Gesucht, gefunden und bald gerettet

Gesucht, gefunden und bald gerettet

Er hat in einem Keller gestöbert und einen Zufallsfund gemacht: Hanspitt Weiler ist auf die Clubfahne des aufgelösten Männergesangvereins Trier-Heiligkreuz gestoßen. Die befindet sich in desolatem Zustand. Weiler will sie restaurieren lassen und hofft dabei auf Spender, vielleicht auch aus den Reihen der Ex-Mitglieder.

Trier-Heiligkreuz. In den kommenden Tagen finden alle Heiligkreuzer spezielle Postkarten in ihren Briefkästen: Darauf sind Abbildungen eines Stoffrelikts, das wie der Verein, der es 1903 als Vereinsfahne geweiht hat, Geschichte ist: ein Stück brüchiger Geschichte. Denn der Stoff löst sich langsam auf - die Vereinsfahne des Männergesangvereins Trier-Heiligkreuz lag jahrelang ungenutzt und ungeschützt in einem Keller.
Dort hat sie der Heiligkreuzer Hanspitt Weiler nun aufgespürt und will sie mit Hilfe von mindestens 50 Unterstützern, die bereit sind, jeweils 40 Euro zu spenden, restaurieren lassen und so für die nächste Generation retten. "Solche Dinge soll man nicht dem Verfall preisgeben", sagt Weiler. Er selbst sei zwar nie Mitglied im Verein gewesen, wohl aber sein Vater, der oft mit Hans pitt als Kind an der Hand zum Singen gegangen sei. "Es hat kaum eine öffentliche und kirchliche Veranstaltung gegeben, an der der Verein nicht mitgewirkt hätte. Er hat das Leben im Stadtteil mitgeprägt." An diese Geschichte will Weiler erinnern. Am 30. April 1900 haben sich sangesfreudige Heiligkreuzer in der Gaststätte Fusenig (heute Zum alten Brauhaus) - auf Jahrzehnte das Vereinslokal der Sänger - zusammengefunden und den Sänger-Club Heiligkreuz gegründet. Damals war Heiligkreuz noch eigenständige Gemeinde. Es wurde erst 1911 Trierer Stadtteil, und der Club nannte sich in MGV Trier-Heiligkreuz 1900 um. Der Verein war auch 1967 der Veranstalter für das erste Heiligkreuzer Heimatfest, bei dem wie in den Folgejahren eine Hopfenkönigin regierte - Heiligkreuz war bis Anfang der 1980er Jahre Standort der Caspary-Brauerei. 1991 legte der MGV zum letzten Mal das Heimatfest auf - unter anderem mit Auftritten von Roy Black und der Spider Murphy Gang. Im Jahr 2000 stieg noch einmal eine Riesensause: die 100-Jahr-Feier. Am 3. Februar 2006 folgte schließlich das Ende: Der Verein löste sich auf.
Die wiedergefundene Fahne versteht Weiler als "Verbindungsglied zwischen den Menschen", die dafür sorgten, dass "Gemeinsamkeiten entstehen", sagt er. Er bedauert, dass der Verein nicht noch als inaktive Gruppe weiter bestehe. Ein Fingerzeig, dass er dieses Stück Heiligkreuzer Geschichte bewahren muss, ist, dass er die Vereinsfahne 110 Jahre nach deren Weihe gefunden hat. Er hat sie von einer Fachfirma untersuchen lassen, die bescheinigt, dass der Stoff zu retten ist. Auch die Fahnenstange muss aufgearbeitet werden. Findet Weiler genügend Mitstreiter und ist die Restaurierung erfolgt, wünscht er sich einen würdigen Aufbewahrungsort - dabei denkt er zum Beispiel an die Pfarrkirche. Die Spender will er auf einem Spenderband aufführen lassen. Eventuell will Weiler die MGV-Fahne auch beim Heiligkreuzer Weihnachtsmarkt am 7. Dezember ausstellen, wo er zugunsten der Restaurierung Glühviez verkaufen will.
Auf einer Seite der Fahne ist Cäcilia, die Patronin der Kirchenmusik, zu sehen. Auf dem Spruchband um die Darstellung steht: "Maenner Gesang Verein Heiligkreuz Heil.: Caecilia Bitte Für Uns!" Auf der anderen Seite ist eine historische Szene dargestellt, als Helena, Kaiser Konstantins Mutter, im Heiligen Land das Kreuz Jesu gefunden und der Bischof von Jerusalem, Macarius (Makarios), es identifiziert haben soll. Auf der Fahnenrückseite steht: "Die Auffindung des heil. Kreuzes durch die heil. Helena in Gemeinschaft des heil. Bischof Macarius".
Wer mit Hanspitt Weiler die Fahne vor der Zerstörung retten will, kann mit ihm Kontakt aufnehmen: Hanspitt Weiler, Telefon 0176/23931116, E-Mail an
hanspitt@web.de