Genuss ohne Reue garantiert

TRIER. Würstchen, Krumperschnietcher, Glühwein und Co. können ohne Bedenken verzehrt werden. Denn seit Jahren kontrolliert die Lebensmittelüberwachung die Stände auf dem Trierer Weihnachtsmarkt. Schwarze Schafe gibt es durch die lückenlose Arbeit kaum noch.

"Guten Morgen, Lebensmittelkontrolle." Mit diesen Worten stellen sich drei Herren in weißen Kitteln vor. Joachim Becker und Christian Keiser, Trierer Lebensmittelkontrolleure, beginnen gemeinsam mit dem leitenden Direktor des Veterinäramtes, Ludwig Roth, ihren jährlichen Rundgang über den Weihnachtsmarkt. "Die Grundhygiene auf dem Weihnachtsmarkt ist in Ordnung, wir haben mittlerweile eher eine beratende Funktion", erklärt Joachim Becker. Lebensmittelproben, die im Verdachtsfall im Chemischen Untersuchungsamt weiter überprüft werden, entnimmt er nur noch selten. Keine Ausnahmen von der Regel

Dem geschulten Auge der Prüfer entgeht nichts, Ausnahmen von der Regel gibt es nicht. "Nur bei ortsveränderlichen Betrieben, also Ständen bei Festen und Märkten, darf ein wenig improvisiert werden", sagt Becker. Das erlauben die Kontrolleure aber nur, wenn der Mindeststandard an Hygiene gewährleistet ist. Zusatzstoffe in Lebensmitteln müssen für den Verbraucher gut sichtbar angebracht sein, getrennte Handwaschbecken mit warmem Wasser sowie Seife und Desinfektionsmittel in der Bude installiert und die Fußböden und Wände bis in zwei Meter Höhe abwaschbar sein. Nach der ersten Inaugenscheinnahme gehen Becker, Keiser und Roth ins Detail. Sie interessieren sich dafür, wie und wo die Lebensmittel gelagert, vor- und zubereitet werden, welche Inhaltsstoffe auf den Verpackungen stehen. Danach zückt Becker sein Infrarot-Thermometer. Ein Blick verrät ihm, ob die Vorräte in den Kühlwagen und -schränken korrekt gelagert werden, Suppen und Soßen eine konstante Kerntemperatur zwischen 65 und 70 Grad haben und Fett zum Frittieren stärkehaltiger Produkte Temperaturen von 175 Grad wegen der Bildung des krebserzeugenden Stoffes Acrylamid nicht überschreitet. Ihre Aufgabe sehen die Lebensmittelkontrolleure in erster Linie darin, Verbraucherschützer zu sein. "Es gab schon Fälle, als nach Weihnachtsfeiern ganze Firmen krankheitsbedingt über Tage geschlossen werden mussten", erzählt Joachim Becker. Das sei nicht nur ein volkswirtschaftlicher Schaden. "Gerade bei Gefahren für die Gesundheit von Verbrauchern verstehen wir keinen Spaß", so der Kontrolleur. Nicht nur die Überprüfung der Budenbetreiber auf dem Weihnachtsmarkt oder anderen Volksfesten ist das Metier der Kontrolleure, die beim Ordnungsamt angestellt sind. Sie überprüfen auch Tabakerzeugnisse, kosmetische Produkte und Bedarfsgegenstände wie Kleidung oder Schmuck, Nahrungsergänzungsmittel und Bioprodukte. Dazu kommt noch die Kontrolle mittelständischer und großer Betriebe. Die erfolgt regelmäßig oder nach Anrufen von Verbrauchern, die verdorbene Ware gekauft oder verzehrt haben. Routinemäßig nehmen sie bei rund 200 Betrieben pro Jahr Kontrollen vor. Dabei werden sie von den Unternehmen selbst unterstützt, die sich einer Eigenkontrolle unterziehen, die sie dokumentieren und vorlegen. Während Becker und seine Kollegen aber sonst auch Bußgelder verhängen, ab und an Betriebe gänzlich schließen, sie über ihre Handys häufig Beschwerden entgegennehmen, fällen sie über den Trierer Weihnachtsmarkt ein positives Urteil. Seit Jahren besteht ein Austausch mit dem Weihnachtsmarkt-Veranstalter, den Vergnügungsbetrieben Oscar Bruch. Im Vorfeld finden Beratungsgespräche statt, damit sich die Standbetreiber etwa geänderten Hygienevorschriften anpassen können. "Es ist in unserem Interesse, die beste Lösung für den Verbraucher zu finden, und wir wollen keine schwarzen Schafe auf dem Weihnachtsmarkt haben", sagt Angela Bruch. Bis Weihnachten können die Besucher so noch die vielen angebotenen Leckereien - ob deftig oder süß - ohne Bedenken genießen. Fotos zum Trierer Weihnachtsmarkt auf SEITE 14