Gesucht: Potenter Investor mit Trier-Sinn

Gesucht: Potenter Investor mit Trier-Sinn

Im Hof neben dem Frankenturm entsteht vorerst kein Neubau: Weil sich das Familienunternehmen Poss von seinem Erweiterungs-Vorhaben verabschiedet hat, sucht die Stadt nun einen anderen Investor. Als Interims-Lösung bietet sich eine gastronomische Nutzung der Fläche an.

Trier. Es ist das Ende einer scheinbar unendlichen Geschichte. Über 15 Jahre zogen sich die Gespräche der Familie Poss mit der Stadt über ein Bauprojekt auf dem Hof neben dem Frankenturm hin. Jetzt erklären die Possens die Verhandlungen für beendet: "Wir konnten uns nicht mit der Stadt einigen", begründet Orthopädie-Schuhmachermeister Guido Poss den Rückzieher.

Biergarten als Zwischenlösung?

Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani will diese Einschätzung "nicht weiter kommentieren", sondern richtet den Blick nach vorn. Das scheint auch nötig, denn nun geht es in Sachen Frankenturm-Umfeld wieder von vorne los.

Vor ein, zwei Jahren hatte alles noch sehr vielversprechend ausgesehen. Während der Denkmalrettungs-Verein Trier-Gesellschaft den 900 Jahre alten Frankenturm innen ausbaute und endlich nutzbar machte, konkretisierten sich die Pläne zum Bau eines Wohn- und Geschäftshauses auf dem Nebenhof. Damit glaubte die Stadt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können: Zum einen eine städtebauliche Problemzone strukturieren und zum anderen aus dem Erlös des Grundstücksverkaufs die öffentlichen Flächen rund um den Frankenturm präsentabel herrichten und das bedeutende Mittelalter-Denkmal quasi "auf dem Tablett servieren", wie es der damalige Baudezernent Peter Dietze formulierte. Bis der Turm auf dem "Tablett" steht, wird noch viel Wasser die Mosel hinunterfließen. Erst muss einmal ein neuer Investor gefunden werden. "Wir werden das Grundstück ausschreiben", kündigt Dietze-Nachfolgerin Kaes-Torchiani an. Geboten wird ein Areal, auf dem sich in viergeschossiger Bauweise rund 500 Quadratmeter Netto-Flächen erzielen lassen. Das Spektrum der Nutzungsmöglichkeiten reicht von Wohnungen über Geschäfts- und Büroräume bis hin zu Hotellerie und Gastronomie.

Gesucht wir laut der Baudezernentin "ein potenter, sensibler und kreativer Investor mit Trier-Sinn, der die Qualität des Ortes zu schätzen weiß und sich in der Architektursprache mit der Umgebung auseinandersetzt".

Der Wunsch nach Kreativität und Trier-Faible liegt nicht zuletzt in der Besonderheit des Grundstücks begründet. Unter einem Teil der Baufläche erstreckt sich ein mittelalterlicher Keller, darüber stehen denkmalgeschützte Mauerreste.

Dafür ist aber der turmartige Anbau, den Architektur-Professor Dieter Georg Baumewerd (Münster) als modernes Pendant zum Frankenturm vorgeschlagen hatte, vom Tisch. "Nein, der Turm-Bau ist kein Muss", stellt Simone Kaes-Torchiani klar, räumt aber auch ein, es könne durchaus "zwei, drei Jahre dauern", bis Bauarbeiter endlich zur Tat schreiten können. So lange wolle die Stadt die derzeitige Hinterhof-Tristesse aber nicht andauern lassen. Denkbar sei, die Hoffläche provisorisch herzurichten und vorübergehend gastronomisch zu nutzen. In Kürze soll ein Gespräch mit Oliver und Erika Sauer stattfinden. Eine naheliegende Lösung: Das den Sauers gehörende "Hotel-Restaurant Frankenturm" grenzt unmittelbar an den Hof.