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Geschichte des Weinbaus in der preußischen Rheinprovinz

Weinbau-Geschichte : Trier, Preußens heimliche Weinhauptstadt

Daniel Deckers’ Liebe ist der Wein und dessen Geschichte. Der Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) hat jüngst auf Einladung der Europäischen Akademie für Wein und Kultur die Geschichte des Weinbaus in der preußischen Rheinprovinz nachgezeichnet. Rund 100 Zuhörer waren zu dem Vortrag in die Staatliche Weinbaudomäne Trier gekommen.

Geschichte des Weinbaus in der preußischen Rheinprovinz
Foto: Friedemann vetter (Ve._), Friedemann Vetter ("TV-Upload vetter"

Trier. Als den Preußen nach den Befreiungskriegen auf dem Wiener Kongress etliche Territorien im Westen des Deutschen Reichs zugeschlagen wurden, war die Region Trier schon vom Weinbau geprägt. Bald interessierte man sich auch in der preußischen Hauptstadt Berlin für das Thema. Denn die Franzosen hatten während ihrer 20-jährigen Regierungszeit, die 1815 endete, die Feudalherrschaft aufgehoben, den Zehnt abgeschafft, mit dem Code Civil moderne Gesetze eingeführt und erstmals den linksrheinischen Raum kartographiert.
"Mit Preußen entstand aber auch ein neuer Markt für die Winzer", sagt Daniel Deckers. Hatten Zollschranken an Mosel, Saar und Ruwer bis zum Aufbau der Rheinprovinz noch den Export von Wein behindert, wuchs der Markt plötzlich rasant. Neue Absatzwege in Richtung Osten öffneten sich.
Aber schon bald bildete sich eine Weinblase. Die Winzer hatten ihr Kapital in Weinberge investiert und waren hochverschuldet, als die Konkurrenz aus Rheinhessen ab Ende der 1820er Jahre ebenfalls auf den Markt drang.
Karl Marx berichtet schließlich 1843 in der Rheinischen Zeitung vom Elend der Moselwinzer. Da die Preußen die Steuerschraube angezogen hatten, verloren viele Weingutsbesitzer Hof und Weinberge - auch weil die klimatischen Voraussetzungen gegen Ende der Kleinen Eiszeit, zirka 1850, für Weinbau in der Region nicht ideal waren.
Viele Menschen wanderten in dieser Periode nach Amerika aus, wie etwa der Sozialtheoretiker und Wegbereiter der Nasszuckerung, Ludwig Gall, der später wieder in die Rheinprovinz zurückkehrte. Der industrielle Fortschritt lässt im Raum Trier auf sich warten. Im engen Moseltal fühlen sich die Menschen vergessen.
Der Bau einer Eisenbahnlinie nach Koblenz wurde zunächst abgelehnt; weil die preußische Regierung die Strecke für unrentabel hielt. Erst als sie nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 militärstrategische Bedeutung bekam, wurde Trier ans Eisenbahnnetz im Reich angekoppelt. Damit verbesserte sich auch wieder die wirtschaftliche Lage der Winzer.
Trier entwickelte sich in der Folge - so Deckers - zur "heimlichen Weinhauptstadt" im Deutschen Reich. Gute Jahrgänge förderten die Nachfrage nach rassig-fruchtigen Weinen von der Mosel. Gerade das Bürgertum schätzte diese Stilistik. Doch es drohten neue Probleme: Die Wurzelreblaus machte sich von Frankreich aus in Europa breit. Die große Katastrophe konnte an Mosel, Saar und Ruwer verhindert werden - auch weil die Preußen vom lothringischen Metz aus die Verbreitung des Schädlings bremsen konnten.
Traben-Trarbach war in dieser Zeit einer der wichtigsten Handelsplätze für den Moselwein. Mit der Gründung der Staatlichen Weinbaudomäne im Avelsbacher Tal mit Weinbergen in Ockfen und Serrig Ende des 19. Jahrhunderts entstand ein Modellbetrieb, der moderne Anbaumethoden förderte und erforschte.
In Trier wurde 1901 der Große Ring, Mitbegründer des Verbands der Deutschen Prädikats- und Qualitätsweingüter (VDP), gegründet. Die Weinversteigerungen lockten jedes Jahr die Händler an die Porta Nigra. So wollten die Winzer auch verhindern, dass Moselwein unter falschen Label vermarktet wird, denn der Etikettenschwindel war damals schon ein Problem.
Trotz Weltkrieg zählen die Jahrgänge 1915 und 1917 zu den besten des 20. Jahrhunderts. So heißt es über den 15er-Jahrgang in der Festschrift der Kasinogesellschaft Saarburg zum 100. Gründungstag 1929: "Äußerst günstiger Sommer, sehr große Ernte (circa ein Fuder auf 1000 Stöcke). Sehr guter Wein." Und zum 17er-Jahrgang knapp: "Reichliche Ernte an gutem Wein."
"So gut wie alle Winzer waren nach dem Ersten Weltkrieg schuldenfrei", sagt Deckers. Danach brach der Handel teilweise zusammen. Die Einführung einer Weinsteuer konnten die Winzer wieder rückgängig machen. Und bis zur Auflösung der Provinzen des ehemaligen Landes Preußen im August 1946 ging es dem Weinbau an Mosel, Saar und Ruwer laut Deckers weiter gut.