Geschenkt: Die Eurener Straße

Geschenkt: Die Eurener Straße

TRIER-EUREN. Mit einem festlichen Gottesdienst ist die Kirmes im Stadtteil Euren eröffnet worden. Bei den folgenden Ansprachen auf dem Kirchenvorplatz wurde – aus gutem Grunde – auf die üblichen Beschwerden an den Oberbürgermeister verzichtet.

Die Eurener Kirmes findet zwar zu Ehren der Heiligen Helena, der Namenspatronin der Kirche, statt, aber auch Petrus meint es gut: Er schickt zwar einen kurzen, heftigen Schauer, aber gnädigerweise während des vom Kirchenchor festlich umrahmten Gottesdienstes. Als die Gemeinde das Gotteshaus verlässt, zeigt sich der Himmel in schönstem Blau. Auf dem Vorplatz wird die Gemeinde schon erwartet. Musik- und Männergesangverein empfangen die Eurener und ihre Gäste schon zur feierlichen Eröffnung. Die erste Ansprache hält Werner Götz, der als Vorsitzender des Kulturrings die vielen Honoratioren von Stadt und Gemeinde begrüßt, sich bei Pastor Franz Josef Hohn für die schöne Messe und bei den vielen Sponsoren für ihre Unterstützung bedankt und dann ankündigt, dass dieses Jahr einiges anders sein wird. Die Gemeinde lacht schon, denn viele wissen, worauf er anspielt: Die üblichen Beschwerden Richtung Stadtverwaltung sollen dieses Mal ausfallen. Nun ja, fast ausfallen. Einen Seitenhieb muss Götz doch loswerden. Er macht seinem Unmut darüber Luft, dass die Stadt es nicht ermöglichen konnte, für Feuerwehrfest auf dem Messegelände und Eurener Kirmes verschiedene Termine zu finden. Schließlich sei so eine Kirmes auch eine teure Veranstaltung. "Wie sollen wir das wiederholen, wenn die Einnahmen wegbrechen?" Auch Pastor Hohn richtet noch einige Worte an die Gemeinde, dann ergreift Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz das Wort. Er begrüßt Oberbürgermeister Helmut Schröer. Da dessen Amtszeit am 31. März 2007 endet, sei er zum letzten Mal in dieser Funktion bei einer Kirmeseröffnung dabei. "18 Jahre ist es nun schon üblich, bei dieser Gelegenheit darauf hinzuweisen, wie viel man den Eurenern versprochen hat, und wie viel davon nicht gehalten wurde. Besonders OB Schröer hat in den letzten Jahren viel anhören müssen." Doch endlich wurde einmal gehalten, was jahrelang nur versprochen wurde: Der Ausbau der Eurener Straße wurde in Angriff genommen. "OB Schröer hat das quasi zur Chefsache erklärt. Er war selbst in Mainz und hat die Gelder locker gemacht. Wahrscheinlich hatte er Angst, wieder hier zu stehen und sich unsere Beschwerden anzuhören." Während dieser Worte steht Schröer ganz "unauffällig" daneben, wippt auf den Füßen, schaut interessiert in den Himmel, um die Wetterlage einzuschätzen und streicht sich immer wieder um das Kinn, wohl um die Qualität seiner Rasur zu überprüfen. Oder vielleicht doch, um ein verschmitztes Grinsen zu verstecken? Denn dieses tritt dann zu Tage, als Schmitz ihm das Dankeschön der Eurener überreicht. "Wir haben beschlossen, unserem OB symbolisch die Eurener Straße zu schenken." Und aus dem Geschenkpapier zaubert Schröer dann ein großes Schild hervor: "Eurener Straße". Darunter klein: "Ein Dankeschön unserem OB Helmut Schröer - Die Eurener Bürgerschaft Anno 2006/7". Schröer muss denn auch zugeben, dass es in den letzten Jahren immer so war, dass die Kollegen im Stadtrat auf die Frage, wer denn zur Kirmeseröffnung ginge, regelmäßig unter den Tisch rutschten. "Immer musste ich zur öffentlichen Beschimpfung antreten."Heute und am Donnerstag wird weiter gefeiert

Dabei hielte er große Stücke auf die Eurener. "Ihr Vereinsleben zeigt, dass Euren lebt. Mit Ihrer Arbeit - auch der Arbeit, eine Kirmes zu organisieren - leisten Sie einen großen Beitrag nicht nur für ihre Gemeinde, sondern für die ganze Stadt. Aber unser Kulturringleiter denkt jetzt sicher: ‚Schwätz nicht so viel, rück den Scheck raus!'" Ein Umschlag wechselt den Besitzer, und dann darf gefeiert werden: "Auf zur Kirmes", ruft Werner Götz. "Leute, macht Umsatz!" Dieser Aufforderung wird gerne nachgekommen. Götz' Befürchtungen scheinen unbegründet: Die Besucher kommen in Scharen, essen und trinken und genießen die Live-Musik der bayerischen Band "Aischzeit", die eindrucksvoll demonstriert, dass volkstümliche Musik durchaus modern sein kann. Bis heute geht die Kirmes. Und wer bis Montagabend nicht die Gelegenheit findet, einmal vorbeizuschauen, kann von einer einzigartigen Eurener Spezialität profitieren: Alle Buden, Karussell und Bühne öffnen noch einmal am kommenden Donnerstag zur "Nachkirmes" für Nach- und Noch-einmal-Kommer.

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