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Geplatzter Traum vom schnellen Internet

Geplatzter Traum vom schnellen Internet

Herber Rückschlag für die DSL-Wüsten-Abschnitte in Fell und Longuich: Die Deutsche Telekom löste die "Joint-Venture"-Verträge mit den Gemeinden unvorhergesehen auf. Statt einen Breitband-Ausbau zum Nulltarif zu erhalten, sollen die Gemeinden jetzt einige Tausend Euro zahlen. Telekom-Pressesprecher George McKinney begründet die Kündigung des Vertrags mit gesunkenen Investitionsmitteln des Unternehmens.

Fell/Longuich. Wer DSL hat, ist flott im Netz: Ein Klick und die Internetseite wird angezeigt. Wer kein DSL hat, muss viel Zeit haben. Teilweise dauert es Minuten, bis die gewünschte Seite auf dem Bildschirm erscheint. Greifbar nah war das Ende der Geduldsproben vor dem Computer und des Wettbewerbsnachteils in Fell und Longuich. Geschätzte 600 Haushalte und Firmen sollten dort Breitbandzugänge erhalten und damit gleiche Voraussetzungen wie viele Gemeinden in Deutschland haben.

Seit November 2008 liefen die Verhandlungen der beiden Moselgemeinden mit der Telekom. Im März wurde ein vielversprechender "Joint-Venture-Vertrag" abgeschlossen, in dem der kostenlose Ausbau der DSL-Infrastruktur unterzeichnet wurde. Doch der Traum vom schnellen Internet platzte. Die Anfrage von Longuichs Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder, wann die Gemeinden mit der Umsetzung rechnen könnten, wurde mit einer E-Mail quittiert. Darin stand, dass die Telekom von dem Vertrag zurücktrete. "Wir sind sehr enttäuscht", sagt Schlöder. Auch Rony Sebastiani, Ortsbürgermeister von Fell, macht keinen Hehl aus seiner Verärgerung. "Das Handeln der Telekom ist unverständlich und völlig konträr zur Planung der Bundesregierung, alle Haushalte bis 2010 mit DSL zu versorgen."

"Die Wirtschaftskrise geht nicht völlig an uns vorbei." Das sagte Telekom-Sprecher George McKinney auf TV-Anfrage. Weiter begründete er die Vertragsaufhebung mit den von der Bundesnetzagentur gesenkten Teilnehmer-Anschlussentgelten. Sie werden von den Wettbewerbern an die Telekom für die Nutzung der sogenannten letzten Meile bis zum Kunden bezahlt.

Und McKinney sagte: "Wir bauen dort aus, wo die Mitbewerber winkend vorbeifahren." Bei einem Marktanteil von knapp fünfzig Prozent der laufenden DSL-Anschlüsse, "kann man nicht für hundert Prozent des Ausbaus sorgen". Die Investitionsmittel seien niedriger als bei Vertragsabschluss.

Wie geht es in Fell und Longuich weiter? Mittlerweile haben wieder Verhandlungen stattgefunden. Das Ergebnis: Der Ausbau in Longuich soll knapp 90 000 Euro und in Fell rund 60 000 Euro kosten. "Es läuft bereits ein Interessen-Erkundungs-Verfahren", sagte Gerhard Spieles, Leiter des Fachbereichs Bauen der Verbandsgemeinde-Verwaltung Schweich. Das Verfahren ist die Voraussetzung, dass eventuell 60 bis 90 Prozent Fördermittel des Landes fließen. Danach geht es in die Ausschreibung. "Wir suchen auch gezielt nach Alternativen zur Telekom", sagt Kathrin Schlöder. Die Gemeinden wollten alles tun, um möglichst schnell die DSL-Versorgung zu sichern. "Sie ist immens wichtig, damit die ländliche Region mithalten kann", sagt Sebastiani. Seine Longuicher Kollegin meint: "DSL ist so wichtig wie vor 40 Jahren das Telefon."

Meinung

Kurzsichtiges Verhalten

Die Post steht auf der Leitung" hieß es in einer Fachzeitschrift von 1966. Damals durfte eine Staatsbehörde namens "Bundespost" als alleiniger Monopolist die Telefonstrippen ziehen. Doch telefonier- und zahlungswillige Kunden mussten meist ein Jahr und länger auf ihren Anschluss warten. Das war ärgerlich, alle schimpften auf den trägen Postbeamten-Apparat, aber dann standen eines Tages doch einige Herren mit gelben Posthornzeichen vor der Tür und erklärten: "Wir kommen, um Ihren Anschluss zu legen." Tja, die alte Bundespost und ihre Beamten - langsam ging‘s, aber man war zur flächendeckenden Versorgung verpflichtet und tat seine Beamtenpflicht. Auch wenn es mal dauerte. Die Abhängigkeit vom Netz ist heute größer denn je - für Geschäftskunden sogar überlebenswichtig. Doch heute betreiben Aktiengesellschaften die Telekommunikation. Das Konzerndenken scheint nur noch auf gute Quartalszahlen ausgerichtet zu sein. Dabei zählen auch einmalig anfallende Kosten in fünfstelliger Höhe - denn das summiert sich in deutschlandweiter Betrachtung. Langfristig ist dies eine kurzsichtige Betrachtung: Behindert werden sichere und dauerhafte Kunden in ländlichen Gemeinden. Verhindert wird der Aufbau eines modernen und kundenfreundlichen Kommunikationsnetzes - von dem auch der Konzern langfristig profitieren würde. f.knopp@volksfreund.de