Getanzte Träume

TRIER. Es grünte, blühte und loderte in der Tufa. Mit einer farbenreichen und musikalisch von Mendelssohn-Bartholdy gestützten Inszenierung zeigten die jungen Akteure, dass Integration auch auf den Brettern, die die Welt bedeuten, stattfinden kann. In sensiblen Choreografien tanzten behinderte und gesunde Schüler gemeinsam den "Sommernachtstraum".

Kinder sind die Nummer Eins. Das wird bereits klar, als man den proppevollen großen Saal betritt: Ein dicker grasgrüner Teppich bietet den Kleinen direkt vor der Bühne einen Sitzplatz mit exklusiver Sicht und beinahe hautnahem Kontakt zu den Darstellern. Kaum hat das Tanztheater begonnen, verstummt das Gewusel auf der Grünfläche. Die Bewegung verlagert sich in den Fokus der Scheinwerfer. Aus dem Halbdunkel schickt das Orchester der städtischen Musikschule die leichten Melodien durch den Raum. Aufgefangen werden die Noten von den Tänzern, die in scheinbar spielerisch leichten Bewegungen den Shakespeare-Klassiker zum Tagtraum machen. Integration auf der Bühne

Sie versetzen das Publikum in einen Farb- und Bilderrausch, der in eine Phantasiewelt entführt: Elfen, Kobolde, Nymphen und Geister erwachen zum Leben. Dass manche der Akteure im Rollstuhl sitzen, ist selbstverständlich, vor allem für die Mitspieler. Berührungsängste kennen die Kinder nicht. Da werden Gehhilfen passend zum Bühnenbild dekoriert und so mancher Rollstuhl zu einer Mitfahrgelegenheit für die nicht Behinderten. Die Gemeinsamkeit ist klar: Alle haben sichtlichen Spaß an dem, was sie da tun. Ebenso ergeht es dem Publikum. Ein strahlendes Tufa-Vorstandsmitglied kann kaum den Finger vom Auslöser seiner Kamera lassen. "Phantastisch, so müsste es hier immer sein", schwärmt Karl-Heinz Breidt. Marina Idaczyk, die 1996 selbst bei der "Sommernachtstraum"-Inszenierung des Théâtre tête à tête mitgewirkt hatte, hat als Projektleiterin wahrlich ganze Arbeit geleistet. Sie musste das musikalische Repertoire zudem etwas unterfüttern, damit die einstündige Bühnenfassung getragen werden konnte. Zu Bartholdy gesellten sich unter anderem Werke aus der Walpurgisnacht - und machten das Ballett komplett. So schleichen sich verführerische Nymphengesänge - beeindruckend: die Schülerinnen des AVG-Oberstufenchores - in die Gehörgänge und jagen wohlige Gänsehautschauer über den Rücken. Satte Türkistöne fluten die Bühne. Die "Meeresstille", ebenfalls ein musikalischer Zusatz, wird in Kostümen und Choreographie zu einem Erlebnis. Kontrastprogramm bieten die später auflodernden Feuergeister mit ihren flammenden Bewegungen. Die Dramaturgie dieses Stückes lebt den Integrationsgedanken: Unterschiede schmelzen, augenscheinliche Bewegungsbarrieren werden bewältigt oder gar überwunden. Und dabei bleibt Eines immer gleich: Kinder sind die Nummer Eins.