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Gesucht wird ein Weg durch die Baracken

Gesucht wird ein Weg durch die Baracken

Einige mögen zwar abgerissen worden sein. Doch für den Großteil der Einsender ist das Fundstück aus dem Archiv des Trierischen Volksfreunds aus der vergangenen Woche keine zu schwere Hürde gewesen. Das neue Bild dürfte hingegen schwerer zu verorten sein.

Trier. Es ist zwar eine ganz andere Ecke. Doch irgendwie ist Trier dann doch nur ein wenn auch ziemlich großes Dorf. Und deshalb gibt es Verbindungen zwischen der Fotografie der Notkirche von St. Valerius und dem Suchbild der vergangenen Woche. Nahezu alle Einsender haben richtig erkannt, dass es sich um die Germanstraße handelt, die zwischen Neustraße und Weberbach liegt. Unter anderem haben Wolfgang Haller, Hans-Jürgen Premm (Ralingen-Wintersdorf), Anne Busch (Trier), Hans-Peter Haag (Trier), Monika Büchel (Trier) und Jo Rolinger richtig gelegen.
Helmut Bonerz (Konz) weiß, wieso das Foto am 11. Februar 1961 im Trierischen Volksfreund erschienen ist. "Mein Vater hat mir seinen Ordner aus den 1960er Jahren hinterlassen, in welchem er alphabetisch die Zeitungsfotos zu Ihrer damaligen Serie ,Kennst Du die Straßen Deiner Heimatstadt?' gesammelt hat." Nach mehr als 50 Jahren haben diese damals aktuellen Bilder historischen Wert.
Für die Mutter von Hans-Jürgen Reinert ist auch die Germanstraße wichtig. Zur Erinnerung: Die beste Freundin von Reinerts heute 91 Jahre alten Mutter hatte in der Feyener Notkirche (Fundstückfoto vom 20. Oktober) geheiratet. Reinert schreibt, dass sich hinter der Mauer auf der rechten Seite der Aufnahme die Reste der Gervasiuskirche befinden. Reinert: "Im Kreuzgang der Gervasiuskirche haben meine Eltern im August 1949 geheiratet. Es war ein provisorischer Altar errichtet, an dem die Zeremonie vonstattenging." Auch der Brautschleier seiner Mutter sei wie der ihrer Freundin vom Ehepaar Kreuz (früher Elektro Kreuz, Saarstraße) ausgeliehen gewesen. 1951 entstand der Neubau des Ursulinen-Gymnasiums unter Einbeziehung der West-Fassade der Kirche. Heute befindet sich dort das weiblichen Schülern vorbehaltene Angela-Merici-Gymnasium.
Heribert Hanck (Trier) erinnert sich: "Der Bretterzaun auf der rechten Seite verdeckt das Trümmerfeld der ehemaligen Kirche St. Gervasius. Ich kann mich noch gut an dieses Trümmerfeld erinnern." Am Ende der Straße, "an der Stelle, wo einst das stattliche Wohnhaus stand, befindet sich heute das nicht unumstrittene Kunstprojekt Tufapolis", bei dem Kinder und Jugendliche sich ihre eigene Stadt bauen. Stadtverwaltung und Rat hätten lange darüber gestritten, was denn dort entstehen soll, "kamen aber nicht zu Potte".
Rudolf Braun (Trier) hat in besagten Gebäude gelebt. Es sei um 1961 von der Stadt Trier gekauft worden. "In der Nähe sollte das neue Theater gebaut werden." Das wurde jedoch am Augustinerhof errichtet. Die Straße, die vor diesem Haus von der Germanstraße abzweigte, hieß nach Auskunft Brauns "Auf dem Platz" und heißt heute Gervasiusstraße.
Christoph Berger (Trier), der in Sichtweite zur Germanstraße am Angela-Merici-Gymnasium unterrichtet, schreibt: "Bei der Neugestaltung des früheren Klosterberings um die alte Pfarrkirche St. Gervasius, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und daher nur noch bruchstückhaft vorhanden ist, wurde diese Mauer 1974 bei der Neuerrichtung der Schule um etwa zwei Meter nach Süden - im Bild also rechts- versetzt, wie auch der gesamte Gebäudekomplex." Die Straße sei verbreitert worden. "Daher bietet sich heute ein unverbauter Bilck auf das leider nicht mehr vorhandene Haus am Ende des Straßenzugs."

Es gibt übrigens noch eine weitere Verbindung zwischen der Germanstraße und der Feyener Notkirche. Thomas Lehnhart schreibt, dass an der Stelle der Gervasiuskirche, deren Reste in das Gebäude integriert worden sind, früher ein Gotteshaus stand, das dem Heiligen German geweiht war. "Hier gibt es einen historischen Zusammenhang mit der gleichnamigen Kapelle in Feyen." Dort befand sich an der Stelle der Kirche ein Jungfrauenkloster, das 1269/70 von Heinrich II. von Finstingen unter demselben Namen Sankt Germanus in die Neustraße verlegt worden war. Das ist nachzulesen im Aufsatz "Notizen zur Kirche St. Germanus ad undas" von Thomas Neusius. Zur Pfarrei von Sankt German gehörten auch Teile von Feyen, die heute zur Pfarrei Valerius gehören.
Zurück in die Germanstraße in der Innenstadt: Lehnhart berichtet, dass im Haus Nr. 3 früher Schuhmachermeister Josef Knode seine Werkstatt hatte. Reinert erinnert sich daran, dass sich auf der linken Seite eine kleine Eisdiele der Firma Mazzucco befand, "in der man für fünf Pfennige ein kleines Eisschiffchen kaufen konnte". Im großen Haus im Hintergrund habe sich im Untergeschoss ein kleines Lebensmittelgeschäft befunden.
Das neue Rätselbild: Heute gibt es einen klassischen Fall von "Gibt es nicht mehr". Diese auf der linken Moselseite gelegene Straße und die sie flankierenden Gebäude sind Geschichte. Eine mit durchaus unerfreulichen Ereignissen, an die unweit des Standpunkts des Fundstück-Fotografen erinnert wird. Dazu folgende Fragen: Um welche Straße handelt es sich? Was hat es mit der Bebauung auf sich? Und für welchen Zweck mussten Straße und Gebäude weichen?
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Die Auflösung gibt es wieder am nächsten Donnerstag im Trierischen Volksfreund.