Serie Jedem ein Zuhause: Genossen zahlen in Trier-Nord weniger Miete

Serie Jedem ein Zuhause : Genossen zahlen in Trier-Nord weniger Miete

Wer günstig wohnen und verlässliche Vermieter haben will, findet in Trier-Nord ein besonderes Angebot: Die Wohnungsgenossenschaft am Beutelweg verändert seit 25 Jahren einen ganzen Stadtteil.

Wohnungen in Trier sind teuer. Daran wird sich angesichts des hohen Bedarfs und der dafür zu geringen Neubauaktivitäten auch in den kommenden Jahren nicht viel ändern. Doch es gibt Ausnahmen:  „Der Genossenschaftsgedanke ist gerade in einem angespannten Wohnungsmarkt wie Trier sinnvoll“, ist der ehemalige Baudezernent Peter Dietze überzeugt. Der Vor-Vorgänger von Andreas Ludwig hat sich zwar aus der Kommunalpolitik  zurückgezogen. Als Vorstandsmitglied der Wohnungsgenossenschaft Am Beutelweg (Wogebe) bringt er aber seit Jahren seine Kompetenz ein, wenn es darum geht, den Stadtteil Trier-Nord nachhaltig voranzubringen.

Die Grundidee der Genossenschaft ist schlicht und erfolgreich: Alles bleibt im System, um kostengünstige Mieten anbieten zu können. „Auch bei der Wogebe gibt es Wohnungen, die nicht sozial gefördert sind“, erläutert Dietze. „Aber wir bieten auch diese zu möglichst geringen Mieten an.“ Konkret bedeutet das für diese Wohnungen derzeit im Durchschnitt 8,60 Euro pro Quadratmeter, was etwa zwei Euro unter der üblichen Marge in Trier liegt. 356 der insgesamt 509 Wogebe-Wohnungen – das entspricht einem Anteil von 70 Prozent – sind allerdings sozialer Mitwohnungsbau. Die Durchschnittsmiete aller Wohnungen der Genossenschaft ist mit 5,17 Euro für den Trierer Wohnungsmarkt nahezu unschlagbar günstig.

Foto: TV/Wilbert, Bianca

Geschäftsführer Herbert Schacherer erklärt, wie es dazu kommt: „Das Genossenschaftsmodell ist der Kontrapunkt zum Investorenmodell, bei dem der Blick vor allem auf die Rendite gerichtet ist. Hier im Quartier ist die Genossenschaft aus dem Selbsthilfegedanken entstanden. Die Menschen hatten keine nennenswerten Geldmittel, aber die Bereitschaft, aktiv mitzugestalten. Wir tragen die, die nicht die notwendigen Mittel haben, um sich selbstständig am Wohnungsmarkt zu versorgen.“

So beträgt die Standard-Einlage der Genossen 750 Euro. Mieter von sozial geförderten Wohnungen hinterlegen 50 Euro pro Quadratmeter. Im Gegenzug erhalten sie ein lebenslanges Wohnrecht zu einer günstigen Miete, die für fünf Jahre festgeschrieben ist und danach nur moderat erhöht werden darf. Wer wieder auszieht, erhält seine Einlage zurück.

Foto: Rainer Neubert

Was vor 25 Jahren mit der Sanierung der Siedlung am Beutelweg begonnen hatte, um den Menschen dort Perspektiven und Selbstwertgefühl zu geben, hat sich längst weiterentwickelt. Die Genossenschaft hat inzwischen 590 Mitglieder. 1350 Menschen versorgt sie mit Wohnraum. Immer steht dabei auch die gemeinsame nachhaltige Weiter­entwicklung des Quartiers mit den Bewohnern im Mittelpunkt. Peter Dietze: „Es gibt einige Wohnungsgenossenschaften im Raum Trier. Das Besondere unseres Modells war immer die Verknüpfung mit der Entwicklung des Stadtteils. Das macht die Wogebe zu einem einmaligen Modell.“

Wie das konkret funktioniert, zeigen die Veränderungen in der Thyrsusstraße, die dank der Wogebe-Aktivitäten in Zusammenarbeit mit dem Bürgerhaus Nord von ihrem schlechten Ruf befreit worden ist und sich zunehmend zu einer gefragten Wohnadresse entwickelt. Dort entsteht derzeit neben dem alten Hochbunker das bislang größte Neubauprojekt der Wogebe. Der Rohbau des knapp zehn Millionen Euro teuren Projekts „Wohnen im Quartier“ ist bereits fertig. 36 der 37 Wohnungen sind nach Angaben der Genossenschaft vergeben.

Foto: Rainer Neubert

Für die Projektsteuerung ist Joachim Fischer verantwortlich: „Wir haben für unsere Wohnungen ein echtes Bewerbungsverfahren“, sagt er. Für den komplett barrierefreien Wohnkomplex habe es zwei- bis dreimal mehr Anfragen gegeben als Wohnungen. Besonders stolz seien alle Beteiligten, dass viele Bewerbungen auch aus anderen Stadtteilen und von jenseits der Stadtgrenzen kamen.

Warum die Nachfrage so groß ist, zeigt der Blick auf das Konzept: altersgerechtes Wohnen ist das Schlagwort. Menschen jeden Alters soll ein möglichst selbstständiges Leben ermöglicht werden. Dafür sorgt auch die Einbindung des Pflegedienstes Verrus, der in dem Gebäudekomplex seine Geschäftsstelle und eine Tagespflege für den gesamten Stadtteil anbieten, aber auch für die Bewohner Dienstleistungen anbieten wird. Auch ein Nachbarschaftscafé soll es in dem Neubau geben. Quartiersmanagerin Maria Ohlig („Die Genossenschaft ist auch ein soziales Projekt, das pädagogische Wirkung gezeigt hat“) wird ihr neues Büro ebenso dort haben wie die Wogebe-Geschäftsstelle, die aus der Röntgenstraße umzieht.

Zu dem Ansinnen, trotz hoher Wohnqualität die Mietkosten niedrig zu halten, passt auch die große Solaranlage auf dem Dach. Dank ihr und dank eines Blockheizkraftwerks im Keller wird den Bewohnern in Kooperation mit den Stadtwerken ein günstiger Strompreis garantiert.

„Wir werden dank der integrierten Planung und einer seit 2013 bestehenden Zusammenarbeit mit unseren Architekten wie bei den beiden vorangegangenen Bauprojekten in der Thyrsusstraße voraussichtlich innerhalb der geplanten Kosten bleiben“, freut sich Geschäftsführer Schacherer über einen weiteren besonders wichtigen positiven Aspekt. Bei einer Grundstücksgröße von 3212 Quadratmetern, 2535 Quadratmetern Wohnfläche und 1135 Quadratmetern Gewerbe- und sonstiger Flächen wird das Bauprojekt 9,6 Millionen Euro kosten.

Foto: Rainer Neubert

Weitere Beiträge unserer Serie finden Sie unter: www.volksfreund.de/wohnen

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