1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Geschichtsträchtiges Terrain vor dem fünften Meilenstein

Geschichtsträchtiges Terrain vor dem fünften Meilenstein

"Ehrang, Pfalzel, Biewer - alles ein Kaliewer" reimt der Volksmund scherzhaft und unter Missachtung der Rechtschreibung. Tatsächlich dürfen diese drei Stadtteile für sich in Anspruch nehmen, etwas Besonderes zu sein. Vor allem Ehrang mitsamt Quint. Dort bestanden schon vor der Gründung Triers Siedlungen.

Trier-Ehrang. Von all den gut 100 Trierer Bischöfen seit Eucharius (um 250) gilt Milo (Amtszeit 715 bis 753) als einer der am meisten verhassten. Machtlüstern und korrupt soll der Oberhirte gewesen sein und sich privat an Kirchenbesitz bereichert haben, ganz zu schweigen von seinem sehr weltlichen Lebenswandel. Alle Versuche, ihn zu mäßigen, schlugen fehl. Da spielte ein Keiler Schicksal, den Milo im Meulenwald jagte. Das Wildschwein tötete seinen Jäger, als dessen Pferd stürzte.
So berichten die mittelalterlichen Aufzeichnungen "Gesta Treverorum" ("Die Taten der Trierer"). Milos Ende ist zugleich eine Art "Geburtsstunde" für Ehrang, denn der Gewaltherrscher starb und wurde bestattet in Yranc, wie der Vorort nördlich von Trier damals hieß und dessen Existenz damit fürs 8. Jahrhundert überliefert ist. Die erste urkundliche Erwähnung der Kirch von Yranch, wie es inzwischen heißt, datiert aus dem 11. Jahrhundert: Es handelt sich um die Neuschrift einer Urkunde von 973, in der Erzbischof Theoderich die Ehranger Kirche dem nach dem Normannensturm von 882 wieder aufgebauten Trierer Kloster St. Marien ad Martyres überträgt. Tatsächlich aber sind Ehrang und die Kirchengemeinde St. Peter deutlich älter. Schon vor der Eroberung Galliens durch Julius Cäsar (58 bis 50 v. Chr. existierte in verkehrsgünstiger Lage nahe der Kyllmündung eine keltische Siedlung.
Zur Römerzeit behielt Ehrang seine Bedeutung als Brücken- und Straßenort. Davon zeugen der Ortsname Quint (abgeleitet vom fünften Meilenstein) und eine Vielzahl archäologischer Funde wie römische Gräber oder Fundamente von Villen. Vieles deutet darauf hin, dass das Gebiet von Ehrang und Quint seit mehr als zwei Jahrtausenden durchgehend besiedelt ist.
Auf Initiative von Kurfürst Balduin erteilte König Karl IV. Ehrang 1346 das Stadtrecht, das allerdings durch Privilegien Balduins eingeschränkt blieb. Dessen Motiv war der Ausbau seiner landesherrlichen Autorität auf Kosten der rebellischen und nach Unabhängigkeit strebenden Stadt Trier. Es handelte sich um ein Sammelprivileg für mehrere Orte. Es gab keine gesonderte Erklärung für Ehrang, das trotz Stadtrechts nicht über den Rang eines Marktfleckens hinauskam und bis zum Ende des Trierer Kirchenstaates (1794) seine landwirtschaftlich geprägte Struktur behielt. Die "Beförderung" zur Stadt brachte aber auch Vorteile: Ehrang erhielt neben seinem Marktrecht eine ringförmige Befestigungsmauer und eine bessere Straßenanbindung. Die etwa einen Kilometer lange und bis zu fünf Meter hohe Ringmauer aus Sandstein umschloss eine Fläche von rund acht Hektar und ist bis heute großteils erhalten.Widerwillig eingemeindet


Allerdings innerörtlich, denn die Siedlung wuchs im 19. Jahrhundert über die beengende Mauer hinaus. Weiterer Effekt der Stadtrechts-Verleihung war 1480 die Gründung der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Ehrang, des ältesten örtlichen Vereins. Ehrangs Industriezeitalter begann 1683 mit der Gründung des Quinter Eisenwerks durch Jean de Thiere und Franz von Pidoll. Ab 1870 entwickelte sich Ehrang-Quint zum Eisenbahnknotenpunkt, an dem die Linien Köln-Trier und Koblenz-Perl zusammentrafen. Durch den Bau des großen Rangier- und Verschiebebahnhofs änderte sich der Charakter des einstigen Landfleckens nachhaltig. Die Gemeinde dehnte sich aus, Anfang des 20. Jahrhunderts entstand die Eisenbahnersiedlung Bahnhof Ehrang.
Seit 1815 war Ehrang eigenständige Gemeinde in der Bürgermeisterei Pfalzel und ab 1861 deren Verwaltungssitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst getrennt, schlossen sich Ehrang und Pfalzel 1968 zu einer Großgemeinde zusammen, konnten aber die Eingemeindung nach Trier am 7. Juni 1969 nicht verhindern.
Morgen in unserer Stadtteiltour: Ortsvorsteher Günther Merzkirch im TV-Interview.