Gerippe eines Mammut-Baus

TRIER. Der Nachbau des Neumagener Weinschiffs hat begonnen: Sechs Auszubildende der Handwerkskammer Trier fertigen mit ihrem Meister die 18 Meter lange Nachbildung des römischen Flussboots, das während der Konstantin-Ausstellung im nächsten Jahr gezeigt werden soll.

Imposant ragen die Enden der gebogenen Eichenholzspanten in die Luft. Ein bisschen sieht das aus wie das Gerippe eines Wals. Das Rückgrat - beziehungsweise den Kiel - bilden vier miteinander verzapfte Eichenstämme. Die Bäume dazu hat Bootsbauer Jörn Niederländer eigens im Gemeindewald von Neumagen-Dhron ausgesucht. "Die Stämme müssen gerade gewachsen sein", erklärt Thomas Sandner, Leiter der Ausbildungsbetriebe der Handwerkskammer (HWK) Trier. Boote oder gar Schiffe werden in den HWK-Werkstätten sonst nicht gefertigt. Bootsbauer Niederländer gehört auch nicht zum Ausbildungsteam, sondern unterstützt Tischlermeister und Schreiner Andreas Heine, der mit seinen sechs Auszubildenden im zweiten Lehrjahr die Mammut-Aufgabe angegangen ist: In zwölf Monaten soll das Neumagener Weinschiff - die im Moselort Neumagen-Dhron ausgegrabene steinerne Nachbildung eines für die Römerzeit typischen Moselschiffs - in Originalgröße nachgebaut werden. Die historische Rekonstruktion stammt von den Archäologen des Rheinischen Landesmuseums, das das Original beheimatet. Ein Holzmodell steht im Mainzer Schiffsbaumuseum. Den so genannte Schnurboden, ein Bauplan im Maßstab 1:1, hat Bootsbauer Niederländer, der an der holländischen Grenze wohnt, gefertigt. Von diesem Aufriss-Plan greifen die sechs Tischler-Azubis die Maße für das rund 18 Meter lange Ruderboot ab. 45 Spantenpaare müssen gefertigt werden, nur die 35 größten in der Mitte haben die gleichen Maße. Jedes Spant besteht aus zehn acht Millimeter dicken Lamellen, die die Azubis miteinander verleimen und in Form biegen müssen. "Das ist historisch nicht ganz korrekt", gibt Tischlermeister Heine zu. Die Römer drechselten die Spanten wahrscheinlich aus Massivholz. "Aber das wäre zu teuer und zu zeitintensiv gewesen", erklärt Projektleiter Sandner. Fertig sein soll das Boot, in dem 40 Ruderer Platz haben werden, zur Konstantin-Ausstellung im nächsten Herbst. Das Projekt hat ein Volumen von rund 400 000 Euro, davon leistet die HWK Arbeitsstunden im Wert von rund 200 000 Euro. Die Gemeinde Neumagen-Dhron stellt die 22 Kubikmeter Eichen- und Lärchenholz im Wert von rund 30 000 Euro zur Verfügung. Den Rest finanziert die EU. Am heutigen "Treffpunkt HWK", einem Tag der offenen Tür in den HWK-Gebäuden in der Loebstraße, kann der Schiffsbau ab 18 Uhr besichtigt werden. Der TV begleitet das einzigartige Projekt und stellt in loser Folge die Baufortschritte vor.