattestäbchen Speichel im Mund entnommen. Im Labor werden Teile der Erbsubstanz Desoxyribonukleinsäure (DNA) aus dem Speichel mit den genetischen Spuren vom Tatort verglichen. Für eine DNA-Analyse genügen schon geringste Spuren - etwa Hautschuppen, Haare, Sperma, Schweiß oder Speichelreste. Den genetischen Fingerabdruck eines Menschen können Experten auch Jahrzehnte nach der Tat abgleichen.
Seit 1998 arbeiten die deutschen Behörden mit einer zentralen DNA-Analyse-Datei, die beim Bundeskriminalamt (BKA) eingerichtet wurde und mehr als eine Million Datensätze enthält. Laut BKA-Statistik konnte mehr als 140.000 Mal eine Tatortspur einer Person zugeordnet werden. Auf diese Weise gab es vor allem bei Diebstahls-, Raub-, Sexual- und Tötungsdelikten Erfolge. dpa