Generationentreff für neun Millionen Euro

Generationentreff für neun Millionen Euro

Nach einigen gescheiterten Anläufen werden die Pläne für ein Seniorenprojekt in Pluwig bald Wirklichkeit. Private Investoren bauen für neun Millionen Euro ein Pflegezentrum mit 64 Einzelzimmern und Raum für betreutes Wohnen. Die Anlage soll ein Treffpunkt für Jung und Alt werden - zwei neue Kitagruppen ziehen mit ein.

Pluwig. In der Pluwiger Ortsmitte rollen in diesem Sommer die Bagger gleich für zwei Großprojekte an. Dort wird auf dem derzeit brach liegenden Gelände in der Wilzenburger Straße nicht nur ein neuer Supermarkt gebaut (der TV berichtete). Gleich nebenan wollen private Investoren für etwa neun Millionen Euro eine dreigeschossige Seniorenanlage errichten.
Auf insgesamt 5500 Quadratmetern sind 64 Einzelzimmer für alle Pflegestufen, 16 Wohneinheiten für betreutes Wohnen und spezielle Therapieräume für Menschen mit Demenz geplant. Architekt ist der Trierer Werner Schaack.
"Wir werden in Kürze die Baugenehmigung erhalten", sagt Klaus Rosenthal von der Kölner Firma CMS Consulting, den Investoren des Projekts. Die Bodenarbeiten könnten somit bald starten. Mit dem Rohbau wolle man nach den Sommerferien beginnen. Im Spätsommer 2013 solle die Anlage eröffnen. Betreiber wird die Ago Pluwig Betriebsgesellschaft für Sozialeinrichtungen (siehe Hintergrund).
Landesweites Modellprojekt


Laut Pluwigs Ortsbürgermeister Wolfgang Annen ist die geplante Anlage "ein im Land einmaliges Projekt". Denn in den Komplex wird auch ein Neubau für zwei Kitagruppen integriert. Die bestehende Kita am Kirchplatz erhält dadurch 25 zusätzliche Betreuungsplätze, 17 für unter Dreijährige, acht für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Die Gemeinde investiert 650 000 Euro, davon sind etwa 380 000 Euro Zuschüsse.
Von der Kita sollen auch die Mitarbeiter des Seniorenzentrums profitieren. Die Anlage schafft laut Ago-Geschäftsführer Mathias Neumayer 60 Arbeitsplätze. Bei der Suche nach qualifizierten Pflegekräften sei das Betreuungsangebot "ein zusätzlicher Reiz", sagt Neumayer. "Sie können die Einrichtung wie eine Art Betriebskita nutzen", ergänzt Annen.
Nach den Plänen des Ortsbürgermeisters soll sich das Zentrum zu einem "Hauptanlaufpunkt im Ort" entwickeln - für alle Generationen. "Die älteren Leute können dort bleiben, wo jahrzehntelang ihr Lebensmittelpunkt war", erklärt Annen. Und gleichzeitig behielten sie den Kontakt zum Gemeindeleben. Vereine und Chöre sollen im Zentrum proben, das Senioreninternetcafé aus dem Bürgerhaus dorthin verlegt werden. Zudem, sagt Annen, sei die Lage "sehr attraktiv" - mit Bushaltestelle vor der Tür und Supermarkt, Bäcker und Ärztehaus nebenan. Für eine 150 Quadratmeter große Gewerbefläche in der Anlage wird noch ein Interessent gesucht.
Wohnungsverkauf startet bald


Essen für die Bewohner liefert eine hauseigene Küche, die auch die Kita-Kinder mitversorgen wird. Außerdem gibt es eine Kapelle, einen Friseur, einen Gemeinschaftsbereich mit Bistro und Café. "Dort werden wir regelmäßig Veranstaltungen für die Bewohner organisieren", kündigt Neumayer an.
Wer sein Geld in Immobilien anlegen möchte, kann einzelne Pflegeappartements im Pluwiger Zentrum kaufen - für 100 000 bis 180 000 Euro. Den Vertrieb startet in etwa acht Wochen die Wi-ImmoGroup aus Schweich. Anleger erwerben ein Vorrecht, das Zimmer im Alter selbst zu nutzen.
Mit dem Seniorenprojekt wird Wirklichkeit, was die Gemeinde schon seit mehr als zehn Jahren plant. Immer wieder gab es Anläufe mit unterschiedlichen Partnern, die alle scheiterten. "Wir haben zu lange an den falschen Projektentwickler geglaubt und viel Zeit verloren", räumt Annen Fehler ein. "Jetzt sind wir aber auf einem guten Weg."Hintergrund

Die Ago Unternehmensgruppe aus Köln betreibt in der Region bereits ein zweites Seniorenzentrum in Trier-Euren. Insgesamt ist das Unternehmen deutschlandweit Träger von acht Seniorenzentren mit etwa 900 Pflegeplätzen. Seniorenprojekte in der Verbandsgemeinde Ruwer: Erweitert wird das Senioren- und Pflegeheim Holunderbusch in Lorscheid. Dort soll es demnächst 70 statt bisher etwa 60 Betten geben. "Virtuelle Projekte" nennt VG-Bürgermeister Bernhard Busch Pläne für die Gemeinden Kasel und Waldrach. Für eine Einrichtung in Kasel mit 80 Betten gebe es zwar Investor, Betreiber und einen Plan. "Der muss aber noch die Mühlen des Flächennutzungsplans der Verbandsgemeinde durchlaufen", sagt Busch. Weder Betreiber noch Investor sind für ein geplantes Seniorenprojekt am Café Lichtenthal in Waldrach in Sicht. cwebExtra

Für den neuen Platz in der Wilzenburger Straße, an dem Seniorenzentrum, Kita, Bäckerei, Poststelle und der neue Treff3000-Supermarkt liegen werden, sucht die Ortsgemeinde noch einen Namen. Er soll mit Hilfe eines Wettbewerbs gefunden werden. Bürger können ihre Namensvorschläge ab sofort bei der Ortsgemeinde einreichen (Telefon 06588/988778, E-Mail buergermeister@pluwig.de ). Dort können sich auch Interessenten für die Pflegewohnungen im Seniorenzentrum melden. Ende Mai soll eine Jury den Sieger des Namenswettbewerbs küren. Laut Ortsbürgermeister Wolfgang Annen werden die besten drei Vorschläge prämiert. cweb