Gestatten: Marx und Raiffeisen

Gestatten: Marx und Raiffeisen

Gute Stimmung bei der Volksbank: Die Vertreterversammlung in der Europahalle wird zur Feier eines erfolgreichen Geschäftsjahres.

Trier Wer sagt denn, Juristen hättem in ihren Vorträgen keinen Raum für Humor? Norbert Feder, Rechtsanwalt und Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Trier, präsentiert das Fazit der gesetzlichen Prüfung während der jährlichen Vertreterversammlung am Montagabend vor rund 240 Stimmberechtigten in der vollen Europahalle. "Ich muss Sie wieder einmal quälen", sagt er dabei und verliest das Fazit des vom Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverband verfassten Prüfungsberichts: Alles gut, die Zahlen stimmen ebenso wie die Strukturen und Methoden.
Und dann fügt Feder völlig trocken hinzu: "Sollte jemand auf die komplette Lesung des Prüfungsberichts bestehen, halte ich hier mal drohend ein Exemplar in die Höhe." Der Ordner in seiner Hand ist ziemlich dick. Die versammelten Vertreter schmunzeln, niemand hebt die Hand. Das Fazit reicht völlig aus.
Es ist trotz schwieriger Zeiten für das Bankgeschäft ein Abend der generell guten Nachrichten. Die Fusion der Volksbanken Trier und Hochwald-Saarburg sei erfolgreich verlaufen und komplett abgeschlossen, die Bilanzsumme stieg 2016 um 7,3 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Die Dividendenausschüttung wird ebenso wie im Geschäftsjahr 2015 bei vier Prozent liegen, das beschließt die Vertreterversammlung einstimmig.
Erste Zahlen des Jahres 2016 hatte die Volksbank Trier bereits Mitte März in ihrer Bilanzpressekonferenz präsentiert (der TV berichtete). Die beiden Vorstände Norbert Friedrich und Alfons Jochem werden von der Versammlung mit einer einstimmigen Entlastung belohnt.
Jochem landet schnell bei einem seiner Spezialthemen - der Europäischen Zentralbank (EZB) und ihrer Zinspolitik. "Eine Zinswende ist dringend notwendig und überfällig." In Sicht sei sie jedoch nicht. Sein Vortrag endet optimistisch. "Wir rechnen auch 2017 mit einem guten Betriebsergebnis."
Die Volksbank Trier bringt ihren Vertretern auch andere Blickwinkel mit. Wie hoch ist die Wertschöpfung der Volksbank Trier für die Region? Der Vorstand berichtet: 9,1 Millionen Euro wurden als Gehälter an die Mitarbeiter ausgezahlt, die ihrerseits dann knapp drei Millionen Euro an Steuern weitergaben.
Die Steuerlast der Volksbank Trier liegt bei 3,2 Millionen Euro. Die bereits erwähnte Dividendenzahlung an die Mitglieder wird 922 000 Euro betragen, dazu kommt die Förderung sozialer, kultureller und sportlicher Projekte in Höhe von 228 000 Euro.
2018 wird das große Jahr des Karl Marx in Trier. Die ihm gewidmete Ausstellung startet am 5. Mai, seinem 200. Geburtstag. Die Volksbank verweist darauf, dass 2018 auch eine zweite große Persönlichkeit 200 Jahre alt wird. Der Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen, 1818 in Hamm geboren, gilt als Gründer der Genossenschaften. Der Trierer Karikaturist Johannes Kolz hat der Volksbank dazu einen Cartoon gezeichnet. Das Motto mit einem Augenzwinkern: Bitte 2018 nicht nur an Karl Marx denken.