Geschäftsführer und Prokurist der Trier Tourismus und Marketing GmbH stellen sich Fragen und Vorwürfen

Geschäftsführer und Prokurist der Trier Tourismus und Marketing GmbH stellen sich Fragen und Vorwürfen

140 000 Euro im Plus - so stellte sich die Leitung der Trier Tourismus und Marketing GmbH (TTM) ihre Bilanz für 2015 vor. Stattdessen landete sie mit 190 000 Euro im Minus. Geschäftsführer Thomas Egger und Prokurist Hans-Albert Becker stellen sich Vorwürfen der Misswirtschaft und falschen Personalpolitik.

Der Tourismus ist einer der stärksten Trümpfe der Stadt Trier. Besuchergruppen von Losheim bis Peking, gefragte Stadtführungen in rauen Mengen, 4,5 Millionen Touristen pro Jahr - keine andere Statistik der chronisch klammen und immer hoch verschuldeten Stadt liest sich so angenehm. Die neu geschaffene Trier Tourismus und Marketing GmbH (TTM) löste 2014 den seit Jahrzehnten aktiven Verein Tourist-Information Trier als zentrale Institution des Fremdenverkehrs in Trier ab.

Doch vielen Erfolgsmeldungen und erfolgreichen Projekten zum Trotz, darunter die starke Veranstaltungsreihe Porta hoch drei, hat die TTM im Jahr 2015 ein Defizit von 190 000 Euro erwirtschaftet (der TV berichtete). Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Kulturdezernent Thomas Egger (beide SPD) machten dieses Ergebnis öffentlich.

Ehemalige und aktive Stadtführer, Gastronomen, erstaunte Trierer und tatsächlich auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung melden sich in der Redaktion. Sie alle stellen sich eine gemeinsame Frage: Fast 200 000 Euro in den Miesen - wie ist das möglich?

Ein Stadtführer packt aus. "Die TTM erhält pauschal 30 Euro von jeder Stadtführung. Allein das ist doch eine sehr stattliche Summe. Dazu kommen Rundgänge, Rundfahrten und Erlebnisführungen. Wo geht all das Geld denn hin?" Ein weiterer Stadtführer glaubt, die Antwort auf diese Frage zu kennen. "Mit 40 Mitarbeitern ist die TTM doch total überbesetzt. Der Laden würde locker auch mit der Hälfte dieses Personals laufen." Keiner der beiden will seinen Namen in der Zeitung lesen. 125 Stadtführer sind zurzeit in und für Trier aktiv.

Thomas Egger ist Kulturdezernent und noch bis Jahresende Geschäftsführer der TTM. Hans-Albert Becker ist einer der beiden Prokuristen und ein Veteran im Trierer Tourismus. Beide sind mächtig sauer, man sieht es ihnen an. Sauer über die Minusbilanz - und vor allem sauer auf die Urheber solcher Vorwürfe.

Dennoch sind diese offenbar nicht völlig aus der Luft gegriffen. "Es ist korrekt, dass die TTM 30 Euro pro Stadtführung erhält", bestätigt Becker, der seit 25 Jahren für die Trierer Tourismusbranche arbeitet. Ein Stadtführer erhält von seiner Gruppe in der Regel 90 Euro für eine deutschsprachige und 100 Euro für eine internationale Touri-Tour und muss jedes Mal 30 Euro davon an die TTM abtreten. Becker: "Wir bieten jährlich rund 7500 Stadtführungen an, davon 6200 an Touristengruppen." Das macht 225 000 Euro - nur von den Stadtführern. Die TTM erhält ein Zuschussvolumen von 2,1 Millionen Euro pro Jahr von der Stadt, ihre Bilanzsumme liegt bei vier Millionen Euro. Die Gesellschaft verfügt über 38 volle Stellen. Die Personalkosten liegen bei 1,4 Millionen Euro pro Jahr. "Es summiert sich halt", sagt Becker. "Doch es ist natürlich Unsinn, von einer Überbesetzung zu sprechen. Allein in der Touristik arbeiten 19 Mitarbeiter, davon sind acht immer am Counter in der Simeonstraße."

Thomas Egger betont: "Wäre alles planmäßig gelaufen, wäre die TTM sechsstellig im Plus gelandet." Doch vieles lief schief, vor allem in der Buchhaltung. Riesige Mengen an gesammelten Urlaubstagen und Überstunden mussten mit Rückstellungen aufgefangen werden. "Es gab Verfehlungen, Anweisungen wurden nicht beachtet", sagt Egger. "Es gab arbeitsrechtliche Konsequenzen, außerdem haben wir umorganisiert." Leistungen und Forderungen der Gesellschaft seien falsch verbucht worden. "Wir hoffen, dass das einmalige Effekte waren und es ab jetzt wieder aufwärts geht. In der Bilanz 2016 soll es keine Korrekturen mehr geben."Meinung

Trier braucht einen Profi
Der Tourismus in Trier braucht einen Profi an der Spitze, der sich zu 100 Prozent und mit voller Konzentration um dieses Geschäft kümmern kann. Schon mit der Gründung der TTM im Jahr 2014 hätte diese Position geschaffen werden müssen. Der Dezernent als allgegenwärtiger und überall verantwortlicher Multi-Chef ist dagegen ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Auch und gerade die öffentliche Hand braucht an entscheidenden Stellen keine Verwaltungsfürsten, sondern erfahrene Profis, die den Markt und das Geschäft kennen und beherrschen. Es ist genau die richtige Entscheidung, einen solchen Profi für die TTM zu suchen. j.pistorius@volksfreund.de