GESCHICHTE

Zur Themenseite über den 100. Jahrestag der Moselbrücken-Eröffnung durch Namensgeber Kaiser Wilhelm II. in Trier (TV vom 14. Oktober):

Hier einige Erinnerungen einer alten Dame, die sie mir kurz vor ihrem Tod 1998 anvertraute. Sie wurde 1902 als vierte Tochter einer gutbürgerlichen Familie geboren. Der Sonntagsausflug ihrer ganzen Familie führte meist zu Fuß die Mosel entlang. In Zurlauben wurde mit der "Ponte" (Fähre) übergesetzt und dann durch den Wald zum Kockelsberg gewandert - und zurück. Als der Kaiser 1913 zur Einweihung der neuen Brücke nach Trier kam, führte sein Weg durch festlich geschmückte Straßen. An beiden Straßenseiten sollten weiß gekleidete Mädchen stehen, jubelnd und Fähnchen schwingend. Damals, in nicht so wohlhabenden Zeiten, hatten nur die wenigsten Mädchen weiße Kleider, meist nur die so genannten "höheren Töchter". Eine von ihnen, jene damals elfjährige Dame, stand weiß gekleidet und jubelnd mit am Straßenrand. Es gab aber nicht genug von ihnen. Also wurde die ganze Schar, sobald der Tross des Kaisers vorbei gefahren war, auf einen Wagen geladen und schnell zur übernächsten Straße gebracht und dort erneut aufgestellt. Dazu sagte die Dame (später Juristin und Landgerichtsdirektorin in Trier), schon als Kind habe sie dabei gedacht, dass "hier der Kaiser ganz schön betrogen wird". Evamarie Bode, Trier