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General-von-Seidel-Kaserne in Trier wird CO2-neutraler Gewerbepark

Kostenpflichtiger Inhalt: Wirtschaftsförderung : Kaserne in Trier wird klimaneutraler Gewerbepark - Was das bedeutet und wann es soweit ist

Die Stadt Trier hat für 1,2 Millionen Euro die General-von-Seidel-Kaserne gekauft. Besonders kleinere Betriebe sollen sich dort ansiedeln können. Doch dafür gibt es noch viel zu tun.

Der Oberbürgermeister ist optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass wir keine umfassenden Sanierungsarbeiten zur Beseitigung von Altlasten haben werden“, sagt Wolfram Leibe. Gemeinsam mit den Projektverantwortlichen der Verwaltung und der Stadtwerke, Alexander Fisch und Tim Hartmann, hat er am Donnerstag den Journalisten der Region das Gelände der ehemaligen General-von-Seidel-Kaserne in Trier-Euren gezeigt. Es seien zwar noch volle Tanks der ehemaligen Tankstelle im Boden. „Aber die sind zum Glück dicht. Wir werden das Benzin abpumpen und verkaufen“, blickt der Finanzchef der Stadt in die nahe Zukunft.

Etwas länger wird es dauern, bis sich die ersten Betriebe auf dem seit mehr als zwei Jahren geräumten Areal ansiedeln können. „Wir werden im Laufe des Jahres 2023 mit der Vermarktung beginnen“, erläutert der bei der Wirtschaftsförderung Trier für die Standortvermarktung zuständige Alexander Fisch. „Anfang 2024 erwarten wir die ersten Ansiedlungen.“

Das Gelände Insgesamt ist das ehemalige Kasernengelände (siehe Info) 105 681 Quadratmeter groß. Nördlich der JVA Trier gelegen, wird es durch die Luxemburger Straße und die Bahntrasse der Weststrecke begrenzt. Die 35 Gebäude dort sind zwischen Anfang der 50er Jahre und 1990 entstanden. Etliche davon sind baufällig und müssen abgerissen werden. Wie viele es sein werden und welche Altlasten beseitigt werden müssen, soll unter anderem ein Schadstoffkataster zeigen, das in den nächsten Monaten erstellt wird. Gekauft hat die Stadt Trier das Gelände für 1,157 Millionen Euro vom Bund.

Der Bedarf Im Flächennutzungsplan 2030 für Trier ist ein Bedarf von bis zu 58,6 Hektar Gewerbeflächen vermerkt, die in den kommenden Jahrzehnten zusätzlich ausgewiesen werden müssen. Potenzial gibt es kaum. Deshalb kommt dem ehemaligen Kasernengelände eine große Bedeutung zu. Die Lage im Tal, die gute Verkehrsanbindung, das geringe Konfliktpotenzial mit Wohngebieten und möglichst wenige negative Auswirkungen auf die Umwelt sind Punkte, die bereits bei der Aufstellung des Flächennutzungsplans als Argumente für ein knapp elf Hektar großes Gewerbegebiet an dieser Stelle positiv gewertet wurden.

Bestätigung dafür kommt auch von der IHK Trier: „Wir begrüßen das geplante Gewerbegebiet“, sagt Sprecher Sebastian Klipp. „Die Fläche kann sich als attraktiver Standort für klein- und mittelständische Betriebe entwickeln. In Trier gibt es allerdings weiterhin einen Bedarf an Flächen für das produzierende Gewerbe. Hier sind alle Akteure gefordert, nach passenden Lösungen zu suchen.“

Der Plan Als Produktionsstandort für große Betriebe sieht die Stadt den neuen Gewerbepark zunächst nicht. „Wir wollen besonders kleineren Betrieben die Möglichkeit geben, sich hier anzusiedeln“, verdeutlicht Oberbürgermeister Wolfram Leibe: „Es haben sich bereits Interessenten gemeldet.“ Ziel sei es, auch mit Blick auf die Gewerbesteuereinnahmen, die Handwerksbetriebe in der Stadt zu halten. Entstehen soll eine Kombination aus Dienstleistungsangeboten und Handwerksbetrieben. Ein weiteres wichtiges Ziel ist die möglichst große Aufenthaltsqualität für Beschäftigte und Besucher. Dafür strebt die Stadt eine Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen an.

Der Klimaschutz In Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Trier soll das Areal zu einem nachhaltigen, CO2-neutralen Zukunftspark entwickelt werden. Solarstrom könnte dabei eine große Rolle spielen. Externe Stadt-, Umwelt und Verkehrsplaner werden an dem Entwicklungskonzept mitwirken. Bäume sollen möglichst erhalten werden, ebenso die Fledermausleitstrukturen. Der Breitbandausbau mit hochleistungsfähigem Glasfasernetz und City WLan ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Die schnelle ÖPNV-Anbindung an das städtische und das überregionale Netz erfolgt unter anderem über den nur 500 Meter entfernten neuen Haltepunkt der Weststrecke an der Eisenbahnstraße.

Die Feuerwehr Der Brandschutz wird in dem neuen Gewerbegebiet auf höchstem Niveau gewährleistet sein. Denn ein Doppelgebäude am westlichen Rand des Geländes wird nicht von Betrieben, sondern als neuer gemeinsamer Standort von den Freiwilligen Feuerwehren Euren und Zewen genutzt. Auch die Rettungshundestaffel der Berufsfeuerwehr soll dort einziehen.

Die Finanzierung Die Stadtverwaltung setzt auf Förderprogramme, um die eigenen Kosten zu minimieren. Erstes Ziel ist das Förderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus 2020“. Für die Bewerbung soll der Stadtrat in der Sitzung am Dienstag den Auftrag erteilen.