Getanzte Seelenlandschaften

TRIER. Die Bühne ist dunkel. Liegen dort Menschen übereinander? Langsam wird es heller, eine karge Landschaft ist zu sehen. Leise rhythmische Musik ertönt, die Tänzer beginnen sich zu bewegen. "DEW" nennt sich das experimentelle Tanzprojekt, das in der Tufa aufgeführt wurde.

Die Werkstattperformance unter der Leitung von Diplom-Psychologin und Tanztherapeutin Gudrun Körzel handelt von Einsamkeit und Kommunikation, von der Suche nach menschlichen Beziehungen. "Jeder hat seine Bilder im Kopf", sagt Gudrun Körzel. "Der Zuschauer nimmt sich mit, was er will, lässt sich von den Bildern verzaubern." Das Ensemble der Tänzer Andreas Flesch, Klaus Berghaus, Yael Creutzfeldt, Ele Geulen, Doris Schäfer, Margitta Kauffmann und Sabine Dubowy entwickelte sich aus einem experimentellen Tanzkurs. "Sie sind zum Teil Laien, zum Teil Halbprofessionelle", erklärt Gudrun Körzel. "Die Inhalte stammen aus der Gruppe." Die Tänzer improvisierten zu den Themen "Stein" und "Vogel" und schufen so eine bildgewaltige Collage um die arabische Märchengestalt "DEW", einen bösen Derwisch, der Menschen in Steine verwandelt. Den beeindruckenden Landschaftsaufnahmen aus Norwegen folgen immer abstraktere Bilder. Je nach Stimmung stehen die Tänzer starr, wirbeln und stampfen über die Bühne, flattern wie Vögel, ziehen sich in ihre großen selbstgeschaffenen Nester zurück. Die Musik ist minimalistisch, sie stammt unter anderem aus der Schweiz, Spanien und Norwegen. Auch das vorgetragene Gedicht "Der Stein" stammt aus Norwegen. Der klare lautmalerische Gesang von Christine Radünzel schwebt über die Bühne, umschmeichelt die Tanzenden mit harmonischen Klängen. "Ich singe aus dem Augenblick, versetze mich in eine Stimmung", erklärt die freischaffende Künstlerin. "Wir sind sehr fixiert aufs Suchen und Wissen. Mir geht es darum, Seelenzustände zu singen." Die Tanz-Performance wurde mit begeistertem Applaus empfangen. "Ich bin wirklich stolz, sie haben sehr gut auf den Punkt improvisiert", strahlt Gudrun Körzel. Für das Dance-Palace-Projekt der Kulturhauptstadt Luxemburg 2007 soll das Stück zu "DEW II" weiterentwickelt werden, Profi-Tänzer sollen mitarbeiten. "Ich werde archaische Instrumente wie Gong und Didgeridoo verwenden", verrät Christine Radünzel. "Das Publikum soll mehr die Prozesse sehen. Das ist meine Sehnsucht, dass die Leute ihre eigenen Bilder erleben."

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