GESCHICHTE

Zur Berichterstattung über die geplante Umbenennung der Hindenburgstraße in Trier:

Aus meiner Sicht wird die Diskussion um die Umbenennung der Hindenburgstraße zu knapp geführt. Natürlich hat der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler im Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt und damit unglücklicherweise das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte eingeleitet. Aber es stimmt auch, dass er den "Führer" eigentlich nicht wollte, waren die Nazis doch schon seit Juli 1932 stärkste Partei, und das in freien demokratischen Wahlen. Die Diskussion um Hindenburg wurde bisher ausschließlich um diesen Punkt geführt. Dabei hat, und darauf verwiesen kürzlich dankenswerterweise auch andere Leserbriefe, Hindenburg mehr zu bieten. Nun bin ich auch der Meinung, dass Hindenburg kein geeigneter Namensgeber ist. Alleine seine Rolle bei der Dolchstoßlegende, also dass auch er die Legende verbreitete, dass die Schuld der Niederlage im Ersten Weltkrieg bei den Novemberrevolutionären liegt und weniger in der militärischen Niederlage. Ich finde es viel interessanter, dass man diese Diskussion nun erst knapp 70 Jahre später führt. Wer hat all die Jahrzehnte an dem Held von Tannenberg, Kriegsheld und Monarchist als Namensgeber festgehalten? Nun beweist eine Hindenburgstraße in Trier auch, dass man die Gefahren und Verführungen der Geschichte nicht vergessen darf. Ein solches Zeugnis ist unter Umständen sicher wertvoller als Geschichtsklitterung. Johannes Meyer, Speicher